1. The Oath
2. Fanfare
3. Just A Boy
4. Dark Light
5. Only You
6. Under The Rose
7. A World Without Heroes
8. Mr. Blackwell
9. Escape From The Island
10. Odyssey
11. I
Man kann es drehen und wenden wie man will: So recht mag das vorliegende Album nicht ins heilige Kiss-Universum passen, dessen Grenzen mit launigem Partyrock einerseits und mit Stadionhymnen samt eingängigen Mitsingrefrains andererseits relativ klar abgesteckt sind. Dabei gilt das 1981 erschienene „Music From „The Elder““ (Album Nr. 9 in der Band-Chronologie) mittlerweile als Liebling einiger Fans und hat viele Befürworter und Sympathisanten gefunden. Die meisten Kritiker haben die Platte einst schon gemocht und lagen mit ihrer Einschätzung meines Erachtens goldrichtig. Tatsächlich gibt es keine vergleichbare Veröffentlichung in der Kissstory und obwohl ich auch viele, viele anderen Alben des New Yorker Kult-Quartetts wirklich mag, ist „Music From „The Elder““ neben dem legandären „Destroyer“ (1976) für mich so etwas wie ein Lifetime-Favorit geworden. Jedenfalls wären das jene 2 Kiss-Scheiben, die ich zuerst rausfischen würde, wenn’s darum ginge, seine kostbarsten Schätze aus der Musiksammlung im Notfall zu retten… Das Album, auf dem erstmals der famose Eric Carr („The Fox“) die Trommeln bearbeitet, kann getrost als einziges echtes Konzeptwerk der Band gelten. Die Idee war (laut Simmons) den Soundtrack zu einem fiktiven Film („The Elder“) abzuliefern, wobei der Handlungsstrang recht einfach gestrickt ist. Dem großartigen Aufbau und der fließenden sowie begeisternden Dynamik des Albums tut dies aber keinen Abbruch. Eröffnet wird das Spektakel mit dem Titel „Fanfare“, der den Hörer prompt ins Mittelalter (oder wie man sich’s dort halt vorstellt) entführt, ehe nahtlos ins wunderschöne „Just A Boy“ übergeleitet wird, das „Starchild“ Paul Stanley grandios meistert. „Odyssey“ hätte toll zu einem 80er-Jahre-James-Bond-Film gepasst, „Only You“ eigentlich auch – beide sind verspielt und leicht (und angenehm) progressiv angehaucht, während „Under The Rose“ ziemlich schwermütig klingt und wieder Bezug zum Thema von „Just A Boy“ nimmt. „Dark Light“, bei dem u.a. auch Lou Reed mitgewirkt hat (was man ihm – im positiven Sinn – auch anmerkt) wird von Ace Freyhley gesungen, der seinen letzten bedeutenden Beitrag für lange Zeit beisteuern sollte. Hier ist die fantastische A-Seite bereits am Ende. Seite B beginnt mit dem ruhigen „A World Without Heroes“, das Gene Simmons gefühlvoll interpretiert und das sogar Mitte der 90er für die MTV-Unplugged-Sessions wieder ausgegraben wurde (Gott sei Dank!). „The Oath“ ist bebender Heavy Rock, wie man ihn bis dato nicht von Kiss gewohnt war (zumindest in dieser Form noch nicht) und hätte eigentlich alle Kritiker verstummen lassen müssen. Die letzten 3 Tracks, nämlich „Mr. Blackwell“, „Excape From The Island“ und „I“ (das Stanley und Simmons gemeinsam singen) runden die Platte stimmig ab. Als Produzent hatte hier Bob Ezrin seine Finger im Spiel, der bereits dem Kiss-Klassiker „Destroyer“ seinen Stempel aufgedrückt hatte und ein Jahr vor „Music From „The Elder““ (also 1979) Pink Floyds „The Wall“ produziert hatte. Und auch wenn sich Stanley und Simmons heute (warum auch immer) eher zurückhaltend zu diesem Kiss-Sonderling äußern und Ezrin anno dazumal ziemlich benebelt gewesen sein soll (sein Koks-Konsum soll bedenkliche Ausmaße angenommen haben), so ist doch festzustellen, dass die Scheibe nach wie vor sehr flüssig, homogen und experimentierfreudig klingt und sie eine angenehme Frische innehat, die auch heute noch begeistert – wenigstens mich. Bemerkung am Rande: „Music From „The Elder““ war das erste Kiss-Album, das keine Abbildung der Bandmitglieder am Cover zeigte. Fazit: Ich find’s zutiefst schade, dass Mr. Stanley und Herr Simmons nicht über ihren Schatten springen können und endlich mal ein paar Songs von diesem Album live wiedergeben. Eigentlich hätte es sich „Music From „The Elder““ verdient gehabt, einmal (oder gerne auch mehrmals) komplett in ein Live-Set integriert zu werden. Und wenn man dazu kein herkömmliches Kiss-Konzert heranziehen möchte, dann hätte man das Ganze ja auch einmal in einem kleineren Rahmen performen können… Natürlich will man bei einem Konzert nicht auf „Detroit Rock City“, „Shout It Out Loud“ und Co. verzichten, aber hier hätte sich die Chance geboten, einmal etwas Exklusives auf die Beine zu stellen, naja… Titel von „Creatures Of The Night“ (dem Nachfolgeralbum) sind ja immerhin auch bis in die Gegenwart immer wieder in diversen Setlists zu finden, obwohl das einst auch kein großer kommerzieller Erfolg war. Sei’s wie’s sei – „Music From „The Elder““ ist – ganz ohne Filmverwirklichung (den muss man sich halt vor seinem geistigen Auge ausmalen) – ganz großes Kino für die Ohren und verzückt, wie ich meine, mühelos so ziemlich jeden, der unvoreingenommen gute Musik genießen will. Es überrascht nicht, dass gerade Leute, die Kiss ansonsten nicht sonderlich zugetan sind, diese Platte sehr zu schätzen wissen. Ironischer Weise hätten Anhänger sämtlicher anderer Rock-Bands eine solche Veröffentlichung vermutlich auf Anhieb gefeiert… Überraschend und ebenso bedauerlich ist hingegen die Sturheit so mancher eingesessener Fans und der Bandväter, wenn’s um dieses – ich muss es an dieser Stelle einfach sagen – sträflich unterschätzte, einmalige und hochambitionierte Konzeptwerk einer der größten Bands aller Zeiten geht. Aber hört selbst…Definitiv eine meiner Top-50-Platten, wenn’s um persönliche Favoriten in Sachen Rock & Pop & Co. geht! Und auch wenn das Kiss-Fans vielleicht nicht so gern hören: Für mich ist dieses Album das beste von Kiss, neben „Destroyer“! „Ace Frehley“, „Dynasty“, „Unmasked“, „Creatures Of The Night“ oder auch „Psycho Circus“ und „Sonic Boom“ folgen aber dicht dahinter… ;) (AMAZON)

:format(jpeg):mode_rgb():quality(90)/discogs-images/A-153073-1482861756-9537.jpeg.jpg)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen