1. Cherry Bomb
2. You Drive Me Wild
3. Is It Day Or Night?
4. Thunder
5. Rock And Roll
6. Lovers
7. American Nights
8. Blackmail
9. Secrets
10. Dead End Justice
1976 bewiesen die - noch äußerst jungen - "Runaways" mit dieser ihrer Debut- Scheibe, dass der Glaube, Mädchen könnten keinen guten Rock & Roll (selber) machen (sondern sich daher mit Fan- und Groupie- Dasein zu begnügen), der Vergangenheit angehört! Denn die 5 weiblichen Teenager hier (Cherrie Currie als Lead- Sängerin mit ihrer unnachahmlich vielseitigen und hervorragenden, dafür scheinbar "gemachten" Rock & Roll- Stimme; (die später noch bekannter werdende) Joan Jett an der Rhythmus- Gitarre, die unnachahmliche Sandy West an den Drums; Jackie Fox am Bass und die an der Lead- Gitarre so einzigartig begabte Lita Ford) nehmen keine Rücksicht auf bis dato tradierte Rollen- Klischees im bis dahin hoffnungslos von Männern dominierten Rock & Roll- Business, und zeigten hier gleich, wo der Hammer hängt! Und das wirklich frech: laut und schnell, und dennoch melodisch genug wird hier der Rock & Roll nicht nur gespielt; die Girls provozierten nicht nur mit ihrer Musik und ihren Songtexten, sondern gerade auch mit ihren Bühnen- Auftritten, wenn die sexy Girls da - noch lange nicht volljährig und zu dieser Zeit! - z.T. in Unterwäsche auftraten. Nichts schien diesen Teenagern hier heilig zu sein, als den perfekten Rock & Roll zu kreieren.
Und das gelang ihnen tatsächlich auf nahezu einzigartige Weise! Technisch perfekt, mit für den Rock & Roll geschaffenen Stimmen (vor allem Lead- Sängerin Cherrie Currie; aber auch die anderen Bandmember (z.T. singt hier auch Joan Jett Lead) beweisen z.B. im Background ihre Stimmqualitäten), starken Rock & Roll- Rhythmen und Hooklines, die im Ohr bleiben und auch einem großartigen Talent zum Songwriting. - Denn auch das hatten die Bandmember drauf: allein die begnadete Joan Jett soll ja hier bei 5 der 10 Songs hier zumindest maßgeblich mitgeschrieben haben. Noch häufiger erscheint hier bei - zumindest nach den Credits - aber der berüchtigte Band- Manager der "Runaways", Kim Fowley,, an den einzelne Bandmitglieder nicht nur gute Erinnerungen haben sollten... Andererseits soll just dieser Mann seinen gehörigen Anteil am Entstehen der Band gehabt haben, indem er einzelne Bandmember zueinander vermittelte (Joan Jett und Sandy West), als Mann, der im Showbusiness schon mehr Erfahrungen und Kontakte aufzuweisen hatte.
Zugetraut hätte man dieser jungen Band in dieser Form problemlos, einen ähnlichen Hype wie vor ihnen die Beatles oder die Rolling Stones auszulösen. - Denn hier stimmt einfach alles! Dennoch ernteten sie entsprechenden Erfolg fast nur in Japan (daher die große Japan- Tour 1977), wo ihre Ausnahmeerscheinung als einzigem Land der Welt so richtig gewürdigt wurde; während sie in ihrer Heimat, den USA, nie so richtig charten konnten. - Was einerseits vollkommen unerklärlich ist; andererseits z.T. auch auf den Boykott vieler (konservativer) Radio- und TV- Stationen in diesem Land zurückzuführen sein könnte. Und das, obwohl die Band völlig authentisch ist: selbstbewusst und rebellisch auftretend; das Songwriting größtenteils selbst übernehmend von frühem Zeitpunkt an; oft über persönliche Dinge oder das, was ihre Fans beweget, singend; Mädchen, die im gleichen Alter sind, wie ihre Zuhörer(innen). - Gerade für (gleichaltrige) Mädchen hätten diese hochtalentierten und kraftvollen jungen Damen ja ein ideales Identifikationspotential darstellen können. Auch wenn (oder gerade weil?) sie ihr rebellisches Bad- Girl- Image recht offen pflegten, und eben den Rock & Roll- Lifestyle - mit allem, was dazu gehört - schon in äußerst frühen Jahren in vollen Zügen genossen.
Heraus kam jedenfalls ein exzellentes Debut- Album, das dem Rock & Roll- Fan kaum Wünsche offen lässt. Der Stil der Songs, deren Entstehungszeit, sowie die Bühnenshow der Girls zeigen zudem eine starke Nähe zum Glam Rock. Auch Einflüsse z:B. der "Rocky Horror Picture Show" werden hier deutlich. Wie auch z.T. eine Ähnlichkeit zum in dieser Zeit aufstrebenden Punk Rock nicht ganz zufällig sein dürfte; auch, weil Manager (und hier oft als Songwriter genannte) Kim Fowley eine starke Affinität zu diesem damals neuartigen Stil hatte (zumindest kurze Zeit später aber sollte die Nähe der "Runaways" zum Punk Rock allerdings noch stärker werden; vor allem aufgrund von Joan Jett's Sympathien dafür). Doch wer denkt, dass hier recht sanft gespielt wird, "weil das ja noch Mädchen sind", irrt sich hier allerdings völlig: vom ersten bis zum letzten Song geht hier auf recht hardrock- mäßige Art die Post ab; es gibt hier keine echten Balladen. Und tatsächlich brauchten sich bei diesem Potential diese Teenager absolut vor keinem großen Namen der damaligen (harten) Rockszene zu verstecken!
Der klar bekannteste Song dieses Albums ist der Opener "Cherry Bomb", den ich aber noch nicht mal unbedingt zu den besten Songs hier zählen würde; denn so richtig gute Rock & Roll- Schocker sind auch "Thunder", "You drive me wild", das auch hier sehr gut gespielte Lou Reed- Cover "Rock & Roll", "Lovers" und "Secrets". Aber auch "American Nights", "Blackmail" und "Is it day or night?" haben Klasse. Das - mit 7 Minuten allein schon zeitlich stark aus dem Rahmen fallende "Rock & Roll- - Teenager- Drama" und letzte Stück dieser Scheibe, "Dead end Justice," steht hier mehr für sich, ist aber ebenso beachtlich, und beweist eine Affinität der Band auch zum Theatralischen, zu Musicals oder Rock- Opern (ist eigentlich auf diesem Hintergrund schade, dass mit den "Runaways" so etwas nie realisiert wurde). Kurzum: Jeder Song hier ist zumindest gut, wenn nicht Spitze!
Außerhalb Japans nie so wirklich bekannt und erfolgreich (warum eigentlich nicht?), sind die "Runaways" - trotz einiger auch sehr guter Alben nach diesem Debut- Album hier - dann bald auch wieder - nach ihrem Split Ende der 70er Jahre (vor allem wohl aufgrund von internen Zerwürfnissen, sowie einigen Drogenproblemen von Bandmembern) - so ziemlich in der Versenkung verschwunden. Es scheint kein großes "Runaways- Revival" danach gegeben zu haben. Erst in den letzten Jahren ist die Band wieder bekannter geworden - bedingt durch das Internet, wie auch durch diesen vor erst wenigen Jahren erschienenen "Runaways"- Spielfilm mit Kristen Stewart und Dakota Fanning (in den Hauptrollen), durch den auch ich erst auf diese geniale Rock & Roll- Band aufmerksam geworden bin. Rein qualitativ gehört diese Band allerdings mit zum Besten, was die späten 70er Jahre an Rock & Roll- Bands hervorgebracht haben, weshalb auch diese Scheibe verdient, vom Rock & Roll- Fan auch dieser Tage gehört zu werden; auch wenn die nachfolgenden Alben der Band nicht schlechter sind; was insbesondere für den 1 Jahr nach diesem Album erschienenen "Queens of Noise" gilt, da dessen Songs mnr Meinung nach noch eindrucksvollere Rhythmen und raffinierte Hooklines aufweist, und insgesamt daher sogar noch genialer ist als dieses Album hier, das dennoch großartig ist. FAZIT: Starkes Debut- Album einer der (oder sogar DER) besten All- Girl- Rock & Roll- Bands, mit klasse Rhythmen und Melodieführungen, super Stimmen und dem großartigen "Runaways"- Sound! (AMAZON)

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