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Tyran' Pace - Take A Seat In The High Row



Release Info: 1998 - B.O. - Full Length
Band Info: Deutschland - 1983 - Heavy Metal
Bewertung: 5,5   


Songs:

1. The Day Before The Day After
2. Gone With The Secret
3. Motor Of Society
4. Answers
5. Follow Me
6. A Penny For Your Thoughts
7. Your Second Me
8. This Story
9. Lake Of Shit
10. Eternity
11. Feeling Vs Time

Tyran' Pace ist vor allem als Ralf Scheepers Projekt vor seinem Wechsel zu Gamma Ray und später Primal Fear in Erinnerung geblieben. Von 1984 bis 1986 veröffentlichte die Band die drei Alben „Eye to Eye“, „Long Live Metal“ und „Watching You“. Es waren unterhaltsame, wenn auch in Vergessenheit geratene Alben, auf denen Ralf seine frühen Rob-Halford-Imitationen zum Besten gab. Danach galt die Band lange Zeit als gescheitert. Doch aus unerfindlichen Gründen erschien zwölf Jahre später ein neues Album mit einer komplett anderen Besetzung. Offenbar hatten einige Mitglieder, die Ende der 80er Jahre den Bandnamen von Ex-Gitarrist Oliver Kaufmann erworben hatten, beschlossen, eine Art Reunion/Tribute mit komplett neuem Material zu veröffentlichen.

Solche Aktionen bedeuten in der Metal-Szene normalerweise ein Desaster, doch aus irgendeinem Grund taten sich einige Ex-Mitglieder von Stormwitch mit Sänger Michael Dees zusammen und schafften es wider Erwarten, das Projekt zum Erfolg zu führen oder zumindest den kompletten Niedergang des Band-Erbes zu verhindern. Allerdings sollte man anmerken, dass „Take a Seat in the High Row“ klanglich wenig mit den früheren Tyran' Pace-Alben gemein hat. Daher ist es ratsam, diese Version der Band als eigenständiges Projekt zu betrachten. Hätten die Mitglieder das Projekt unter einem anderen Namen weitergeführt, wer weiß, vielleicht hätte es sich durchsetzen können, aber es bleibt eine Ausnahmeerscheinung.

„Take a Seat“ spiegelt zwar immer noch den melodischen Metal der 80er Jahre wider, weist aber eine deutlich modernere, progressivere/Power-Metal-Ausrichtung auf, die vor allem auf den festen Keyboarder der Band zurückzuführen ist. Michael Dees ist kein Ralf Scheepers, sprich: Er kann nicht dessen Tonumfang erreichen. Doch er kompensiert dies gewissermaßen durch einen eigenständigeren Sound und indem er nicht einfach nur den Priest-Frontmann imitiert. Versteht mich nicht falsch, Scheepers war darin exzellent und hat sich mittlerweile musikalisch weiterentwickelt, aber die alten Tyran' Pace-Alben wirkten wie eine verwaschene Mischung aus Accept, Sinner und Judas Priest. Kurz gesagt: Wer AOR-Hardrock oder die sanftere Seite des Prog/Power Metal nicht ausstehen kann, sollte dieses Album besser nicht hören und wird es höchstwahrscheinlich verabscheuen.

Es gibt eine gelungene Mischung aus epischen, sirenenartigen Rocknummern à la „The Day Before the Day After“ und „Motor of Society“, die garantiert für Gänsehaut sorgen, wenn man auf eine schillernde Kombination aus klaren und elektrischen Gitarren, Keyboards und kraftvollem Gesang steht. „This Story“ und „A Penny For Your Thoughts“ erinnern am ehesten an die früheren Werke von Tyran’ Pace und sind wohl die besten Stücke des Albums. Ein Großteil des Albums besteht jedoch aus deutlich atmosphärischeren, leicht progressiven Stücken, wie den bass- und synthiegetriebenen Strophen von „Gone With the Secret“ oder der Ballade „Answers“, die klingt, als ob Mr. Big sich an „Silent Lucidity“ versuchen würden, oder dem funkigen 80er-Jahre-Hardrock von „Your Second Me“. „Follow Me“ klingt, als hätte Phil Collins es geschrieben, wenn er in einer Hardrock-Band spielen würde. „Lake of Shit“ ist schneller und grandioser, mit virtuosen Gitarrensoli und einem betörenden Speed-Metal-Antrieb, doch all das passt nicht so recht zum Titel, weshalb es etwas seltsam und albern wirkt. „Eternity“ ist eine kurze, belanglose Ballade, während „Feeling vs. Time“ eine deutlich ausgedehntere, instrumentale Powerballade mit viel Keyboard-Orchestrierung ist – und gar nicht mal so schlecht. „

Take a Seat in the High Row“ wird beim Großteil des modernen Metal-Publikums wohl nicht ankommen, aber falls es unter euch noch ein paar Träumer gibt, die den glänzenden, atmosphärischen Hard Rock und den radiotauglichen Metal der späten 80er mit viel Synthesizer mochten (denkt an die späteren Fastway oder Saxons unterschätztes „kommerzielles“ Album „Destiny“ von 1988), dann gibt es Schlimmeres. Und genau darauf läuft es hinaus: Das neue Tyran' Pace kam und ging ohne nennenswertes Aufsehen, entging aber irgendwie der Katastrophe, die ihnen aufgrund ihrer dämlichen Handlung vorherbestimmt gewesen wäre.(METAL ARCHIVES)
  

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