Die dritte Ausgabe des Rock The Lakes wartete mit einem Standortwechsel auf. Neu findet das dreitägige Festival in Cudrefin statt und mit zwei Bühnen, so das fast pausenlos Musik gespielt wurde. Das Open Air überzeugte mit starkem Sound, toller Infrastruktur und kurzen Wegen. In Sachen Preise allerdings grenzte es an Wucher, sorry 9.- für ein Bier ist einfach frech. Witterungsmässig von brennender Sonne über schwüle Saunatemparaturen bis Regen und Schlamm alles erlebt. Aufgrund der Arbeit konnte ich am Freitag erst am Abend anreisen und verpasste so Auftritte von All For Metal oder Insomnium.
Freitag
Amaranthe
Entweder
man mag die Band oder man findet sie furchtbar. Der Mix aus Melodic Death Metal
und modernen Elemente, welche oft gar in Richtung Pop abdriften, trifft nun mal
nicht jeden Nerv. Fakt ist aber auch, dass Amaranthe oft live auftreten und eine
überzeugende Darbietung ablieferten. Sängerin Elize Ryd ist auch live eine Wucht
und schwedisch-dänische Band stand ihr in nichts nach.
Exodus
Dann
folgte für mich ein erstes Festivalhighlight. Die Thrash Veteranen betraten die
Bühne und was folgte war ein Thrash Gewitter erster Güte. Auch wenn die Sonne
immer noch erbarmungslos auf das durchschwitze Publikum herabschien, bildete
sich ein beträchtlicher Moshpit. Die Truppe aus San Francisco hatte Cudrefin im
Griff und wurden für eine wunderbare Darbietung auch berechtigt abgefeiert.
Amorphis
Die
Finnen von Amorphis betraten dann die Bühne und hatten eine starke Setlist zur
Hand, welche natürlich auch Songs des letzten starken Streichs «Halo» berücksichtigte.
Natürlich wurde auch der Meilenstein «Tales From The Thousand Lakes» nicht
vergessen und spätestens bei «Black Winter Day» war klar, dass auch Amorphis zu
den grossen Namen des Rock The Lakes gehören und momentan einen zweiten
Frühling geniessen.
Behemoth
Schon eindrücklich, was die Polen an Pyros und Bühnendeko jeweils auffahren. Es war einmal mehr ein Spektakel. Der Sound war brilliant und die Setlist war mit Hits wie «Demigod», «Bartzabel» oder «O Father, O Satan, O Sun!» gespickt. Der Freitags-Headliner war auf jeden Fall eine würdige Wahl, auch wenn ich das Gefühl hatte, dass die Stimmung eher verhalten war. Black Metal ist halt nicht jedermanns Geschmack.
Comeback Kid
Ich
gebe es zu, Hardcore Punk ist gar nicht mein Ding und deshalb zog ich es vor
mich für den Samstag auszuruhen, womit ich nicht alleine war. Das Publikum
strömte in Massen durch die Tore, aber keine Angst, Comeback Kid durften
trotzdem noch vor vielen unermüdlichen Fans spielen und profitieren wie so
viele Bands vom unglaublich wuchtigen Sound auf den beiden Bühnen.
Samstag
Kassoghta
Zwar
war die Sonne am Samstag meist durch Wolken verdeckt, trotzdem war es
unglaublich schwül und schweisstreibend. Um 13:00 durften die Genfer Kassoghta
den Tag eröffnen und erstaunlich viele Leute waren bereits vor der Bühne
versammelt, die Band hat sich in der Romandie bereits einen Namen gemacht. Es
war eine kurzweilige halbe Stunde, die Spielfreude war der Band anzumerken.
Thrown
Wenn
irgendwelche Hip-Hop Tracks als Intro laufen, heisst das in der Regel für mich:
Schnell weg! Metalcore war angesagt und die Schweden lieferten ein wahres Brett
ab. Im Gegensatz zu Kassoghta war die Meute vor der Bühne eher überschaubar,
was Thrown aber nicht daran hinderte ihre Fans zufrieden zu stellen. Sicher ein
guter Auftritt, aber so gar nicht meins.
Vukovi
Die
schottischen Vukovi sorgten dann bei mir für fast noch mehr Stirnrunzeln. Ein
Drummer, Sängerin Janine Shilstone (die sich für ihren charmanten schottischen
Dialekt entschuldigte und versprach «slowly» zu reden) und ein Gitarris namens
Hamisch Reilly, that’s it. Ohne Bassist auf der Bühne zu stehen ist sicher
gewöhnungsbedürftig. Die Band genoss den Auftritt aber sichtlich, ob der Dreier
mit ihrem Nu-Metal viele neue Freunde gefunden hat, wage ich dennoch in Frage
zu stellen.
Xandria
Wie
schon bei den Schotten, ist bei Xandria eine Sängerin am Werk, stilistisch
liegen aber Welten dazwischen. Symphonic Metal war angesagt und auch wenn es
die Deutschen seit über 30 Jahren nicht geschafft haben in die Weltspitze
vorzudringen, liefern sie dennoch solide Kost ab. Auch wenn ich mir persönlich
wünschte einen Keyboarder auf der Bühne zu sehen, darf man das nicht in die
Bewertung einfliessen lassen, schliesslich sind Xandria bei weitem nicht die
einzige Truppe, welche die orchestralen Parts über Band laufen lassen.
Annisokay
Nach
2023 in Pilsen, wurde ich bereits zum zweiten Male Zeuge eines Auftrittes des
Vierers aus Deutschland. Der durchaus kompetent vorgetragene Gig der Hardcore /
Alternative Band ist auch schon am Greenfield aufgetreten, was die Zielgruppe
auch schon klar definiert. Während die traditionellen Kuttenträger sich dem
kühlen Gerstensaft widmeten, kamen Fans von modernen Spielarten auf ihre
Kosten.
Crownshift
Der
Name war mir im Vorfeld gänzlich unbekannt, aber als ich las, dass drei
Norther-Mitglieder in der Band waren, stieg die Spannung. Wer aber auf Melodic
Death gehofft hat, lag leider nicht ganz richtig. Crownshift sind deutlich
moderner, aber auch progressiver unterwegs. Jedenfalls konnte mich der Auftritt
nur bedingt überzeugen, auch sonst war das Feedback von seitens der Fans
zurückhaltend, grosse Stimmung fühlt sich anders an.
Rotting Christ
Was
für ein göttlicher, ähem sorry…höllischer Auftritt der Griechen. Sakis Tolis
und seine Mitstreiter haben an diesem Nachmittag eine Performance hingelegt,
die zweifelsohne zu den absoluten Festivalhighlights zu zählen ist. Die
Stimmung stieg sofort an und mit Songs wie dem unfassbar packenden «Like Father
Like Son», dem Evergreen «Dies Irae» und dem unverzichtbaren «Grandis Spirit
Diavolos» wurde jeder Fan der hellenischen Bande glücklich. Es braucht nicht
immer eine bombastische Bühnenshow um einen fesselnden Auftritt zu garantieren.
Brothers Of Metal
Es war Zeit für die beste Band des Festivals, jedenfalls behauptete dies Frontmann Mats Nilsson selbstbewusst und eine gehörigen Portion Selbstironie. Trotz Triple-Axe Attack bringen die Schweden diese Power aber nicht wirklich auf die Bühne. Das klingt jeweils auf Platte besser als live. Was man den True-Metal Warriors aber nicht absprechen kann, ist das Faible für Mitsing-Refrains der Marke «Njord» oder «Fire, Blood And Steel». Dazu hatte man mit «Yggdrasil» die geilste Ballade des Festivals am Start. Insgesamt ein solider und äusserst spassiger Auftritt.
Caliban
Metalcore
aus Deutschland stand auf der Running Order. Caliban sind mittlerweile eine
etablierte Kraft und zog mit ihrem Auftritt eine ordentliche Zahl Fans vor die
linke Bühne. Sänger Andreas Dörner ist ein Meister seines Faches und auch der
Rest der Band war musikalisch unheimlich tight. Trotzdem für mich ein Grund,
mich an einem der vielen Food Trucks zu verköstigen, was aber nichts über die
Qualität des Auftritts aussagt. Geschmäcker sind nun mal verschieden.
Dark Tranquility
Noch
immer war es wettertechnisch extrem schwül, aber natürlich durfte man sich den
Auftritt von der schwedischen Melo-Death Truppe nicht entgehen lassen.
Diejenigen die sich auf dem Campingplatz tummelten, haben definitiv etwas
verpasst. Auch wenn das neuste Studioalbum erst einen Tag vorher erschienen
ist, wurde es mit vier Songs auf der Setlist gewürdigt. Auch wenn viele Fans
(mich eingeschlossen) sich noch nicht mit dem neuen Material befasst haben, tat
das der Stimmung keinen Abbruch. Sänger Mikael Stanne strahlte jedenfalls und
zeigte sich blendend aufgelegt. Im November sind Dark Tranquility im Kofmehl zu
Gast, die Vorfreude ist riesig!
The Amity Affliction
Nach
dieser Offenbarung zogen erste schwarze Wolken auf, doch noch blieb es trocken.
Post-Hardcore aus Australien der wie ein Dampfhammer durch die Boxen dröhnte.
Leider hatte die Band Pech mit einem Tonausfall, welche für einen kurzen
Unterbruch sorgte. Auffallend war allerdings auch, dass bereits gegen Ende des
Konzertes viele sich einen Platz vor der anderen Bühne suchten. Die vorderen
Reihen hatten aber sichtlich Spass an den Songs von Amity Affliction.
Beast In Black
Wie sagte es mein Walliser Kollege so treffend? Schlager Metal war angesagt. Das mag despektierlich klingen, aber klar ist auch, dass Beast In Black dem Kitsch nicht abgelehnt sind. Auch die Tatsache, dass der Sound von Keyboards dominiert wird (das leider wie bei Xandria auch, auf der Bühne fehlte) und die stilistische Nähe zu Battle Beast liessen die Zuschauer kalt und so feierte man Beast In Black nach allen Regeln der Kunst ab. Stimmungsmässig war bei Hymnen wie «Blind And Frozen», «Sweet True Lies» oder «One Night In Tokyo» das nun prächtig gefüllte Areal auf dem Höhepunkt. Da konnte auch der einsetzende Nieselregen nichts ausrichten, im Gegenteil das war die angenehme und dringend benötigte Erfrischung. Toller Auftritt der Finnen!
In Extremo
Zeit
für den Samstag Headliner. Live sind In Extremo ein sicherer Wert und auch heute
war das eine ganz starke Performance. Mit viel Feuerwerk wurde geschunkelt, gesungen
und getanzt. Logo, dass zu diesem Zeitpunkt ein Song wie «Sternhagelvoll» zu
einem sicheren Wert wird. Aber auch nachdenkliche Texte sind bei In Extremo zu
hören, es ist vielleicht genau diese Mischung, die den Auftritt zu einem Erlebnis
machte. Gegen Ende des Sets wurde der Regen leider stärker und am Schluss
öffneten sich die Schleusen richtig, was dazu führte, dass viele sich auf den
Heimweg oder zum Zeltplatz begaben um einigermassen trocken die Nacht zu verbringen.
Skald
Sehr
zum Leidwesen der letzten Band, welche bei strömenden Regen nicht mehr viele
Fans vor der Bühne hatten. Einige suchten Schutz unter dem grossen Zelt und verfolgten
den Auftritt der Mittelalter Band von dort aus. Die altnordischen Texte und die
Verwendung von Instrumenten wie Schamanentrommeln, Lyra oder Citole haben etwas
Magisches an sich. Der Regen hätte also gut noch eine Stunde warten können.
Sonntag
Infinitas
Der
Regen verwandelte den Campingplatz über Nacht in einen veritablen Schlammplatz
und einige Fans verliessen das Festival bereits oder reisten nicht mehr an.
Trotzdem stand einer fetten Party nichts mehr im Weg, weil das Gelände bis auf
ein paar Ausnahmen noch absolut in Ordnung war. Auch wenn noch nicht viele Fans
den Weg zu den beiden imposanten Bühnen gefunden hatten, war der Auftritt der
Muotataler Band als gelungen zu bezeichnen, so dass die halbe Stunde wie im
Flug verging.
Dymytry
Schon imposant was die Tschechen in Sachen Bühnenbild aufbauten, vor allem als zweite Band mit einer Spielzeit von 35 Minuten. Die Band war im März schon Headliner im Z7 und hat sich auch als Supportband von Lordi und Hämatom einen Namen gemacht. Kein Wunder, dass die Stimmung bestens war. In dieser Form dürfte der Bekanntheitsgrad von Dymytry in den nächsten Jahren exorbitant wachsen.
Illumishade
Illumishade
ist die Band von Eluveite Sängerin Fabienne Erni. Die Mischung aus Symphonic,
Progressive und Modern Metal ist nicht immer leicht verdaulich, aber die Band
wirkte auf der Bühne absolut stilsicher. Mit viel Enthusiasmus und einer
starken Performance wusste die Band zu überzeugen. Das kam auch beim Publikum
gut an, die Signing Session war deshalb später sehr gut besucht. Auf jeden Fall
werde ich mich mit dem aktuellen Album «Another Side Of You» mal beschäftigen.
Elvenking
Leider
hatte es mittlerweile wieder etwas zu regnen angefangen und das Gelände wurde
von Minute zu Minute schlammiger. Das hinderte die italienischen Folk Metaller
von Elvenking aber nicht daran, eine solide Show abzuliefern. Man merkte der
Band die jahrelange Tour-Erfahrung an, das hatte alles Hand und Fuss. Trotzdem konnte
der Funke nicht ganz auf die anwesende Meute überspringen. Trotzdem ein kurzweiliger
Auftritt.
Havok
Die
Kalifornier Havok waren die erste von drei Thrash Bands und sicher die Unbekannteste.
Allerding hatten nicht wenige Fans Lust auf eine ordentliche Tracht Prügel,
welche sie dann von den Amerikanern auch verpasst bekamen. Heftige Riffattacken
trafen auf Doublebassorgien und auch waren schon wieder einige Moshpits zu
sehen. Havok haben überzeugt und so mancher wird sich zuhause mit dem
Songmaterial näher beschäftigen wollen.
dArtagnan
Was
für ein Stilbruch! Ben Metzler (Feuerschwanz) und seine Musketiere sorgten für eine
ausgelassene Partie mit ihren Songs. Allerdings hatten es dArtagnan nicht so leicht,
da viele Fans französischsprechend waren und dementsprechend die Texte nicht
verstanden. Wegen des Regens hatten sich auch viele Fans unter das grosse Zelt
verkrochen und verfolgten den Gig von dort aus. Der stark an Bands wie Santiano
angelegte Mittelalterrock wurde trotzdem abgefeiert.
Sodom
Die
deutschen Urgesteine um das Gelsenkirchener Original Tom Angelripper hatten das
Wetterglück nicht auf ihrer Seite. Es regnete mittlerweile wieder in Strömen
und so war der Andrang vor der Bühne leider nicht allzu gross. Der Frontmann
bedankte sich trotzdem und versuchte gleichzeitig die Leute aus dem Zelt zu
holen, was ihm nicht gelang. Schade, denn Sodom haben abgeliefert und den Fans
eine Breitseite verpasst.
Dragonforce
Ginge
es um die Bühnenpräsentation, Dragonforce wären ganz vorne. Zwei riesige Drachen
und zwei grosse Spielautomaten wurden aufgebaut, wobei auf den Bildschirmen
auch Spiele liefen. Ausserdem konnten die Musiker auf die Spielautomaten
steigen und dort spielen. Der Auftritt selber wanderte auf einem schmalen Grad
zur Peinlichkeit. Vor allem die Coverversionen von Céline Dion und Taylor Swift
und der Discotrack waren nicht der Bringer. Der Rest war aber Unterhaltung pur,
natürlich inklusive des Megahits «Through Fire And Flames».
Axel Rudi Pell
Zeit
für die beste Stimme des Festivals! Johnny Gioeli’s Organ sorgte nicht nur beim
fantastischen «The Masquerade Ball» für Gänsehaut. Dazu kam die unterhaltsame Interaktion
mit Axel, was dem Auftritt einen sympathischen Touch verlieh. Das bei einer
solch umfangreichen Diskographie auch der eine oder andere Song gefehlt hat, war
klar. Ich habe zwar «Hear You Calling Me» vermisst, dafür kamen Knaller wie «Fool
Fool» oder «Rock The Nation» zum Zug. Ein Klasse Auftritt, nicht nur von Axel Rudi
Pell sondern von der ganzen Band!
Jinjer
Der
Co-Headliner des letzten Rock The Lakes Tag kommt aus der Ukraine und hat in den
letzten Jahren schon ordentlich Staub aufgewirbelt. Tatiana Shmayluk erschien in
einem speziellen roten Outfit und growlte das gespannte Publikum förmlich weg. Die
progressiven Songstrukturen sind aber nicht jedermanns Sache und irgendwie freute
man sich insgeheim schon auf das was noch folgen würde. Sympathiepunkte erntete
die Band aber damit, dass sie sich nicht über Putin wetterte, sondern generell einfach
auf Liebe und gegen Krieg aussprachen. Die Anhänger der Band kamen sicher auf
ihre Kosten und konnten sich über eine Show freuen, die sich ausschliesslich
auf die Musik konzentrierte.
Kreator
Das
war freilich beim Headliner anders. Ein Bühnendesign, das seinesgleichen sucht,
mächtig viel Feuer und ab ging die wilde Fahrt. Kreator profitierten sicher auch,
dass es aufgehört hatte zu regnen, so dass noch eine prächtige Stimmung vorhanden
war. Was dann folgte war ein Siegeszug von Mille uns seinen Mannen, die mit
einer unfassbaren geilen Setlist überzeugte. Hit folgte auf Hit und nach dem Opener
«Hate über alles» kam es schon bei «Enemy Of God» zu einer Wall Of Death. Auch
in der Folge liessen Kreator nicht locker und fordeten immer wieder lautstarke
Unterstützung, der zugegebenermassen auch etwas erschöpften Fans, welche aber
noch einmal den starken Sound und die tolle Performance genossen. Kreator waren
ein absolut würdiger Abschluss des dritten Rock The Lakes.
Exodus


















































































































































































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