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Thin Lizzy - Nightlife



Release Info: 1974 - Vertigo - Full Length
Band Info: Irland - 1969 - Hard Rock
Bewertung: 7,5


Songs:

1. She Knows
2. Night Life
3. It's Only Money
4. Still In Love With You
5. Frankie Carroll
6. Showdown
7. Banshee
8. Philomena
9. Sha-La-La
10. Dear Heart

Es war schon bei "Vagabonds of the Western World" zu erkennen, dass THIN LIZZY ihren Weg gefunden hatten, der eindeutig in Richtung Hardrock ging.
Sehr erfolgreich war er nicht, denn der kommerzielle Erfolg wollte sich einfach nicht einstellen, weswegen der Vertrag mit "Decca" auch nicht verlängert wurde.

In "Vertigo" fand man ein neues Label, das das Potential erkannte, welches in THON LIZZY steckte. Neues gab es auch bei der Besetzung, denn Ende des Jahres verließ Gitarrist ERIC BELL die Band, Grund war die musikalische Ausrichtung, die ihm nicht zusagte, und sein stetig steigender Alkoholkonsum. Das war wohl eine Trennung in gegenseitigem Einverständnis, in GARY MOORE fanden THIN LIZZY dann auch sofort adäquaten Ersatz.

Glücklich wurden sie mit GARY MOORE aber auch nicht, dieser verließ bereits während der Arbeiten an "Nightlife" die Band wieder, sodass er nur auf wenigen Songs zu hören ist. Ich habe mal gelesen, dass alle Spuren von ihm neu aufgenommen worden wären, bis auf die von der Ballade "Still in Love with you". Das Booklet gibt da leider sehr wenig Informationen her.

Wie auch immer, PHIL LYNOTT und BRIAN DOWNEY erkannten ihre Chance und stockten auf, als Ersatz stießen mit BRIAN ROBERTSON und SCOTT GORHAM gleich zwei Gitarristen zur Band. THIN LIZZY waren somit mit die ersten, die auf zweistimmige Leadgitarren setzten.

"Nighhtlife" ist zwar eindeutig im Hardrock zu verorten, hat weist aber sehr fein Blues-, Soul- und Jazz-Noten auf, die Songs sind unaufgeregt und eher gemächlich. Auffällig sind die vielen Balladen, THIN LIZZY geben sich hier extrem gefühlsbetont und feinfühlig.
"Nightlife" ist eines dieser Alben die man auf sich wirken lassen muss, die wenigsten Songs ballern einen direkt weg, die brauchen echt Zeit.

Musikalisch ist das ein Ohrenschmaus, die Jungs sind alle erstklassig, das macht wirklich großen Spaß. PHIL LYNOTT stellt erneut unter Beweis, was für ein charismatischer Sänger er ist, beileibe nicht der größte, aber definitiv einer der ausdrucksstärksten. Wie viel Wärme und Gefühl er in Songs wie "Dear Heart" oder "Still in Love with you" packt, ist schon großartig.
Im Gegenzug wird er dann wieder unheimlich "dreckig" und rau, wenn die Songs rockiger werden, der war schon echt gut.

An die ganz großen LIZZY-Alben kann "Nightlife" noch nicht ran reichen, aber eine Weiterentwicklung zum Vorgänger ist schon erkennbar. Das liegt eben auch an den beiden Gitarristen, die THIN LIZZY einen viel breiten Sound verpassen. Dazu kommt noch, dass GORHAM und ROBERTSON zwei erstklassige Gitarristen sind, da flitzen die Fingerchen schon sehr filigran über die Saiten.

Meine Anspieltipps wären die Überballade "Still in Love with you", der melodische Rocker "Sha-La-La", die mit Streichern unterlegte Ballade "Dear Heart" und der Opener "She Knows". Grundsätzlich sind die Songs aber alle gut, "Ladenhüter" sind da keine drauf. Die Songs sind im Stile des Hardrocks der frühen 70er, eindeutig, ohne das Veröffentlichungsdatum zu kennen, wird man wohl sofort auf diese Zeit tippen.

Mein Fazit: Mit "Nighlife" gingen THIN LIZZY den Weg weiter, den sie mit "Vagabonds of the Western World" eingeschlagen hatten. Dass sie immer schon dem Blues zugetan waren, ist keine Überraschung und gehört auch zu den Trademarks der Band, die Jazz- und Soul-Einflüsse hingegen, finde ich bemerkenswert. Alles in allem ist "Nightlife" aber ein gutes und stimmiges Album geworden, das nicht nur für eingefleischte Fans von THIN LIZZY interessant sein dürfte. (AMAZON)


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