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Toto - Kingdom Of Desire




Release Info: 1992 - Columbia - Full Length
Band Info: USA - 1976 - AOR
Bewertung: 7,5


Songs:

1. Gypsy Train
2. Don't Chain My Heart
3. Never Enough
4. How Many Times
5. 2 Hearts
6. Wings Of Time
7. She Knows The Devil
8. The Other Side
9. Only You
10. Kingdom Of Desire
11. Jack To The Bone

KINGDOM OF DESIRE markiert in mehrerlei Hinsicht einen Wendepunkt in der Geschichte von TOTO. Zunächst ist es das erste Album ohne Lead-Sänger. Dafür übernimmt Gitarrist STEVE LUKATHER exklusiv den Gesang (und das macht er verdammt gut). Zweitens markiert KINGDOM OF DESIRE eine Abkehr vom AOR-geprägten Rock, der bisher den TOTO-Sound ausmachte. Auf diesem Album rockt das Quartett (denn neben dem Sänger musste TOTO von nun an auch auf Keyboarder und Sound-Tüftler STEVE PORCARO verzichten, der den Stress des Rock-Star-Daseins nicht mehr ertrug und seitdem als Hit-Lieferant unter anderem für MICHAEL JACKSON arbeitet). Drittens ist es leider das letzte Album mit Groove-Gott JEFF PORCARO am Schlagzeug, da dieser - noch vor Veröffentlichung des Albums - am 5. August 1992 verstarb.
Das Album wird im Sound dominiert von rauen Gitarren und treibenden Drums, die Songs sind für TOTO-Verhältnisse sehr düster geworden (fast schon wie eine Vorahnung der nahenden Tragödie).Dies mag aber auch der Zeit geschuldet sein, denn Anfang der 90er Jahre hatte die Zeit der Hochglanz-Bands ein Ende und die melancholischeren und aggressiveren Töne des Grunge (NIRVANA, PEARL JAM, SOUNDGARDEN und ALICE IN CHAINS oder aber auch Heavy Metal-Bands wie METALLICA und MEGADETH) dominierten die populäre Musik-Szene. Da schien es fast angebracht, dass auch TOTO ihren Sound modifizierten.
Das Album beginnt auch direkt mit dem vielleicht härtesten und direktesten Song, den TOTO jemals geschrieben haben: „GYPSY TRAIN". Dabei wird auf eingehende Chorus-Passagen verzichtet, das Stück lebt viel mehr von dem straighten Gitarren-Riff und dem fast schon galoppierenden Rhythmus des Schlagzeugs. Dazu lässt „GYPSY TRAIN" LUKATHER ausgiebig Zeit, seine Solo-Künste unter Beweis zu stellen.
Mit „DON'T CHAIN MY HEART" folgt ein bluesig angehauchter Song, der von Bass und Schlagzeug getragen wird. Die Keyboards halten sich zu Beginn fast komplett aus dem Stück raus, ehe sie langsam mehr und mehr Raum greifen. Die Gitarre steuert im Vers lediglich kleine Sprenkler bei, so dass der Song im Verlauf immer mehr Fahrt aufnimmt. Dabei zeigt LUKATHER, dass er neben Balladen auch Rock-Songs sehr gut interpretieren kann.
Mit „NEVER ENOUGH" und „HOW MANY TIMES" folgen zwei sehr straighte Rock-Songs. Dabei begeistert vor allem „NEVER ENOUGH" zum Ende hin mit einer tollen Steigerung begeistern kann. Dabei kommen auch wieder verstärkt die Percussions von LENNY CASTRO zum Einsatz, der damals zusammen mit CHRIS TRUJILLO (ebenfalls Percussions) so etwas wie ein nicht-offizielles ständiges Band-Mitglied war. „HOW MANY TIMES" hingegen ist eingängiger als „NEVER ENOUGH" aber kann nach dem Finale des vorigen Songs nicht wirklich mithalten. Insgesamt ist der Sound der beiden Stücke sehr roh und trocken.
Bei „2 HEARTS" legt die CD eine erste musikalische Pause ein. Eine fast schon typische LUKATHER-Ballade, an denen man sich aber kaum satt hören kann. Der Song beginnt sehr hymnisch mit großen (im Sinne von klanglich großen) Akkorden. Wie so häufig basieren die Balladen von LUKATHER hauptsächlich auf dem Klavier und bauen durch den Einsatz der leicht verzerrten Gitarre im Chorus dann eine neue Stimmung auf. Einziger Schwachpunkt des Songs ist der Umstand, dass das Lied zu früh ausgeblendet wird, denn LUKE spielt im Fade-out eines seiner typischen hervorragenden Soli, das man gerne ganz gehört hätte.
Das folgende „WINGS OF TIME" ist ein sehr atmosphärischer Song, der sehr von der Stimmung lebt, die durch das Wechselspiel von lang-gezogenen (fast schon fließenden) Gitarren- und Keyboard-Akkorden und dem up-tempo-Spiel des Basses entsteht. Die Musik erhält dabei viel Raum zum atmen und der Song erhält eine sehr beruhigende Wirkung.
„SHE KNOWS THE DEVIL" ist einer von zwei funkigen Songs („KICK DOWN THE WALLS" ist der andere), die beweisen, welche musikalische Bandbreite die Jungs drauf haben. Die Stücke unterstreichen auch, dass TOTO immer bereit sind musikalische Risiken einzugehen und dabei ihren Fans auch durchaus etwas abverlangen. Denn „SHE KNOWS THE DEVIL" und „KICK DOWN THE WALLS" sind sowohl zum Spielen als auch zum Hören eher anstrengende Songs. Wobei „KICK DOWN THE WALLS" nicht mit einer so rockigen Attitüde daherkommt wie „SHE KNOWS THE DEVIL", dafür deutlich mehr Synthesizer-Einwürfe vorweisen kann.
„THE OTHER SIDE" ist die zweite Ballade auf KINGDOM OF DESIRE, sehr getragen, dominiert von Klavier und Keyboards ohne viel Gitarrenarbeit. Auch der Bass ist hier eher dezent abgemischt, obwohl das Spiel von MIKE PORCARO auf KINGDOM OF DESIRE sonst sehr prägnant ist.
Bei „ONLY YOU" zitieren sich TOTO dann das erste Mal selbst (was andere Musiker wie STING ebenfalls sehr gerne und gut machen). Der Song basiert auf Akkorden und Melodielinie von „TAKE MY HAND" aus dem Soundtrack zum David Lynch-Kultfilm „DUNE", zu den TOTO damals die Musik schrieben. Da der Film damals im Kino eher floppte und der Soundtrack auch kein riesiger Erfolg war, bedienen sich TOTO hier in Teilen ihres eigenen Songs.
Der Titeltrack „KINGDOM OF DESIRE" ist ein für TOTO-Verhältnisse ungewöhnlich düsterer, der sich langsam aufbaut und eine fast schon apokalyptische Stimmung verbreitet (im Hintergrund dominieren schwere Akkorde, während sich im akustischen Vordergrund fast hypnotisch das Haupt-Riff wiederholt und auch das Solo verbreitet eine fast angsterfüllte Stimmung). Am besten könnte man den Sound als TOTO meets BLACK SABBATH beschreiben. Dennoch ist „KINGDOM OF DESIRE" ein hervorragender Song geworden, wenn auch ein wenig untypisch.

Das Album schließt dann mit einem Song, der auch heute noch zu den Muss-Stücken eines jeden TOTO-Gigs gehört: „JAKE TO THE BONE". Damit verabschieden sich TOTO endgültig von dem Anspruch (oder der Vorgabe der Plattenfirma) Radio-taugliche Musik zu machen. „JAKE TO THE BONE" verbindet musikalische Spielkunst auf höchstem Niveau zwischen JAZZ und ROCK. Hier kann jeder der insgesamt sechs Musiker (inklusive JOSEPH PORCARO und CHRIY TRUJILLO an den Percussions) beweisen, dass er sein Instrument selbst in schwierigsten Situationen beherrscht (und davon gibt es einige in diesem Feuerwerk). Dabei wird es dem geneigten Zuhörer niemals langweilig. Auch beim 1000 Durchlauf gibt es immer noch neues und spannendes zu entdecken. Leider erstirbt mit den letzten Noten von „JAKE TO THE BONE" auch der unvergleichliche Groove von JEFF PORCARO. Aber einen würdigeren Abschied (zumindest auf Platte) als dieses Stück kann man nicht haben. Wie RICHARD MARX einmal treffend zum Tode von JP bemerkte: Our loss is heaven's gain!(AMAZON)


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