Bewertung: 7,5
Generell ist es gleichermaßen erfreulich, dass das handwerkliche Können aller Beteiligten enorm hoch ist, alle aber auch die Wichtigkeit einer gehörigen Portion Schmutz auf so einem Album verstanden haben. SÖLICITÖR haben diesen extrem coolen, schrulligen Gitarrensound der zweiten und dritten PORTRAIT eingefangen und halten sich auch mit ihren eigentlich eher düsteren Melodien häufiger im angeschwärzten Heavy Metal auf. Bei der überraschenden, direkt kombinierten Abfolge von Blastbeat und D-Beat zu Beginn des letzten Songs “Grip Of The Fist” könnte man sogar kurz an DENIAL OF GOD denken. Ansonsten atmen die Gitarren viel geschmackvollen 80s-Spirit, sind gekonnt arrangiert und duellieren sich mit Leidenschaft. SÖLICITÖR verbinden auf sehr elegante Weise die erhabene, breakverliebte MERCYFUL-FATE-Schule mit der angenehm unhöflichen Ruppigkeit des frühen Speed Metal und schaffen sich so eine bemerkenswerte Nische im Kosmos des klassischen Heavy Metal. Es ist gut, dass man der Scheibe zu jeder Zeit anhört, dass sich hier eine Band am Werk befindet, der man ernsthaften Enthusiasmus und profunde Kenntnis des traditionellen Metal, Freude an der originellen Kombination verschiedener Stilelemente und die Mühe, diese im Proberaum zu arrangieren, attestieren möchte. SÖLICITÖR wirken stets wie eine echte Einheit und vermitteln glaubwürdiges Straßengang-Feeling, wie es viele Bands der Achtziger zu tun wussten. Besonders im gut gewählten Opener “Blood Revelation” klingt immer wieder alter Speed Metal mit “Hit The Lights”-Feeling an. Eine schöne Abwechslung dazu ist das folgende “Betrayer” mit seinen markanten Twin Leads.
Neu auf diesem Album ist im Vergleich zur Debüt-EP ein erster Ansatz von epischen Arrangements, mit denen “Night Vision” und “The Red Queen” punkten können. Sollten SÖLICITÖR vorhaben, diese Ausrichtung weiter zu verfolgen, würde es auf alle Fälle den eher biederen Street-Rocker “Leathür Streets”, der als einziger Song des Albums qualitativ leicht abfällt, überflüssig machen. Doch es ist schon beeindruckend, wie konsequent die Amis ihr Niveau über die gesamte Spielzeit aufrechterhalten können.Man kann Gates of Hell Records zu ihrem aktuellen Lauf, den sie mit TRAVELER, RIOT CITY, VULTURES VENGEANCE und CHEVALIER haben, nur beglückwünschen. Mit SÖLICITÖR gesellt sich eine weitere hochklassige und ebenso eigenständig klingende Band hinzu. Europa-Touren mit den genannten Kollegen in hoffentlich nächstmöglicher Zukunft wären sicher hilfreich und absolut wünschenswert. Es wäre jedenfalls erstaunlich, wenn das nächste Album nicht mindestens ebenbürtig wird. (METAL.DE 8 / 10 )


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