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Kiss - Asylum




Release Info: 1985 - Mercury - Full Length
Band Info: USA - 1973 - Hard Rock
Bewertung: 7


Songs:

1. King Of The Mountain
2. Any Way You Slice It
3. Who Wants To Be Lonely
4. Trial By Fire
5. I'm Alive
6. Love's A Deadly Weapon
7. Tears Are Falling
8. Secretly Cruel
9. Radar For Love
10. Uh! All Night

Die Verkaufszahlen des Vorgängers ANIMALIZE erreichten endlich wieder die Sphären der 70er. Der Konzertfilm zur Tour ging weg wie warme Semmeln. Doch Live zogen Kiss nicht mehr wie einst. Nur 6.200 Zuschauer sahen im Schnitt die ANIMALIZE Tour. Kiss kamen aus ihren finanziellen Schwierigkeiten einfach nicht heraus. Dazu kam eine Sehnsucht nach einem Multiseller-Platin Album, welches KISS bis dahin (und bis heute) in ihrem Repertoire fehlt. Die Folge war, dass Gene und Paul schon wieder begannen extrem nach Trends zu schielen. Das begann dezent schon zu ANIMALIZE und artete bei ASYLUM vollkommen aus. Der Sound wurde immer posiger und die Optik wurde bunter und farbiger. Die Absicht war klar: diesmal eiferten Kiss der Glam- und Poserszene nach. Neue aufkommende Acts wie Bon Jovi, Ratt, und Mötley Crüe liefen den etablierten Hardrock Bands immer mehr den Rang ab. Kiss wollten, mal wieder mit Verspätung, auf dieser Welle mitreiten. Aus den Fehlern der Vergangenheit hat man offensichtlich nichts gelernt. Das Kalkül ging auch nicht auf. Die Verkaufszahlen gingen rasant zurück. ASYLUM bekam nur Gold in den USA. Nach dem schnellen Platin für ANIMALIZE und mit Verspätung für LICK IT UP (erst 1990 Platin) war das eine herbe Enttäuschung. Das Album platzierte sich auf einen respektablen 21. Platz in den US LP Charts, verkauft hat es sich aber bei weiten nicht so gut wie ANIMALIZE. Auch die folgende Tour konnte die Besucherzahlen nicht in die Höhe schrauben, sie gingen sogar zurück und blieben auf dem niedrigen Niveau der 80er Touren. Wie zuvor gab es ein paar ausverkaufte Hallen, aber auch nur Halb- bis Dreiviertel leere Hallen. Trotz der spektakulärsten Light-Show die Kiss bis dahin je auf die Beine stellten. Das Problem war das Album selbst. Zum einem der unsägliche Sound und zum anderen die immer skurriler werdenden Songs von Simmons. Vielleicht lag es am Produzenten Duo Paul und Gene, die erstmals gemeinsam das produzieren übernahmen. Erstmals schickten Kiss gleich drei Videoclips ins Rennen. Nur TEARS ARE FALLING wurde auf MTV in Heavy Rotation gespielt, während WHO WANTS TO BE LONELY und UH! ALL NIGHT wenig Berücksichtigung fanden. TEARS ARE FALLING wurde als einzige Single ausgekoppelt und platzierte sich auf einen eher enttäuschenden Platz 51 in den US Single Charts. Gene und Paul haben erneut die Sphären dieser Erde verlassen und schwebten mal wieder in ihrem eigenen Universum. Dies ist bestens im ersten Home-Video der Band EXPOSED zu sehen. Groupies räkeln sich halbnackt durchs Bild und werden wie Ausstellungsstücke frauenfeindlich zur Schau gestellt. Als Teenager fand ich das noch witzig aber im Grunde genommen ist das Video an Peinlichkeit nicht zu überbieten. Erneut waren externe Songschreiber mit dabei. Allen voran die „Hitmaschine“ Desmond Child, Jean Beauvoir und andere. Beauvoir war 84/85 ganz dicke mit Paul befreundet und hing zunächst einfach nur mit Paul ab bevor Paul irgendwann mal mit Jammen begann. Beauvoir schrieb THRILLS IN THE NIGHT auf ANIMALIZE und komponierte auf ASYLUM die beiden Songs WHO WANTS TO BE LONELY und UH! ALL NIGHT mit. Da Beauvoir auf den Demo den Bass einspielte war Paul der Meinung, dass Jean auch den Bass auf dem Album einspielen sollte. Gene zeigte sich damit sofort einverstanden uns war alles andere als Eitel. Beauvoir zog 86 nach Schweden um sich neuen musikalischen Projekten zu widmen. Der intensive Kontakt zu Paul wurde ein loser. Am Songwriting mit beteiligt war auch Bruce Kullick, der nun offiziell als Gitarrist endlich mit auf einem Album war. Das Cover zierte die ungeschminkten und gemalten Gesichter der vier Bandmitglieder, und zwar auf den Lippen in den Farben der vier Solo Alben unter dem Kiss Banner von 1978. Für viele Fans war das ein Affront gegenüber Ace und Peter. Es passte aber zum bunten, farbigen und schrillen Papageien-Outfit, welches Kiss bzw. Paul und Gene der Band verpassten. Insgesamt fügte sich das Ganze in das eher ziellose Steuern des Kiss Dampfers durch die unmaskierte Zeit. Ursprünglich sollte der Albumtitel OUT OUF THE ASYLUM lauten, wurden dann aber zu ASYLUM. Ich habe noch die Metal Hammer Ausgaben der 80er in meinem Keller und dort war von zu lesen, dass sich Kiss während der Studioaufnahmen zum Album wie im Asyl gefühlt haben und deswegen ASYLUM als Albumtitel wählten. Jahre später gab es eine Aussage, dass man sich während der Tour wie im Asyyl gefühlt habe und deswegen wurde ASYLUM als Albumtitel verwendet. Sei es drum. Ist halt mal wieder in gutes Beispiel für die vielen Richtungswechsel von Kiss. Die „zurückeroberte“ Identität ist mit ASYLUM wieder verloren gegangen. Was man sich mühsam mit CREATURES, LICK IT UP und ANIMALIZE erarbeitet hat, war schneller wieder weg. Der Kiss Dampfer verlor den Kurs, weil Paul und Gene nix besseres einfiel als erneut dem Trend hinterher zu hecheln. Dabei war der Großteil der Songs vom ASYLUM gar nicht mal so verkehrt. Etwas fetter und härter produziert, weniger auf AOR schielend, hätte man aus der Scheibe viel mehr rausholen können. Bruce spielte aus meiner Sicht seine besten Solis ever auf ASYLUM. Für meinen Geschmack hat er dieses hohe Niveau nie wieder in dieser Masse erreicht. Sein Gitarrenspiel war ganz anders als das von Mark St. John, Vinnie Vincent oder Ace. ASYLUM bekommt von mir knappe 4 Sterne, gerade noch an drei Sternen vorbei. Sechs herausragende Songs, zwei weitere starke Songs, eine passable speedige Nummer und eine Vollkatastrophe. Dazu tolle Solis von Bruce. Starkes Drum Intro bei KING OF THE MOUNTAIN, tolle Bass/Solo bei LOVE’S A DEADLY WEAPON Passage. Starke Chöre und eingängige Songs. Der Sound ist leider nicht heavy genug und ziemlich poppig. Das kostet einige Punkte. Die 6-8 Nummern höre ich bis heute noch. Im Vergleich zu den drei Vorgängern spiele ich ASYLUM heute selten in Gänze ab. Allerdings sollten mit CRAZY NIGHTS und HOT IN THE SHADE zwei Alben folgen, wo immer weniger Songs es auf die Playlists schafften.(AMAZON)




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