
1. Thrill Of It All
2. Smoke From A Gun
3. Stacy
4. Bad Blood
5. Dearborn Station
6. Lonely Hunter
7. Deep In The Heart Of The Night
8. Stormy Love
9. Out On The Streets
10. 98° In The Shade
11. Home Free
1985 war ich Mitte zwanzig und stand auf Tears for Fears, Dire Straits, Howard Jones, Depeche Mode, Frankie Goes to Hollywood, Big Country, The Damned, Yello, Propaganda, Rick Springfield, Marillion, Foreigner, Asia und andere. Eine Band namens Fortune war mir damals nicht bekannt und sollte es auch weiterhin nicht sein, bis ich vor einigen Tagen irgendwo im Internet eine Rezension zu ihrem 1985 erschienenen Album FORTUNE las, die mein Interesse weckte. Die Brüder Richard (Gitarren) und Michael Fortune (Drums) aus Los Angeles hatten bereits 1978 ein völlig unbeachtet gebliebenes Debütalbum veröffentlicht. Was zwischen diesem Zeitpunkt und ihrem zweiten (und letzten) Album geschah, bleibt im Dunkeln der Geschichte. Anfang und Mitte der achtziger Jahre war in den USA der AOR (Adult Orientated Rock) total angesagt. Bands und Sänger wie Journey, Asia, Survivor, Foreigner, REO Speedwagon, Heart, Bryan Adams bis hin zu dem altgedienten Bruce Springsteen (BORN IN THE USA) verkauften ihre LPs in millionenfacher Zahl.
Flächige Keyboards und Synthesizer, wunderbar sinnlose Gitarrensoli, dramatischer Leadgesang nebst aufgebauschten Chören sowie durchweg 'bedeutend' arrangierte Songs irgendwo zwischen Hardrock und Powerballade. Klanglich gab es Höhen ohne Ende, während der Bass allenfalls hör-, aber nicht mehr spürbar war. Es jubilierte all überall flach vor sich hin. Fortune passten in diese Zeit perfekt hinein. Ungenannt, aber eigentlich in riesengroßen Lettern stand über ihrem Album der Name J-o-u-r-n-e-y. Sänger Larry Greene schmetterte zwar vom Timbre her etwas dunkler, jedoch eigentlich sehr vergleichbar mit Sänger-Legende Steve Perry (aber auch UFOs Phil Mogg), die Keyboards erinnerten stets an Jonathan Cain, und selbst der Songaufbau orientierte sich an Journey-Alben wie ESCAPE (1981) und FRONTIERS (1983).
Mit dem starken Opener "Thrill of It All" führten sie den Hörer zunächst auf eine falsche Fährte, denn die Ian Crichton-Gedächtnisgitarre ging klar in Richtung Saga. Es folgte der hohle, gleichwohl anrührende Journey-Bombast von "Smoke of a Gun". Mit der dramatischen Ballade "Stacy" gelang Fortune der einzige registrierte Chart-Eintrag, erreichte der Titel doch als Singleauskopplung Platz 80 der US-Billboard-Charts. "Stacy" war eine unverschämt clevere Mischung aus "Open Arms" (Journey, 1981) und "Terri" (UFO, 1982), während der Saxophoneinsatz eine Verbindung zu Gerry Raffertys Klassiker „Baker Street“ von 1978 herstellte. „Dearborn Station“, „Deep in the Heart of the Night“ oder „Stormy Night“ klangen derartig deutlich nach Journey, dass man sich heute nur seufzend zurücklehnen und den nostalgischen Adrenalin-Kick voll auf sich wirken lassen kann. „Lonely Hunter“ könnte hingegen die kurzfristige Erfolgsband GTR beeinflusst haben, die 1986 mit ihrem einzigen Album bis auf Platz 11 der US-Charts kletterte. „Out on the Streets“ und „98 in the Shade“ fügten new-wavigen Synthie-Charme und AOR auf wundersame Weise zusammen.
Kurzum: Die durchweg gelungenen Songs von FORTUNE erinnern insgesamt an eine Zeit der US-amerikanischen und teilweise auch englischen und deutschen Rockmusik, in der große Melodien (sprich Ohrwürmer) sich mit aufwendiger Produktion und seltsam anämischen Arrangements verbanden, die heutzutage von vielen gelegentlich gerne wieder gehört werden. Und so auch von mir. Manchmal brauche ich einfach solche Platten, die wie Schmirgelpapier für die mit den Jahrzehnten rau gewordene Seele wirken. Warum dieses Album seinerzeit nicht die Charts stürmte, ist rätselhaft, denn genauso klang damals professionell gemachte, äußerst eingängige Rockmusik. Und der Bandname war geradezu genial. Seit 2006 sind die Fortune-Brüder übrigens wieder live unterwegs, um das musikalische Erbe ihrer Formation dem Vergessen zu entreißen. Wohlgetan! (ROCK HARD 8,5 / 10)

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