Sin Starlett luden zu ihrem ersten Festival ein und präsentierten für traditionelle Metaller ein wahres Festmahl. Nicht weniger als sieben Bands waren geplant, die alle ihre Wurzeln tief in den Achtzigern hatten. Doch ganz ohne Probleme sollte es dann leider nicht gehen. Zuerst erreichte Sin Starlett die Nachricht, dass Venator Sänger Hans Huemer aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen kann. Das wäre für gefühlt 99 Prozent aller Bands ein plausibler Grund den Auftritt abzublasen. Nicht für Venator! Doch dazu später mehr. Als wären das nicht schon genug Bad News, erteilte der Co-Headliner Konquest am Vorabend aus privaten Gründen eine Absage. Man versuchte alles um Ersatz aufzutreiben, schaffte es aber nicht mehr. Man konnte jetzt nur hoffen, dass die Fans trotzdem nach Luzern pilgern würde. Die Fans liessen Sin Starlett aber nicht im Stich und kamen in Scharen! Am Nachmittag konnte bereits das selbstgebastelte «Sold Out» Schild angebracht werden. Das erste Starlett Stock wurde zu einem absoluten Vollerfolg.
Running Maiden
Als
erste Band stürmte das Trio von Running Maiden aus Luzern die Bühne. Ein
Heimspiel für Sängerin und Bassistin Alexa, Gitarrist Ramon und Drummer Manuel.
Letztes Jahr gab es mit der selbstbetitelten EP das erste Lebenszeichen zu
bestaunen. Kauziger Old School Metal der mir auf Band durchaus gefiel, weshalb
ich sehr gespannt war auf den Auftritt. Allzu viel Liveerfahrung konnte man
noch nicht sammeln und das merkte man durchaus. Komischerweise verzichtete man
auf die Lichteffekte und auch der Bass war für meinen Geschmack zu sehr in den
Vordergrund gemischt. Allerdings konnte Alexa mit ihrer Stimme viel wett machen
und die Songs an sich haben Spass gemacht. Und es ist keine Frage, dass sich
Running Maiden mit jedem Auftritt steigern werden. Das Potential ist
zweifelsohne vorhanden.
Setlist:
«Sinner» - «Running Maiden» - «Bazaar Of Evil» - «Vengeance» - «Set Me Free» -
«Living Dead» - «Run Run»
Amethyst
Als
nächste waren Amethyst an der Reihe, die ebenfalls erst eine EP namens «Rock
Knights» am Start haben und es war sogar ihr erster Live Auftritt überhaupt.
Wer die Band nicht kennt: Hier wird Metal der Frühphase zelebriert, die Ende
der Siebziger sind Trumpf. Weisse Stiefel und Schnäuze auf der Bühne, die Band
kommt definitiv authentisch daher. Jedenfalls schienen viele Leute gespannt auf
die Premiere, denn der Konzertsaal war brechend voll! Und die wurden förmlich
weggeblasen. Das war ein absoluter Triumphzug mit fantastischer Gitarrenarbeit,
drückendem Schlagzeug, tollen Bassläufen und einem mitreissenden Frontmann.
Sänger Fredric riess das Publikum mit dem ersten Ton an mit und diese feierten
die Band völlig verdient ab, was natürlich auch am überragenden Songmaterial
lag. Göttersongs wie «Into The Black», «Stormchild» oder dem Übersong «Chasing
Shadows» (zieht euch unbedingt das Video dazu rein!) sind für schweisstreibende
Shows wie gemalt. Ich bin unglaublich gespannt was von dieser formidablen
Truppe noch folgen wird und ich fragte mich ernsthaft ob man diesen Auftritt
heute noch toppen könnte.
Setlist:
«Into The Black» - «Stand Up And Fight» - «Nightstranger» - «Running Out Of
Time» - «On The Borderline» - «Chasing Shadows» - «Stormchild»
Skullwinx
Die
Münchner von Skullwinx hatten die undankbare Aufgabe, nach den grandiosen
Amethyst die Bühne zu betreten. Leider strömten viele Zuschauer an die frische
Luft und da es gegen 18:00 Uhr ging, hatte auch der Foodtruck Hochkonjunktur.
Im Laufe des Auftritts füllte sich der Innenraum wieder und Skullwinx ernteten
doch noch mehr als Höflichkeitsapplaus. Kein Wunder, denn es gab wenig zu
mäkeln. Die Spielfreude war ansteckend und Hits wie «Attila The Hun» oder «The
Relic» wussten zu begeistern. Angereist in einem kultigen Rosa-Weissen VW Bus
mit Logo, bei dem die Felgen wohl demnächst den Durchrostungstod sterben
werden, sammelten die Deutschen etliche Sympathiepunkte mit ihrem dynamischen
Auftritt. Die Preise für Merchandise waren sehr fanfreundlich, weshalb der Gang
zum Stand Pflicht wurde. Ein neues Album (das Letzte stammt von 2016) sei
scheinbar in der Mache.
Setlist:
«A Tale Of Unity (Arminius) » - «Attile The Hun» - «Blacksmith» - «Erymanthian
Boar» - «Hydra» - «Siegfried» - «Struggle» - «The Stymphalides» - «The Relic Of
An Angel»
Sin Starlett
Ehre
wem Ehre gebührt. Pünktlich zum Auftritt des Organisators war es wieder
rappelvoll. Wer die Band noch nie live gesehen hat, dem sei gesagt, dass die
Luzerner über eine unglaubliche Bühnenpräsenz verfügen. Sänger Elias ist ein
Energiebündel und mit seinen gestreiften Leggins auch optisch ein Blickfang.
Stimmlich wie eine Mischung aus King Diamond und Rob Halford, ist er aber auch
passend für den Sound von Sin Starlett, die mit dem neusten Album «Solid Source
Of Steel» einen Knaller abgeliefert haben. Aber auch der Rest der Band strotzte
vor Spielfreude. Drummer Elias Burri malträtierte sein Werkzeug, als gäbe es
kein Morgen mehr, die Gitarrenfraktion um Reno Meier und Jacques Titan
schüttelte ein Gänsehautriff nach dem andern aus den Ärmeln und Bassist
Christoph Widmer hatte schon aufgrund seines Armored Saint Shirt von Anfang an
gewonnen. Wenn dann Songs wie «Solid Source Of Steel», «Electric Expander» oder
«Black Magic Sky» in der Setliste auftauchen, ist kollektives Ausrasten
garantiert. Diese Band ist etwas vom Besten was die Schweizer Metalszene zu
bieten hat und hat dies mit einem fantastischen Gig bestätigt.
Setlist:
«Blessesd By The Shot» - «Heavy Invaders» - «Electric Expander» - «Solid Source
Of Steel» - «To The Powerline» - «Black Magic Sky» - «Beholders Of The Claw» -
«Winds Of Fury»
Megaton Sword
Vor
ein paar Wochen durfte ich die neue CD der Epic-Metaller rezensieren und ich
war dementsprechend gespannt wie sich das neue Material live machen würde.
Wieder waren ein paar Leute ins Freie gewandert und deshalb konnte man sich
Innen wieder deutlich einfacher einen Weg durchs Publikum bahnen. Gleich fünf
Songs von «Might & Power» wurden in die Setlist genommen, wobei vor allem
«Iron Plains» und «The Raving Light Of Day» für Fäuste in der Luft sorgten.
Natürlich kamen auch altbekannte Songs wie «Blood Hails Steel – Steel Hails
Fire» oder «Verene» beim Publikum an. Die Wucht und die Intensität die Megaton
Sword auf der Bühne erzeugten war beeindruckend, auch wenn nicht die gleiche
Euphorie entfacht werden konnte wie bei Amethyst und Sin Starlett. Das liegt
mitunter an der etwas gar statischen Darbietung und Konversationen mit dem
Publikum finden so gut wie gar nicht statt. Megaton Sword kommen auf die Bühne,
spielen und gehen. Das ist ihr Stil und daran müssen sie ja grundsätzlich
nichts ändern, aber die Stimmung steigt natürlich so nicht ins Unermessliche.
Trotzdem ein starker Auftritt.
Setlist:
«The Raving Light Of Day» - «Verene» - «Songs Of Victory» - «All Wicked Schemes
Unite» - «For Glory» - Iron Plains» - «Power» - «Wastrels» - «Blood Hails
Steel, Steel Hails Fire» - «Cowards Remain» - «Pristine War»
Venator
Wie
schon erwähnt musste der Headliner ohne seinen Sänger auskommen, kurzfristig
konnten die Österreicher aber mit Laura Vesprini von Cherokee eine Aushilfssängerin
gewinnen. Sie musste die Texte zwar grösstenteils ablesen, aber das war auch
absolut verständlich. Ebenfalls zu Ehren kamen auch noch die Sänger von
Amethyst und Skullwinx, die ebenfalls einen Song sangen. Beim letzten Stück
kamen sogar ein paar mutige Fans auf die Bühne, die ihre Gesangskünste zum
Besten gaben. Klar hätte man sich Sänger Hans gewünscht, aber Venator haben mit
ihrer Aktion so viele Sympathiepunkte bei mir gesammelt, dass danach auch flugs
der Merchandise Stand aufgesucht wurde. Es ist der Band nicht hochgenug
anzurechnen, dass sie die Fans nicht im Stich liessen, man will es sich gar
nicht vorstellen, wenn neben Konquest auch Venator ihren Auftritt abgesagt
hätten. Laura machte ihre Sache übrigens gut, auch wenn sie mit Cherokee
normalerweise eher 70er Hardrock singt und keinrn Speed Metal. Mein Highlight
des Sets war aber «Seventh Seal», genial gesungen von Amethyst Sänger Fredric,
der erst kurz vorher von Venator angefragt wurde. Am Schluss gab es mit «Bite
It You Scum» und «Beast In The Night» noch zwei Coverversionen von GG Allin und
der dänischen Kapelle von Randy.
Setlist:
«Howl At The Rain» - «Blind Ambition» - «Seventh Seal» - «Nightrider» - «Manic
Man» - «Red And Black» - «Paradiser» - «Bite It You Scum» - «Beast In The Night»
Fazit
Sin
Starlett haben sich mit dem Starlett Stock einen Traum erfüllt und was soll ich
sagen? Sie haben voll ins Schwarze getroffen. Die Bandauswahl war der Hammer,
ein Festival mit Old School Metal Bands fehlt in der Schweiz definitiv noch.
Sie haben einen fantastischen Foodtruck organisiert, sie hatten eine
Lederjacken Börse am Start, eine Tombola veranstaltet (Der Hauptgewinn: Einen
ganzen Tag im Alpamare mit den Jungs – der Rest der Besucher tut mir schon fast
leid…) und nicht zuletzt waren sie stets präsent und haben auch den Kontakt zu
den Fans gepflegt. Es war einfach ein perfekter Abend und ich hoffe so
dermassen, dass sich die Band von den kurzfristigen organisatorischen
Schwierigkeiten nicht entmutigen lässt. Die Schweiz braucht definitiv eine weitere
Ausgabe Starlett Stock!
Running Maiden






































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