1. Midway
"Wenn man an das Veröffentlichungsdatum von "Part 1" im Jahr 2020 zurückdenkt, wird einem klar, was für eine verrückte Zeit wir alle in den letzten zwei Jahren durchgemacht haben: Wer hätte sich vorstellen können, dass unser "Dystopia"-Projekt die harte Realität so detailliert widerspiegeln würde?" – ROYAL HUNT So ähnlich kennen wir das ja bereits vom Netflix-Streaming Dienst unseres Vertrauens: Nach "Das Ende ist nah!" folgt kurze Zeit später "Das Ende ist nah (Teil 2)". Und so dürfen wir uns dieser Tage über die Fortsetzung von ROYAL HUNTS Interpretation von Ray Bradburys klassischem Roman "Fahrenheit 451" freuen: Nach "Dystopia" (2020) folgt knapp zwei Jahre später "Dystopia Part 2". Dem vorgegebenem Konzept der Storyline folgend ließen es sich ROYAL HUNT nicht nehmen, aktuelle Ereignisse der an eine Dystopie erinnernden realen Gegenwart in ihre Erzählung einfließen zu lassen. Der aufmerksame Hörer darf sich also über das eine oder andere Deja Vu aus dem jüngsten Erlebnis-Schatzkästchen freuen. Was mit "Midway" endet muss auch mit "Midway" wieder beginnen, und so greift der zweite Teil zu Beginn eine Adaption des Endes von Teil eins auf, bevor es mit "Thorn in My Heart" gleich eine Hymne auf die Ohren gibt, die sämtliche ROYAL HUNT-Trademarks in sich vereint. Ein symphonischer Prog/Power Hochkaräter von knapp neun Minuten, der neben einem DC Cooper in Höchstform auch gleich die ersten Gastauftritte von Alexandra Andersen und Kenny Lubcke bereit hält. Wer den ersten Teil kennt ist mit einem Schlag wieder mitten drin im fantastischen Album von vor zwei Jahren, doch auch RH-affine Hörer, denen der erste Teil entgangen ist (Hallo? Lebt ihr unter einem Stein oder was?) finden sich sofort wieder im musikalischen Universum der Dänen. Düster gehts weiter mit "The Key Of Insanity", wo sich DC Cooper und Mats Leven den Gesang teilen. Neuerlich ein Refrain zum Niederknien und Zitaten aus "Burn" vom ersten Teil der Saga. "Live Another Day" beginnt mit einer spannungsgeladenen Keyboardsequenz und nimmt rasch Fahrt auf und erinnert kurz an einen alten Bandklassiker. Ob es Zufall ist oder ob "Message To God" hier tatsächlich Pate gestanden hat ist leider nicht überliefert, jedenfalls ist der Song die beste Wahl für die erste Singleauskoppelung – auch wenn er dafür wohl einiges seiner beachtlichen Länge einbüßen dürfte. Mit 3:48 ist das Instrumental "The Purge" neben dem Intro und dem Outro das kürzeste Stück des Albums. Die schwarzen Schmetterlinge des ersten Teils lassen hier thematisch freundlich grüßen. Ein Wiederhören mit Ex-ROYAL HUNT Stimme Henrick Brockman gibt es anschließend auf "One More Shot", der sich mit Mark Boals und DC Cooper ein Duell auf Augenhöhe liefert, bevor mit dem zweiteiligen "Scream of Anger" das längste Stück der Platte folgt. Der erste Teil, "Hit And Run" ist ein instrumentales Meisterstück, das allen Musikern Raum zur Entfaltung bietet. Der zweite Teil "The Thrill Of The Chase" steht ganz im Zeichen des Duetts zwischen DC Cooper und Kenny Lubcke und des bereits zum Trademark gewordenen perfekten Songwritings. Selbiges gibt es auch auf der anschließenden Powerballade "Left In The Wind" zu hören bevor wir mit "Resurrection F451" in die Zielgerade einbiegen. Einmal mehr ist es eines der größten ungelösten Rätsel der Metalwelt, warum ROYAL HUNT nicht schon längst jedermann und jederfrau ein Begriff ist. Diese Band ist seit über 30 Jahren aktiv und liefert ein Epos nach dem anderen ab. Mehr noch, sie bewältigen nicht nur Lineup Wechsel mit scheinbar spielender Leichtigkeit, sondern integrieren auch noch ehemalige Musiker in aktuelle Veröffentlichungen, als wären sie einfach für immer Familie. Wenn du bis hierher gelesen hast und ROYAL HUNT noch nicht kennst: Genau jetzt ist der richtige Zeitpunkt das zu ändern! (STORMBRINGER 5 / 5)

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