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Negura Bunget - Om



Release Info: 2006 - Code666 - Full Length
Band Info: Rumänien - 1995 - Black Metal
Bewertung: 5,5


Songs:

1. Ceasuri Rele
2. Tesarul De Lumini
3. Primul Om
4. Cunoastera Tacuta
5. Inarborat
6. Dedesuptul
7. Norilor
8. De Piatra
9. Cel Din Urma Vis
10. Hora Soarelui
11. Al Doilea Om

Endlich! Kaum ein anderes Album habe ich je so sehnsüchtig erwartet wie „Om“ von NEGURA BUNGET. Ständig wurde der Veröffentlichungstermin verschoben und irgendwann zweifelte ich sogar schon ein wenig daran, dass das gute Stück überhaupt noch erscheinen würde. Zur Überbrückung der unerwartet langen Wartezeit wurde die Mini-CD „Inarborat Kosmos“ veröffentlicht, die jedoch für viele eine herbe Enttäuschung darstellte, da sie lediglich zwei „richtige“ Songs enthielt. So viel vorweg: Das Warten hat sich gelohnt. „Om“ wird mit Sicherheit niemanden enttäuschen. „Ceasuri Rele“ beginnt mit befremdlichen Geräuschen, die entfernt an Grillenzirpen erinnern. Eine zitternde Stimme flüstert, keucht und haucht, bis sie schließlich in besessenem Schreien gipfelt. Ich weiß zwar nicht, was Hupogrammos da schreit, aber er tut es derart eindringlich und leidenschaftlich, dass es mir die Sprache verschlägt. Intros sind häufig langweilig und deshalb auch ziemlich unnötig, aber dieses hier ist wirklich fesselnd und furchteinflößend. Tja, und wie beschreibe ich nun am Besten die eigentliche Musik? Es wäre unsinnig, Vergleiche mit anderen Bands aufzustellen. Im Prinzip käme so etwas sogar schon einer Beleidigung gleich, denn NEGURA BUNGET klingen ganz einfach wie NEGURA BUNGET und bewegen sich weit abseits aller ausgetretenen Genre-Pfade. Als Fundament dient der Band zwar nach wie vor Black Metal, aber NEGURA BUNGETs Musik ist mehr als das. So ist „Hora Soarelui“ zum Beispiel sehr stark von rumänischer Folkmusik beeinflusst (die Hora ist ein traditioneller rumänischer Volkstanz), wirkt dabei aber kein bisschen aufgesetzt, sondern absolut authentisch und natürlich. Die Transsilvanier verstehen es sowieso meisterhaft, Gegensätze miteinander zu verbinden. Harmonie trifft auf Dissonanz und Ordnung auf (scheinbares) Chaos, verträumte Klangwelten wechseln sich mit tiefschwarzer Raserei ab. Erstaunlich ist, dass „Om“ trotz dieser beachtlichen Vielschichtigkeit vollkommen homogen klingt. Selbst die Ambient-Stücke stellen hier eine echte Bereicherung des Hörerlebnisses dar und sind alles andere als Lückenfüller. Interessanterweise hat auch ein alter Bekannter seinen Weg auf „Om“ gefunden: Hinter „Inarborat“ versteckt sich „Wordless Knowledge“ von der bereits erwähnten „Inarborat Kosmos“-MCD, der mit einem neuen Text versehen und um ein echtes Horn sowie ein paar interessante Basslines erweitert wurde. Im direkten Vergleich zum Vorgängeralbum „N Crugu Bradului“ empfinde ich NEGURA BUNGETs neues Werk trotz seiner längeren Gesamtspielzeit als einen Tick leichter zugänglich, aber dennoch braucht es ein wenig Zeit, bis es richtig zündet. Erst dann kann man die sehr eigenwillige Atmosphäre des Albums vollends genießen. Aber nicht nur die Musik an sich ist tiefgründig und ungewöhnlich, das selbe trifft nämlich auch auf das hinter ihr stehende Konzept zu: „Om“ beschäftigt sich, sehr knapp gesagt, mit der Entwicklung des Menschen von seinen Anfängen hin zu einer Art immateriellem Individuum. Eine genauere Erklärung würde zweifellos den Rahmen dieses Reviews sprengen, aber bereits dieser kleine Einblick in NEGURA BUNGETs Gedankenwelt dürfte zeigen, dass sie sich mit für eine Black-Metal-Band (was sie noch am ehesten sind) sehr unkonventionellen Thematiken beschäftigen. Gerade in einem derart festgefahrenen und engstirnigen Genre halte ich das für überaus mutig und bemerkenswert. Die CD erscheint übrigens in einem wundervoll gestalteten, mehrfach aufklappbaren Digipak mit Bonus-DVD, auf der sich Live-Material, ein interessantes Interview mit der Band sowie einige Musikvideos befinden. Letztere enthalten äußerst imposante bewegte Bilder der transsilvanischen Natur, die nicht nur hervorragend zur Musik passen, sondern diese sogar ergänzen – muss man gesehen, gehört und vor allem erlebt haben! Da kann ich auch darüber hinwegsehen, dass sich die Live-Clips qualitativ eher auf Bootleg-Niveau bewegen und somit wirklich nur als nette Dreingabe zu betrachten sind. Ich wage ohnehin zu bezweifeln, dass es möglich ist, die extrem intensive Atmosphäre eines Auftrittes von NEGURA BUNGET einzufangen, aber das nur nebenbei. Eigentlich vergebe ich die volle Punktzahl ja nur ungern, aber NEGURA BUNGET lassen mir gar keine andere Wahl. „Om“ ist mehr als nur ein Musikalbum, es ist ein perfekt durchdachtes Gesamtkunstwerk und eine spirituelle Reise, die mit Worten nur unzulänglich zu beschreiben ist. Für mich ganz klar die Veröffentlichung des Jahres. Mindestens. (METAL.DE 10 / 10)




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