1. Steel Winged Warrior
Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, dass DREAM TRÖLL angesichts ihrer knuffigen, geschmackssicher memenden Social-Media-Präsenz (und nicht zuletzt aufgrund ihres Bandnamens) eine dieser auf den visuellen Unterhaltungsaspekt der Internetkultur ausgerichteten Seiten sein könnten, die nichts anderes machen, als das Zeitgeschehen und den cheesy Charme der Old-School-Metalszene ironisch zu kommentieren. Dass die dann auch noch Musik machen scheint geschenkt – bis man zum Beispiel in ihr aktuelles Full-Length-Album „Second To None“ reinhört. Spätestens dann entpuppen sich die Briten als der Hitgarant, der sie nun mal sind. Man kann sich aus mehreren Richtungen dem nähern, was einem auf „Second To None“ musikalisch begegnet. Man kann zum Beispiel von der vorangegangenen EP „The Witch’s Curse“ ausgehen, die titelgemäß eine gewisse Mystik walten ließ. Ein „The Battle For Enki’s Tower“ beispielsweise hatte zu Beginn diese fast sakral anmutenden Vocals, die sich um die eröffnenden Riffs des Songs herum wanden. Atmosphärische Momente begegnen einem speziell bei „The Art Of Death“ oder dem Rausschmeißer „Legion“ heuer immer noch. Doch das Mystische von „The Witch’s Curse“ ist längst nicht mehr der fokale Punkt des musikalischen Wirkens der Briten.
Eine andere Möglichkeit nämlich, an „Second To None“ heranzutreten, ist die: Im Grunde stopft der Fünfer seine Songs voll mit jeder Menge cheesy Achtziger-Goodness inklusive Refrains, die klingen, als ob DREAM TRÖLL ihren Hörern kleine Sahnetörtchen mit He-Man-Motiv in die Ohren stecken würden. Dann wird das Ganze aber entstaubt, auf Hochglanz poliert und bekommt einen sexy Hüftschwung verliehen, der „Second To None“ felsenfest in der Gegenwart platziert. Dieser Traditionsmetal kommt herausgeputzt für das Hier und Jetzt daher und lässt auf dem Weg dorthin zu routiniert arbeitende Hammerschwinger wie HAMMERFALL Staub fressen. Wer sich also fragt, wie tatsächlich ins Heute transportierter Traditionsmetal klingt, ohne dass man diesen gleich mit mit Synthie-Quatsch und weiteren, modernen Klischees überlädt, sollte „Second To None“ auf keinen Fall verpassen. Und man kann an den herrlich trashigen Musikvideos seine helle Freude haben. Im übrigen hat sich bereits ein kleines Lineup-Dilemma ergeben, das sich hoffentlich nicht als Erdrutsch für die Band erweisen wird: Paul Walsh hat vor kurzem seinen Austritt erklärt, weshalb nun die Frage im Raum steht, wer in seine großen, stimmlichen Fußstapfen treten wird. Hoffentlich auch wieder mit so viel Charisma wie Walsh… (METAL.DE 9 / 10)


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