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Paradise Lost - One Second




Release Info: 1997 - Music For Nations - Full Length
Band Info: England - 1987 - Gothic Metal
Bewertung: 7,5


Songs:

1. One Second
2. Say Just Words
3. Lydia
4. Mercy
5. Soul Courageous
6. Another Day
7. The Sufferer
8. This Cold Life
9. Blood Of Another
10. Disappear
11. Sane
12. Take Me Down

Man kann es drehen und wenden, wie man will - ein Richtungswechsel im Hause PARADISE LOST war dringend überfällig. Zwar stellte das Vorgänger-Album 'Draconian Times' mit Lee Morris einen Drummer vor, der das britische Hardrock-Flaggschiff zu mehr Musikalität antrieb, doch Ermüdungserscheinungen im Songwriting waren selbst für beinharte Fans nicht zu überhören. Nicht daß das technische Können der Herren zuvor Anlaß zur Kritik gegeben hätte, aber es war in erster Linie der Stil der Gothic Metal-Pioniere, verbunden mit einem guten Näschen für einprägsame Melodien, der die Massen begeistert hatte. Die klar getrennte Gitarrenwand pumpte eisern und kaschierte gleichzeitig ein paar Mängel der Youngsters, ein Prinzip, das mittlerweile von Hunderten von Bands bereitwillig adaptiert worden ist. Da tut frischer Wind ganz gut, dachten sich die Jungs, und nahmen sich mit Jungstar-Produzent Sank jemanden zur Hand, der ihre Visionen spielerisch leicht umsetzte. Was hat sich also getan? Die Briten setzen auf 'One Second' ihre Melodien wesentlich bedächtiger, subtiler, aber auch dynamischer (laut/leise) und atmosphärischer um. Nick Holmes singt erstmals glasklare Melodien und wirkt ausdrucksstärker denn je, sorgt sogar im Flüsterton für Gänsehaut. Und rhythmisch geht's vielseitiger unter dem Einsatz von Drummachines zur Sache, zur Abrundung erweitern technische Effekte den Sound um einige zusätzliche Facetten. Das klingt erwachsener und professioneller und ist so gewollt. Die Scheibe wird einigen Gothic- und Metal-Fans übel aufstoßen, denn genaugenommen sind PARADISE LOST eine weitere Band, die den Ausbruch aus ihren eigenen Klischees in der Flucht nach vorn sucht. Und 'vorn' heißt in diesem Falle Richtung Charts. Hartgesottenen kann man also vor dem Kauf einen Probedurchlauf empfehlen, denn 'One Second' ist ein ziemliches 'Kommerzalbum', obwohl noch unverkennbar PARADISE LOST. Alle anderen freuen sich hingegen auf eine geniale Ansammlung von Ideen und Melodien, die mit modernen Mitteln umgesetzt wurden. Kurz und schmerzlos sind dem Duo Holmes/Mackintosh eine Reihe Ohrwürmer mit Hitcharakter gelungen, die sich jeder Düster-D.J. auf seine Einkaufsliste schreiben muß. 'One Second', 'Just Say Words', 'Mercy' und insbesondere der Geheimtip 'The Sufferer' schreien förmlich nach Tanzflächenbeschallung. Gelegentlich hätte man sich zwar noch ein paar Gitarrenspitzen mehr gewünscht und mit 'Blood Of Another' ist auch ein ähnlich banaler Track wie die letztmalige Single 'The Last Time' vertreten, aber insgesamt ist 'One Second' für meine Begriffe ein rundes und aufregendes Rock-Album der Spitzenklasse. (ROCK HARD 9 / 10)






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