1. Diluvium
Musikalisch sieht es da besser aus, auch wenn man THEM einfach attestieren muss, dass „Return To Hemmersmoor“ letztlich nicht mehr als das berüchtigte more of the same bietet. Quasi „(Hemmers-)Moor of the same“. Die Mische aus Power und Thrash funktioniert auch anno 2020 bestens, vor allem da hier die Hysterie von Ersterem mit dem Furor des Letztgenannten kombiniert wird. Es kommen nach wie vor ein paar echte Kracher dabei heraus. Der musikalische Dosenöffner „Age Of Ascension“ ist das Äquivalent zu „Circuitous“ und damit ein hymnischer Arschtreter aller erster Güte. Mit „The Tumultuous Voyage To Hemmersmoor“ folgt sogar ein zweiter Hammer auf dem Fuße. Wenn THEM vom Gas herunter gehen, dann kommen gerne hymnische Perlen wie „The Thin Veil“, „Waken“ oder „Maestro’s Last Stand“ dabei heraus. Bei ihrem Aufgebot an Midtempo-Artigen steht sich die deutsch-amerikanische Band aber auch gelegentlich selbst im Weg, wenn die Rhythmik wie in „Free“ oder „Land Of Immortality“ etwas zu steif gerät. In beiden genannten Fällen entschädigt aber eine mächtige Hook, sodass praktisch kaum ein absolut hoffnungsloser Fall auf der Trackliste vorhanden ist, sieht man mal von den Hörspielpassagen ab. Diese sind nach wie vor hörenswert, aber, wie der Amerikaner sagt, for all the wrong reasons.
„Return To Hemmersmoor“ folgt seinem Vorgänger vielleicht etwas zu treu auf dem Fuße, was den musikalischen Inhalt angeht, während der Fremdscham-Faktor in den Interludes teilweise hart an der Schmerzgrenze vorbeischrammt. Das macht „Return To Hemmersmoor“ insgesamt dennoch zu einer spritzigen Angelegenheit, die humorlose Hörer allerdings besser mit Vorsicht genießen sollten. Wer sich gegen unfreiwillige Komik oder generell Lustigkeiten aller Art sträubt, sollte hier einen Bogen drum herum machen. Wer sich dagegen diese schrille Gruselparty nicht entgehen lassen möchte, ist hiermit herzlich eingeladen. (METAL.DE 7 / 10)
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