Wieso liegt hier Stroh? Dieser Kultspruch
wurde zum Running Gag am diesjährigen Meh Suff. Heftige Regenfälle hatten vorher
das Gelände aufgeweicht und selbst am Freitag regnete es noch, so dass sich
schon auf dem Parkplatz der Schlamm bemerkbar machte. Die fleissigen Helfer
streuten deshalb auf dem ganzen Gelände grosszügig Stroh, weshalb der Hüttikerberg
glücklicherweise nicht mit Wacken zu vergleichen war. Am Freitagnachmittag zeigte
sich auch die Sonne und auch der Samstag zeigte sich von seiner besten Seite,
weshalb einer weiteren starken Ausgabe nichts mehr im Weg stand. Nachdem
auch der Zugang zum zuerst versperrten Fotograben geklärt war, konnte es
mit der ersten Band losgehen.
Freitag
Infestus
Da der
Zeltplatz erst spät öffnete, waren viele Besucher noch mit dem Aufbau beschäftigt
und verpassten deswegen den Auftritt der deutschen Black Metaller Infestus.
Mit der Zeit kamen aber mehr und mehr Fans dazu, denn der straight gespielte,
melodische Black Metal wusste zu früher Stunde zu überzeugen.
9 Dead
Die
Amerikaner waren zusammen mit Viscral und Visceral Disgorge auf Tour und das gesamte
Package machte auch einen Halt am Meh Suff. 9 Dead haben scheinbar ein Faible
für schräge Intros, praktisch vor jedem Song klangen seltsame Geräusche durch
die Boxen. Oder gibt es einen Metalhead der Haddaway abfeiert? Der dauervapende
Sänger verlangte schon früh im Set nach einem Circle Pit und tatsächlich liessen
sich ein paar Fans darauf ein. Der Mix aus Death, Hardcore und Slam ist zwar
nicht jedermanns Sache, aber in Sachen Spielfreude gab es gar nichts zu bemängeln.
Ghörnt
Die
Zeit war reif für die erste und einzige Schweizer Band am Freitag. Ghörnt bestehen
ja eigentlich aus Drummer J. , der in gefühlt zwanzig anderen Bands auch noch
spielt und Sänger Thulus (Asgard). Für Live Gitarrist Arawan war es eine Rückkehr,
nachdem er letztes Jahr noch mit Causam auf der Bühne stand. Ghörnt singen
auf Mundart, allerdings ist das Verstehen der Sätze im Black Metal ja eher schwierig,
am Luzerner Dialekt sollte es jedenfalls nicht gelegen haben. Die Performance
war äusserst stark, kein Wunder also, dass die Stimmung prächtig war.
Visceral Disgorge
Die
folgende Band fiel danach bei mir völlig durch. Die fast pfeifenden Grunzgesänge
von Sänger Travis waren für mich nur schwer zu ertragen. Doch die Anhänger
von Brutal Death und Slam kamen dafür voll auf ihre Kosten. Mangelndes Engagement
kann man den Jungs aus Baltimore ebenfalls nicht absprechen. So langsam füllte
sich auch der Platz und der Moshpit sah nun schon deutlich besser aus, als noch
bei 9 Dead.
Warmen
Die
Band um Janne Wirman (Children Of Bodom) hat mit der Verpflichtung von Ensiferum
Frontmann Petri Lindroos eine stilistische Kursänderung von eher neoklassischem
Metal in Richtung Melodic Death der Marke COB vollzogen, umso gespannter
war ich auf den Gig der Finnen. Trotz einiger kleinen technischen Pannen
zeigten Janne und Co., dass das Erbe von Alexi Laiho (verstorbener Sänger der
Kinder vom Bodomsee) in guten Händen ist. Das eigene Material wurde ebenso wohlwollend
aufgenommen wie die Bodom Coverversionen «Hate Me» und «In Your Face».
Hellripper
Mein
persönliches Meh-Suff Highlight 2025 stand danach auf dem Programm. Nachdem
der Schotte James McBain bereits am Iron Fest (und scheinbar auch auf dem
Baden In Blut) alles in Schutt und Asche gelegt hat, war nun Hüttikon an der Reihe.
45 Minuten lang prügelten Hellripper ihren Speed-Black Metal in die Reihen, als
ob es kein Morgen mehr gäbe. Ein Dauer-Mosphpit war die logische Folge und so setzten
die Jungs die Messlatte für die folgenden Bands schon exorbitant hoch. Schön
auch, dass James danach noch im Gelände für die Fans da war.
Marduk
Panzer Marsch
lautete die Devise, denn nun war die Reihe an der schwedischen Panzer
Division namens Marduk. Die Black Metal Veteranen spielten sich einmal quer
durch die umfangreiche Diskografie und zeigten dass sie nichts verlernt haben. Noch
immer sind die Jungs extrem brachial unterwegs und auch wenn sie mittlerweile
auch routiniert ihre Salven ins Publikum ballern, ist Marduk live immer noch
böse genug. Bei Bandklassikern wie «Christraping Black Metal», «The Blond Beast»
oder der Zugabe «Panzer Division Marduk» war die Stimmung auf dem Höhepunkt.
Moonspell
Über
die musikalische Klasse der Portugiesen dürfte es keine Zweifel geben. Trotzdem
fand ich die Wahl des Headliners mutig und in der Tat wollte beim Gothic Metal
der Funke nicht so Recht auf das zahlreiche Volk entfachen. Zwar spielten Moonspell
auch ein paar ältere Songs, welche gut ankamen, dies ändert aber nichts an der
Tatsache, dass der Stimmungspegel sich rapide senkte und bei etlichen Metalheads
die Müdigkeit über Hand nahm. Moonspell waren aber beileibe nicht schlecht und
phasenweise richtig stark, aber die abrupte Stiländerung von Marduk zu Moonspell
war etwas zu krass.
Scar Symmetry
Mittlerweile
war es schon fast Mitternacht und der Konsum von Bier, Drinks und Fast Food
forderte seine ersten Opfer. So fand eine regelrechte Völkerwanderung in Richtung
Camping Platz statt, aber zum Glück konnten die Schweden dann doch noch
vor einer grossen Kulisse auftreten. Der technisch-komplexe Melodic Death wirkte
noch einmal wie ein Aufputschmittel und so liessen sich auch Scar Symmetry von
der Stimmung mitreissen und steigerten sich immer mehr in einen Spielrausch.
Viscral
Den
undankbarsten Job an diesem Freitag hatten die Indonesier von Viscral inne.Weit
nach 1:00 morgens waren nun nur noch die hartgesottensten Fans vor der Bühne
und auch der Autor dieser Zeilen konnte sich ein Gähnen im Minutentakt nicht mehr
verkneifen. Man wird halt nicht jünger. Stand man etwas hinten, vermischte sich
der Brutal Death Metal mit den unsäglichen 90er Dance-Songs im Festzelt, was schon
sehr seltsam klang. Viscral gaben sich redlich Mühe, hatten es aber wirklich
nicht leicht als zehnte Band des Tages.
Samstag
Kerberos
Als
Metal Factory Chef Roxx und meine Wenigkeit in Richtung Eingang liefen, spielten
Kerberos bereits ihren ersten Song. Also nichts wie los um dann doch noch einige
Fotos der Lokalmatadoren zu schiessen. Symphonic Metal meets Death Metal, dazu
eine progressive Ausflüge waren angesagt und Kerberos machten ihre Sache als
Opener mehr als nur gut. Mit einer Prügeltruppe zu starten, wäre auch etwas zu
früh gewesen.
Soulline
Gleich
nochmals einheimisches Schaffen, diesmal aus dem Sonnenkanton der Schweiz.
Nicht dass Kerberos nicht gut waren, aber Soulline waren dann doch noch ein
ganz anderes Kaliber. Da merkte man die 25 Jahre Erfahrung in jeder Sekunde. Auch
die kleine, aber treue Fanbase macht auf sich aufmerksam. Da war nämlich eine
riesige, aufblasbare Ananas in der ersten Reihe, welche mit Soulline Sprüchen verziert
wurde. Die Tessiner waren druckvoll, spielfreudig und musikalisch grossartig.
Kassogtha
Um auch
alle drei grossen Landessprachen komplett zu machen, verpflichteten die Macher
des Meh Suffs natürlich auch noch eine Band aus der Romandie. Kassogtha stammen
aus Genf und es war nach dem letztjährigen Rock The Lakes Auftritt ein Wiedersehen
für mich. Kassogtha sind zwar musikalisch nicht meine Baustelle, aber der
Truppe gelingt es mit ihren energiegeladenen Shows immer mehr Fans auf ihre Seite
zu ziehen.
Korpse
Slam
aus Holland stand auf der Speisekarte und damit auch die Rückkehr von Circle Pits
auf dem Stroh vor der Bühne. Die Band liess sich auch von technischen Problemen
mit dem Mikro nicht unterkriegen und lieferte den hungrigen Brutal Death Fans
genau das was sie wollten: Eine unbarmherzige Prügelei.
Disparaged
Wir
bleiben beim Death Metal, der diesmal aber äusserst klassisch dargeboten wurde.
Ähnlich wie Requiem letztes Jahr, sind die Schweizer schon lange aktiv und dementsprechend
eingespielt. Das Bassist Rafahell (was für ein Nickname!) erst seit diesem Jahr
zum Bandgefüge dazugestossen ist, merkte man auf der Bühne nicht. Nach dem
letztjährigen starken Album «Down The Heavens» waren meine Erwartungen
hoch und sie wurden glücklicherweise nicht enttäuscht.
Kraanium
Des
einen Pech, des anderen Glück. Weil Gutrectomy ihren Auftritt kurzerhand absagen
mussten, rutschten Kraanium im Billing nach vorne und konnten so vor deutlich
mehr Fans auftreten. Das nutzten die Norweger aus und pfefferten für die Slam-Fraktion
ein fettes Brett in die Menge. Kein Wunder, ergatterten sich nach dem Konzert
doch einige begeisterte Anhänger ein Shirt der Band.
Myrkur
Was für
ein Kontrastprogramm. Die Dänin Myrkur liess sich zwar etwas Zeit, legte dann
aber eine Performance hin, die nicht nur einmal Gänsehaut verursachte. Natürlich,
die Mischung aus Folk und atmopshärischem Black Metal dürfte vielen zu soft
ausgefallen sein, denn die ruhigen, melancholischen Parts waren omnipräsent. Aber
Myrkur hat eine dermassen grandiose Aura, dass sie für etliche nach unten fallende
Kiefern sorgte. Es war keine ausgelassen Stimmung, aber der Applaus wirkte fast
wie ungläubige Bewunderung.
Kanonenfieber
Tja und
nun folgte der Headliner, der mich einmal mehr belehren sollte, dass man seine
Vorurteile getrost in die Tonne schmeissen kann. Ich kannte zwar einige Songs, aber
richtig begeistern konnte mich diese durch die Decke gehende Band nie. Das Bühnenbild
war mit grossem Abstand das Aufwändigste des ganzen Wochenendes. An den Seiten
der Drums zwei Kanonen, dazu Schützengräben am Bühnenrand. Das machte Eindruck.
Als Noise und seine Gefolgschaft den Set mit «Menschenmühle»
eröffnete, erreichte die Stimmung an diesem Tag ihren Siedepunkt.
Was folgte, war zwar eine durch choreografierte Show, welche aber bis zum
letzten Ton absolut mitreissend war. Auch wenn die Pausen aufgrund der Kostümwechsel
zwischen den Songs am Anfang etwas den Fluss bremsten, am Schluss
dürfte auch jeder Kritiker neidlos anerkennen, dass Kanonenfieber als Headliner
die richtige Wahl waren.
Naglfar
Den Abschluss machten dann die Black Metaller Naglfar aus Schweden. Ein wahres Urgestein des skandinavischen Metals und dass die Band trotz ihres Alters (Gründung 1992) nichts von ihrer Faszination verloren hat, bewiesen sie gleich von Beginn weg. Die grossen Augen von Sänger Kristoffer W. Olivius jagen einem nach wie vor ein Schauer über den Rücken. Auch wenn man im Gegensatz zu Kanonenfieber wieder locker durch die Massen wandern konnte, waren Naglfar ein würdiger Abschluss eines Festivals, welches wieder mal sehr vieles richtig machte. Einzig eine reine Thrash Metal Band hat mir dieses Jahr irgendwie gefehlt.
Infestus
9 Dead

























































































































































































































































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