Bewertung: 8
1. Intro
Die rauhbeinigen Folkrocker sind zurück! Gerade mal ein Jahr nach ihrem furiosen Debüt "Steh wieder auf" haben Henry und seine Mannschaft bereits den zweiten Longplayer am Start. "Herz eines Kriegers" hat von allem ein bisschen mehr: ein bisschen mehr "Lalalalala"-Textzeilen, ein bisschen mehr Härte, ein bisschen mehr Folk, ein bisschen mehr Punk, ein bisschen mehr Humor, ein bisschen mehr Trinkgelage, ein bisschen mehr Motivation. Ob dieses Mehr von Allem dazu führt, dass auch "Herz eines Kriegers" wieder eine echte Knaller-Scheibe geworden ist, werden wir im Folgenden etwas genauer analysieren und stürzen uns deshalb ohne weiteres Vorgeplänkel direkt ins Geschehen. Ein halbminütiges, nordisch-atmosphärisch anmutendes Intro macht den Anfang und leitet direkt in den Opener und Titeltrack "Herz eines Kriegers" über, der eine standesgemäße Eröffnung der aktuellen RAUHBEIN-Scheibe markiert, ganz im Stil von "Steh wieder auf" oder "Geradeaus" vom Debüt. Folkloristisch-rockige Klänge wummern in fettem Midtempo aus den Boxen, und schon der erste Chorus des Albums ist eine Singalong-Vorlage per Excellence. Auf dem Vorgänger waren mit "Auf die Freundschaft", "Hoch die Tassen" und "Alles für Gin" gleich drei Feier/Trinklieder enthalten. Und diesen Schnitt halten RAUHBEIN auch auf ihrem neuen Output. Den Anfang macht diesmal ein Track mit dem wortspielerischen Titel "Feier frei". Groovy, mitreißend und mitgröhltauglich macht der Song richtig gute Laune. Das gilt auch für "Fass voller Whisky". Musikalisch eine Schunkelnummer in bester Shanty-Manier, ist der Text, speziell im Refrain ein echter Schmunzler voller Selbstironie, mit Bezug auf einen gewissen, etwas fülligen Gallier und das comic-bekannte Malheur aus dessen Kindheit. Kleine Kostprobe gefällig? Bitte schön: "...Ich fiel als Kind in ein Fass voller Whisky, ich kann doch auch nichts dafür. Ich fiel als Kind in ein Fass voller Whisky, das ist das Drama mit mir. Da hilft kein Gejammer, da hilft kein Geschrei, ich kann dagegen nichts tun. Ich fiel als Kind in ein Fass voller Whisky und seitdem bin ich immun." Song Nummer drei zum Thema ist "Starkes Bier und Whiskey". Das (Getränke)Namedropping ist doch mittlerweile wirklich ein ausgelutschter Drink. Als hätte es MANOWARs "Blood Of The Kings" aus dem Jahr 1988 noch nicht gegeben. Abgesehen von dieser nicht allzu originellen Idee ist das Stück ein cooler Folkpunk-Song, der rockt und richtig schön nach vorn abgeht. Mit "Herz eines Kriegers" gelingt es den rauhen Hessen, die Qualitätsmesslatte, die sie selbst mit ihrem Debüt äußerst hoch gelegt hatten, erneut zu erreichen. Das Zweitwerk tönt wie aus einem Guss und überzeugt sowohl in musikalischer als auch in lyrischer Hinsicht. Motivierende Stücke wechseln sich mit frechen, humorvollen Nummern ab, mal erklingen bei RAUHBEIN harte Gitarrensounds, mal zeigt sich die Band von ihrer sanften, romantischen Seite. Dazu kommen überraschende Einflüsse und genrefremde Versatzstücke, die das Album mit Leben und kreativer Vielfalt erfüllen. Und Henrys unverkennbare Stimme ist dann in jedem Stück neben dem exzellenten Handwerk der Instrumentalfraktion das Tüpfelchen auf dem "i". Der Sound erklingt erneut 1A, glasklar, druckvoll und differenziert. Wer für rockig-punkigen Folk mit deutschen Texten etwas übrig hat und RAUHBEIN bislang noch nicht kannte, sollte die Band und ihre Musik unbedingt mal anchecken. Alle Fans des Debüts greifen ohnehin auch bei "Herz eines Kriegers" zu und werden ganz sicher nicht enttäuscht werden. (STORMBRINGER 4,5 / 5)


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen