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Fuath - III



Release Info: 2026 - Northern Silence - Full Length
Band Info: Schottland - 2015 - Black Metal
Bewertung: 8     


Songs:

1. The Cailleach
2. Embers Of The Fading Age
3. Possessed By Starlight
4. The Sluagh

Andy Marshalls zweite musikalische Identität stand immer im Schatten seines bekannteren Projekts Saor - aber auf «III» wird dieser Schatten selbst zur Landschaft. Während Saor Erinnerungen, Traditionen und ferne Horizonte malt, fühlen sich FUATH näher, kälter und einsamer an. Das sind nicht die Highlands bei Sonnenaufgang, sondern die Highlands nach Mitternacht.

In vier langen Kompositionen arbeitet Marshall fast obsessiv mit Bewegung statt mit Riffs. Die Gitarren finden selten zu einem traditionellen Hook – sie schwellen an, verebben und formieren sich neu wie Wind über Schneefeldern. «The Cailleach» etabliert diese Sprache sofort: Schnelle Tremolo-Linien verschwimmen zu einer Textur, um sich dann plötzlich zu weiten melodischen Lichtungen zu öffnen.

«Embers Of The Fading Age» führt eine überraschend nachdenkliche Stimmung ein, die eher traurig als aggressiv ist, während «Possessed By Starlight» mit einem feindseligeren, reduzierten Angriff wieder die Kanten schärft. Der 13-minütige Schluss-Song «The Sluagh» bildet das Zentrum des Albums: Er treibt unaufhaltsam vorwärts, wird aber immer wieder von gespenstisch stillen Momenten unterbrochen, die genauso stark wirken wie die schnellen Schlagzeug-Passagen.

Im Vergleich zu vielen atmosphärischen Black Metal Veröffentlichungen vermeidet «III» die für das Genre typischen cineastischen Übertreibungen. Es sind keine grossartigen Orchestrierungen auszumachen die versuchen, Epik zu simulieren – stattdessen entsteht das Eintauchen in die Musik durch Wiederholung und Geduld. Das Album lohnt sich viel mehr, wenn man es sich als Ganzes anhört, als einzelne Titel, was es ideal für nächtliche Kopfhörer-Sessions statt für gelegentliche Playlists macht. Wenn man Fuath hört, denkt man unweigerlich an Marshalls andere Band.

Ich musste dabei an das hervorragende Konzert von Saor in der Schweiz im Jahr 2025 denken, das ich zusammen mit meinem Metal Factory Kollegen René besucht hatte. Diese Show strahlte Wärme und gemeinschaftliche Emotionen aus; «III» fühlt sich wie die introspektive Nachwirkung an, nachdem das Publikum nach Hause gegangen ist. Keine ganz einfache Platte, aber eine zutiefst fesselnde – empfehlenswert für Zuhörer, die Atmosphäre als Erlebnis und nicht als Hintergrund-Dekoration geniessen.





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