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Thin Lizzy - Bad Reputation



Release Info: 1977 - Mercury - Full Length
Band Info: Irland - 1969 - Hard Rock
Bewertung: 7,5


Songs:

1. Soldier Of Fortune
2. Bad Reputation
3. Opium Trail
4. Southbound
5. Dancing In The Moonlight
6. Killer Without A Cause
7. Downtown Sundown
8. That Woman's Gonna Break Your Heart
9. Dear Lord

Mit Erfolgen gehen oftmals auch Probleme einher, von denen THIN LIZZY ein Liedchen hätten singen können. Nach zwei äußerst erfolgreichen Alben und ausverkauften Tourneen, taten sich erste Gräben innerhalb der Band auf. Grund war Gitarrist BRIAN ROBERTSON, dessen ausschweifender Alkohol- und Drogengenuss zum Problem für die Band wurde. Waisenknaben waren das alle nicht, aber ROBERTSON schlug dann doch des Öfteren extrem über die Stränge, auch soll es zu Handgreiflichkeiten innerhalb der Band gekommen sein.

Während der US-Tour 1977 brach er sich die Hand, angeblich bei einer Kneipenschlägerei, woraufhin GARY MOORE kurzfristig für ihn eingesprungen war. Dass PHIL LYNOTT diesen gerne als Nachfolger für ROBERTSON gesehen hätte, war wohl kein Geheimnis, doch MOORE sträubte sich, noch, weil er andere Verpflichtungen hatte. MOORE spielte damals noch in der Jazzrock-Band COLOSSEUM II, wo er dann 1978 aufhörte um bei THIN LIZZY einzusteigen.

Auf "Bad Reputation" war aber noch BRIAN ROBERTSON offizielles Bandmitglied, obwohl er an den Aufnahmen kaum noch beteiligt war. Fast alle Gitarrenspuren mussten von SCOTT GORHAM eingespielt werden, ROBERTSON stieß erst zum Ende der Aufnahmen wieder zur Band, die er dann Ende 1978 endgültig verlassen musste.
Dass damals schon einiges im Argen lag, erkennt man schon am Albumcover, das nur die Gesichter von PHIL LYNOTT, BRIAN DOWNEY und SCOTT GORHAM ziert.

Musikalisch haben sie wieder mal was Neues ausprobiert, THIN LIZZY war immer eine Band, für die Stillstand ein Fremdwort war. Die haben sich immer wieder neu erfunden, wenngleich das auch nicht bedeutete, dass sie ihren Stil grundlegend veränderten.
Auf "Bad Reputation" gibt es wieder verstärkt Pop-,Blues-, Soul- und Jazz-Elemente zu hören, was besonders bei "Dancing in the Moonlight" und dem popigen Titelsong "Bad Reputation" auffällt.

Ich gebe ehrlich zu, dass mir das früher nicht so gefallen hat, heute finde ich das tatsächlich charmant. Trotz all der Experimente ist "Bad Reputation" definitiv ein Hardrock-Album, keine Frage, aber eben eines mit Ausflügen in andere Genres, was man ja schon von früheren Alben her kannte.

PHIL LYNOTT besticht wieder durch die ihm eigene Art zu singen, den Songs Ausdruck und Seele zu verleihen. SCOTT GORHAM hat die Gitarrenparts gewohnt souverän und filigran eingespielt, BRIAN DOWNEY treibt die Resttruppe unermüdlich vor sich her. Trotz allem finde ich, dass ROBERTSON fehlt, die "singenden" Twin-Guitars waren auf den vorherigen Alben ein Highlight für mich, hier fehlt das ein wenig. Man hat wohl einige Spuren offengelassen, angeblich auf Wunsch GORHAMS, die ROBERTSON dann abschließend noch einspielte.

"Bad Reputation" verströmt oftmals eine eigenartige, fast schon melancholische Stimmung, die Kompositionen kommen in der Summe nicht an die der Vorgänger ran, wirken auch seltsam düster. Mit "Dancing in the Moonlight", "Opium Trail " und "Southbound" sind wieder erstklassige Nummern dabei, keine Frage, aber dieses Mal sind schon auch ein paar Füller mit dabei. "That Woman's gonna break your Heart" wäre so ein "Füller", das ist mir persönlich einfach zu fad und belanglos. Auch finde ich, dass "Bad Reputation" ein wenig die Ecken und Kanten fehlen, das Album wurde zu krass auf "gefällig" getrimmt. Irgendwie fehlt es dem Album etwas an Dynamik und Durchschlagskraft, das ist einfach zu "nett".

Mein Fazit: "Bad Reputation" ist ganz sicher kein schlechtes Album, im Gegenteil, mit "Dancing in the Moonlight" und "Southbound" sind sogar Nummern dabei, die ich zu den Bandklassikern zählen würde. Es ist einfach so, dass dieses Album oftmals zu "glattpoliert" wirkt, man zu sehr an den Ecken und Kanten geschliffen hat. Mancher Song ist auch eher mittelmäßig, aber 4 Sterne sind trotzdem ganz locker drin, denn was ich hier mache ist Jammern auf ganz hohem Niveau. (AMAZON)


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