1. I Stole Your Love
2. Christeen Sixteen
3. Got Love For Sale
4. Shock Me
5. Tomorrow And Tonight
6. Love Gun
7. Hooligan
8. Almost Human
9. Plaster Caster
10. Then She Kissed Me
Auf seinem 6. Studioalbum präsentiert sich das maskierte Kult-Quartett aus New York als selbstbewusste Rock & Roll-Band - das gelungene Cover-Artwork bringt das meines Erachtens auch sehr schön zum Ausdruck. Nach den Überfliegern "Alive!" (dem legendären Live-Doppelalbum von 1975) und "Destroyer" (das - 1976 erschienen - dank Bob Ezrin etwas üppiger als bis dato erschienenes Studiometarial klang) orientierte man sich soundtechnisch wieder an den trocken-schmissigen Klängen der Prä-Alive!-Ära, weshalb das (ebenfalls) 1976 erschienene "Rock & Roll Over" und eben "Love Gun" (1977) verhältnismäßig ruppig und rau ausgefallen sind. Tatsächlich muss man - auch als Fan - wohl zugeben, dass anno 1977 durchaus fettere Produktionen im Bereich Hard Rock - Rock - Pop (man höre zum Vergleich z.B. AC/DC-Scheiben aus jenen Jahren oder Veröffentlichungen anderer Bands) möglich waren, dabei waren die Produktionskosten mit rund 100 000 US-Dollar für damalige Verhältnisse interessanterweise sogar sehr hoch angesetzt... Nichtsdestotrotz entschieden sich die Herren Stanley, Simmons, Frehley & Criss wieder auf ihren Stammproduzenten Eddie Kramer zurückzugreifen - und das Ergebnis beweist letztendlich, dass diese Entscheidung richtig war (Mr. Ezrin durfte später aber wieder zurückkehren). In einer guten - äußerst kurzweiligen - halben Stunde beweist die New Yorker Kult-Truppe, dass starke Rock-Songs gerade in ungeschliffener Form am meisten Freude bereiten und dass gut komponierte, clevere Tracks ohnedies zeitlos sind und bleiben. Auch wenn Kritiker manchmal darauf hinweisen, dass vorliegendes Album mit der Zeit Altersschwäche zeige und andere Kiss-Veröffentlichungen insgesamt beständiger seien, so muss man "Love Gun" doch zugute halten, dass es auf seine (vielleicht auch recht eigenwillige) Weise nahezu perfekt funktioniert: Knackig-launiger Rock & Roll mit rotzigen Gitarren (und obligatorischen, jedoch nie überlangen Soli), scheppernden Drums und tollem Gesang entführt den freudestrahlenden Hörer wenigstens eine halbe Stunde lang aus der Tristesse des Alltags - und was will man bitteschön mehr?! Dass das Album abgesehen vom ohnedies bekannten Titeltrack (der stellenweise stark an "Detroit Rock City" erinnert) wahrhaft üppig bestückt ist, unterstreicht, in welch blendender Form sich die Mannen von Kiss damals befunden haben. Der wirbelnde Opener "I Stole Your Love" verzückt ebenso wie etwa der straighte Old-School-Rocker "Christine Sixteen" oder wie die großartigen "Almost Human" (das ich nach mehreren Hördurchgängen immer besser finde) bzw. "Plaster Claster" mit seinem unsterblich-wunderhübschen Riff. Die 3 letztgenannten Titel gehen übrigens allesamt aufs Konto von Gene Simmons, der auf diesem Album vermutlich seinen Songwriter-Zenit erreicht hatte (vor allem was die Dichte an tollen Songs aus seiner Feder anbelangt). Sogar der Cover-Rausschmeißer "Then She Kissed Me", der recht originalgetreu wiedergegeben wird (nur der Text wurde gegenüber der Crystals-Version leicht verändert (und aus "He" wurde im Refrain "She")), macht einfach nur Spaß und zeigt, wie leicht & ungezwungen (wenigstens wirkt es so) der Band damals grandiose Songs geglückt sind. Man könnte fast meinen, sie seien den inspiriert herangehenden Herren damals geradezu herausgepurzelt! [Anm.: Dabei war Ace Frehley beim Einsingen von "Shock Me" angeblich so nervös, dass er dieser Aufgabe am Boden liegend nachkam, um dabei niemandem in die Augen blicken zu müssen. Im Nachhinein ist es gut, dass Frehley seinen inneren Schweinehund überwinden hat können, denn seine Songwriterfähigkeiten sollten vor allem auf den darauffolgenden Alben (mit ihm gab's im Anschluss leider nur mehr 3 Stück) zur Geltung kommen, aber das ist ja wiederum eine andere Geschichte...] Die Selbstverständlichkeit & Frische des Albums sind meiner Meinung nach seine größten Stärken. Rein gar nichts hört sich gekünstelt oder angestrengt an und der verhältnismäßig rohe, sehr erdige Sound rundet diesen Eindruck zusätzlich stimmungsvoll ab. So gesehen ist "Love Gun" vielleicht nicht ganz auf dem Level von "Destroyer" angesiedelt (was aber ohnehin an Größenwahn grenzt) und natürlich ist es kaum mit späteren Studiotüfteleien a la "Dynasty" (das ja schon 2 Jährchen später folgen sollte und ungewöhnlich glatt, poppig und kommerziell klang, aber dennoch ein gelungenes Album ist) oder "Music from The Elder" (das gerne unterschätzt wird) zu vergleichen, aber gerade wegen seines schnörkellosen Zugangs und seiner Geradlinigkeit macht "Love Gun" auch heute noch so viel Spaß. Der direkte Vorgänger "Rock & Roll Over" schlägt übrigens in eine ähnliche Kerbe und sollte - so wie vorliegendes Album - keiner gut geführten Rockmusik-Sammlung vorenthalten bleiben! Wer beginnt, sich mit Kiss auseinanderzusetzen, der kann neben "Destroyer" (1976) auch gleich zu "Love Gun" (1977) greifen. Für Interessierte möchte ich außerdem noch "Rock & Roll Over" (1976), "Dynasty" (1979), "Unmasked" (1980), das (leider immer noch) hochunterschätzt ist, und das fett produzierte "Sonic Boom" (2009) herzlichst weiterempfehlen. "Music from 'The Elder'" (1981) sollte man sich eigentlich auch unbedingt reinziehen... FAZIT: Selbst wenn man "Love Gun" schlechten Willens vorwerfen könnte, dass es teils stark ans erfolgreiche "Destroyer" angelehnt ist (man höre z.B. den Titelsong), ohne jedoch dessen ausgewogenen & gleichermaßen experimentellen Klang zu erreichen, muss man festhalten, dass es ein Sammelsurium großartiger und kurzweiliger Rock&Roll-Songs ist, das auch viele Jahrzehnte später noch mit seiner Unbekümmertheit & Frische begeistern kann. Für mich zählt vorliegende Scheibe jedenfalls zu den größten Würfen der Kissology!(AMAZON)

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