Bewertung: 7,5
Und diese Wut muss natürlich raus: „All Hell's Breaking Loose“ lässt es daher von Anbeginn an krachen – mit massiv treibendem, schwindelig machendem Drumming, fetten Gitarren-Brettern sowie geilen solistischen Riffs, sich in Schreien überschlagenden schrillen Gesang und sogar einem so grellen LP-Cover, dass einem bei den mit Urzeit-Monstern gestalteten Motiven, durch welche die Musiker mit ihren Instrumenten mordend wildern, angst und bange werden kann.
Doch genau hier liegt RAVENs Absicht: Mit Hardrock und Metal Angst zu verbreiten, die sich beim Hören festsetzt, während vom Plattenspieler aus die Hölle losbricht: „All Hell's Breaking Loose / Screaming headlong into doomsay, I'm outta control...“
Oder um es mit den Worten unseres ehemaligen Redakteurs Lothar auszudrücken, der vor acht Jahren zu „ExtermiNation“ schrieb: „Schnörkelloser Heavy Metal zwischen stampfender Schlichtheit und rasanter Dynamik.“ Genau das trifft auch auf RAVENs aktuelles 2023er-Studiowerk zu.
Allerdings werden jetzt einige Metal-Fans vielleicht etwas verwundert dreinschauen, da ihnen der Albumtitel irgendwie bekannt vorkommt. Damit liegen sie keineswegs falsch, denn vor drei Jahren veröffentlichten die deutschen Thrash-Metallisten DESTRUCTION ein Album unter gleichem Namen mit ähnlicher Absicht. Nur RAVEN klingen anno 2023 deutlich besser. Davon scheint wohl auch der 'Metal Hammer' überzeugt zu sein, der „All Hell's Breaking Loose“ gerade auf die Spitzenposition zum Album des Monats Juli 2023 erhob, womit in diesem Sinne ihr die aktuelle LP abschließender Song „Go For The Gold“ schon eine fast hellseherische Wirkung verleiht.
Die Gallagher-Brüder lassen auch auf diesem Album die Fetzen fliegen und rühren ein höllisches Musik-Gebräu an, das es tatsächlich schafft, mit all den Zutaten metallischer Meisterschaft genussvoll die Metalheads zu erreichen und sie headbangend gut 37 Minuten lang am Kochen zu halten. Eine Meisterleistung für die schon älteren Herren, die seit nunmehr einem knappen halben Jahrhundert ihr metallisches Unwesen treiben und denen es noch immer gelingt, die Szene ordentlich mit harter Musik und apokalyptischen Texten (die übrigens allesamt auf der bedruckten LP-Innenhülle nachzulesen sind) aufzumischen oder wenigstens bei der Stange zu halten. Genau bei der Stange eben, die nach LEMMYs Tod und MOTÖRHEADS Verstummen deutlich kürzer wurde. „All Hell's Breaking Loose“, das 15. Studio-Album der britischen Metallisten, deren Lebensmittelpunkt schon lange in New York liegt, setzt nicht nur einen Flansch, sondern schweißt ein langes Rohr dran. Metal lives eben doch forever, trotz so einiger erschütternder Todesbotschaften.
Wenn uns RAVEN allerdings in die Hölle schicken, dann dürfen wir sie zumindest aus musikalischer Sicht nur zu gerne begleiten, weil dort das Eisen geschmiedet wird, welches den Rock erst zu etwas richtig Hartem macht, während im Himmel eben nicht auf konstruktiven Krach und die Apokalypse, sondern mehr auf Harfen und beruhigende Klangwolken gesetzt wird.


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