1. Hate
2. Rain
3. Master And Slave
4. Childhood's End
5. I Will Be There
6. Jungle
7. In My Head
8. It's Never Goes Away
9. Seduction Of The Innocent
10. I Confess
11. In The Mirror
12. I Walk Alone
Wie zeitlos die klassischen KISS sind, zeigt nicht nur der Triumphzug der Reunion -Tour, sondern vor allem der Image- und Stilspagat der unmaskierten Besetzungen zwischen 1983 und '95. Ob schmieriges Keyboard-Gepose oder knackiger Heavy-Rock, ob Superstar-Image oder das Wiederentdecken der Street-Credibility, KISS haben alles probiert und dennoch erst mit der Wiedervereinigung den Erfolg der siebziger Jahre reaktivieren können. Die letzte Anpassung an den Zeitgeist war das 1995 noch mit Eric Singer und Bruce Kulick an Drums bzw. Gitarre eingespielte "Carnival Of Souls"-Album, das bislang durch die Zeitreise mit Frehley und Criss in den Tresoren der Plattenfirma abschimmelte. Auf wundersame Weise entfleuchte Tapes wurden daraufhin fast zu Tode gebootlegt, weshalb "C.O.S." jetzt endlich als offizieller Release vorliegt. Noch deutlicher als auf der '92er "Revenge"-Single 'Unholy' zeigen sich KISS von einer düsteren Seite, die eine überraschende Post-Grunge-Atmosphäre verbreitet. Vergleiche mit Alice In Chains begleiten "C.O.S." schon, seit die erste Bootleg-Kassette die Runde machte. Mit dem Genre-typischen Schwelgen in Selbstmitleid haben KISS dennoch nicht viel am Hut. Besonders Paul Stanleys Stimme hat einfach zu viel Charisma, um in dem instrumentalen Sumpf von Seattle-Melancholie unterzugehen, der sich in manche Songs eingeschlichen hat und überraschenderweise überwiegend Bruce Kulick zu verdanken ist, der massig Songs mitkomponierte und fast alle Gitarren und auch diverse Bass-Spuren im Alleingang eingespielt hat. Auch gesangstechnisch profiliert sich der Mann, der bei KISS jahrelang solide, aber unauffällig vor sich hin klampfte, mit dem sehr feinen 'I Walk Alone'. Dennoch ist der Aufschrei der Fans verständlich, die von ihren Lieblingen mehr als zwei Jahrzehnte lang überwiegend simple Rocker gewohnt waren und jegliche Experimente bislang mit kommerzieller Nichtbeachtung straften. Selbst das klassische Vers-Chorus-Schema geht auf "C.O.S." desöfteren über Bord. Leidtragende sind die genialen Hooks, für die die Band berühmt geworden ist und die nur noch in wenigen Kompositionen wie den großartigen Stanley-Tracks 'Master And Slave' oder 'Jungle' durchschimmern. Ein Schlingel, wer hinter "C.O.S." das letzte Aufbäumen vor dem (in kreativer Hinsicht) sauren Reunion-Apfel vermutet. Aber auch kritische Zeitgenossen müssen neidlos anerkennen, daß KISS selbst auf ungewohntem Terrain eine mehr als passable Figur abgeben. (ROCK HARD 8 / 10)
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