1. The Sound Of Victory
Ich bin mir sicher, dass ich meine Fitnessreise, die ich vor etwas mehr als anderthalb Jahren begonnen habe, schon beiläufig erwähnt habe. In dieser Zeit habe ich es geschafft, 36 Kilo abzunehmen, und mir fehlen noch etwa 18 bis 23 Kilo. Solch ein intensives Training erfordert Hingabe, und Hingabe erfordert Motivation durch einen Killer-Soundtrack. In meinem Fall ist das entweder bestialischer Black/Death/Thrash Metal, blutrünstiger USPM oder Trainingsmontage-AOR. Und wenn es um Letzteres geht, gibt es wohl keinen größeren Verfechter dieser Nische als Stan Bush.
Sein Klassiker „The Touch“ aus dem Jahr 1986 war in „Transformers: Der Film“ zu hören und machte ihn schlagartig zu einer Ikone der Generation X. In den darauffolgenden Jahren hat er weiterhin zu Film- und Fernsehsoundtracks beigetragen und sein Solorepertoire erweitert, zuletzt mit „Born for Battle“ . Obwohl sich in den fünf Jahren, seit wir das letzte Mal mit „Dare to Dream“ von Bush gehört haben, viel geändert hat, ist sein bewährter Ansatz für melodischen Hardrock gleich geblieben. Schließlich ist er eine der Galionsfiguren des Genres. Wenn man sich in ein Album von Bush vertieft, kann man atemberaubende Synthesizer, massive Arena-Rock-Riffs und mitreißende Lyrik erwarten, die auf „ Born for Battle“ so hell erstrahlen wie eh und je .
Nach anderthalb Minuten des Openers „The Sound of Victory“ musste ich mir denken: „Wow, das ist kraftvoller und fesselnder als 99 % der modernen Power-Metal-Szene.“ Vielleicht sollten wir das Mikrogenre „Trainings-Montage-AOR“ in „Power-AOR“ umbenennen? Diese Beschreibung passt gut zu Stücken wie „Runnin‘ the Gauntlet“, „Heart of a Lion“ und „Stand or Fall“: Hochspannungs- und Hardrock-Lichtblitze gegen eine Welt, die zu sehr in Dunkelheit und Negativität versunken ist. Und das alles, wohlgemerkt, mit Melodien und Hooks, die so kraftvoll sind wie die von Bush in seiner Glanzzeit in den 80ern.
Abgesehen davon, dass die Songs selbst einfach super sind, gibt es zwei besondere Aspekte dieses Albums, die ich loben muss. Erstens klingt Bush mit 72 Jahren stimmlich fast identisch mit seinem 32-jährigen Ich. Mir ist durchaus bewusst, dass es heutzutage keinen Mangel an Studiotricks gibt, um ein solches Kunststück zu vollbringen, aber beim mehrmaligen Anhören klingt es nicht nach allzu viel Nachbearbeitung. Es klingt weitgehend nach Bushs rauer, organischer Stimme, immer noch kristallklar und dynamisch, die die hohen Töne mit unheimlicher Leichtigkeit trifft. Zweitens kann ich Bush nicht genug dafür loben, dass er den klanglichen Werten eines echten AOR-Albums treu bleibt. Es gibt nichts Schlimmeres als eine „Retro“-Angelegenheit mit komprimiertem Sound oder Drums aus einem Slipknot-Song. Bush weiß das und bleibt seiner Meinung treu: Er macht echten melodischen Rock auf die einzige Art, die er kennt.

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