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Legion Of The Damned - Poison Chalice



Release Info: 2023 - Napalm - Full Length
Band Info: Niederlande - 2005 - Death Metal      
Bewertung: 8                        


Songs:

1. Saints In Torment
2. Contamination
3. Progressive Destructor
4. Skulls Adorn The Traitor's Gate
5. Behold The Beyond
6. Retaliation
7. Savage Intent
8. Chimes Of Flagellation
9. Beheading Of The Godhead
10. The Poison Chalice

LEGION OF THE DAMNED sind seit jeher eine undankbare Band zum Rezensieren und eigentlich, ja eigentlich müsste ich mir ins Steißbein beißen, ausgerechnet die stilsteifen Niederländer für eine Albumbesprechung herausgepickt zu haben. Doch neben schreiberischem Elan und Pflichtbewusstsein gab es noch einen weiteren, weitaus gewichtigeren Beweggrund für den Verfasser, "The Poison Chalice" genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Sache war einfach: als die Platte in unseren Hallen aufschlug und ich ihr einen ersten Spin gönnte, traf es mich wie der Schlag. Zum Einen, weil schon nach wenigen Takten klar wurde, dass diese Scheibe besprechenswert wird und zum Anderen, weil sie einem mit ungewohnter Wucht vor die Kauleiste drischt und nebenbei auf den ersten Hörer überraschend frisch wirkt. Für den wuchtigen Höreindruck dürfte indes Produzent Erwin Hermsen verantwortlich zeichnen, den LEGION OF THE DAMNED nach langjähriger Zusammenarbeit mit Andy Classen erstmals (für ein Studioalbum) hinter die Regler gesetzt haben. Das Ergebnis ist ein druckvolleres Gesamtbild, wie man es eher im Bereich moderner Death-Metal-Produktionen verorten würde und das – so ehrlich muss man sein – den Thrash-Riffs ein Stück weit ihren markanten Biss nimmt. Im Vergleich zu bspw. dem äußert grantigen "Descent Into Chaos" wirkt der Sound dementsprechend weniger eckig und kantig, dafür insgesamt klarer und massiver. Für sich gesehen klingt das Ganze ausgewogen und hochwertig, im Vergleich zu den Vorgängeralben jedoch ein wenig glattgebügelt – auch wenn der Schritt vom modern produzierten "Slaves Of The Shadow Realm" zu "The Poison Chalice" nicht mehr allzu groß erscheint. Aber man sollte sich bei diesem Album nicht allzu sehr auf den Thrash beschränken, denn auch in puncto Songwriting schlagen LEGION OF THE DAMNED ein neues Kapitel auf. Mit ihrem 2020 rekrutierten, zweiten Gitarristen Fabian Verweij kann die Legion der Verdammten von einer neu gewonnenen Bandbreite profitieren und ihre Musik vom weitgehend straighten Thrash der bisherigen Alben hin zu einem breiteren Mix quer durch den extremen Metal wandeln. So findet man in vielen Songs, allen voran "Retaliation", ein mehr oder weniger offensives Liebäugeln mit dem Black Metal, das sich in melancholischen Leadmelodien und subtil eingestreuten, mystischen Tremolos manifestiert. Auch für eine Prise melodischen (Melodic) Death Metal ("Progressive Destructor", "Skulls Adorn The Traitor's Gate" und "Behold The Beyond") und harmonische Melodien aus dem Heavy-Metal-Segment ("Savage Intent") bleibt Raum. Summa summarum haben sich LEGION OF THE DAMNED demnach mit "The Poison Chalice" überraschend weit aus ihrem stilistischen Fenster hinausgelehnt und ihr wahrscheinlich abwechslungsreichstes Album komponiert. Der rasende Rabauken-Thrash der Niederländer mag damit ein Stück weit an Gewicht verlieren, doch sei dem Quinttett das bisschen Experimentiergeist gegönnt – mit nunmehr acht Alben als LEGION OF THE DAMNED ist dieser Schritt durchaus vertretbar, vielleicht sogar notwendig. Der angesprochene, gutklassige Sound passt zu den Kompositionen und bleibt wie auch die Ausrichtung der Scheibe Geschmackssache. Ich für meinen Teil bin vom grünen Giftkelch angenehm überrascht und wenn es mehr Tracks gäbe, die so zünden wie das explosive Eröffnungs-Trio aus "Saints In Torment", "Contamination" und "Progressive Destructor", wäre ich auch um 4,5 Punkte nicht verlegen. (STORMBRINGER 4 / 5).

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