1. Tridentium
„Keine Frage: Qualität muss immer vor Quantität gehen“, erklärt Silenoz mit ruhiger Gewissheit. „Wir setzen uns zwar irgendwann Deadlines, aber in der Anfangsphase eines neuen Albums gibt es überhaupt keine Zeitpläne. Eile bedeutet uns nichts. Die kraftvollste Black-Metal-Kunst lässt sich einfach nicht erzwingen, ohne ihre Essenz zu verlieren.“ Nun, ob man mit 70 Minuten Spielzeit diesem Credo wirklich gerecht wird?
Geht es hingegen nach der Wartezeit stimmt diese Aussage, denn acht Jahre mussten Fans der Norwegen Geduld haben. Daneben musste man den Ausstieg von Gitarrist Galder verkraften, dieser wird sich wohl in nächster Zeit wohl hauptberuflich seiner Band Old Man’s Child widmen.
Das Fundament des Albums bildet eine bemerkenswerte Balance aus roher, Aggression mit einer fast schon theatralischen Erhabenheit. Anstatt die Gitarrenwände unter Tonnen von Keyboard-Spuren zu begraben, agieren die Riffs in diesem Mix erstaunlich kantig und dominant. In Sachen Härte haben Dimmu Borgir mehr als eine Schippe nachgelegt. Besonders auffällig ist der Verzicht auf allzu eingängige, repetitive Hooks. Die Songs entwickeln sich organisch und fordern dem Hörer eine intensive Aufmerksamkeit ab, da sich die wahre Brillanz der Arrangements oft erst beim dritten oder vierten Durchlauf im Gehörgang festsetzt.
Sparen hätte man sich eigentlich nur
die jeweils viel zu lang geratenen Intro und Outro können. Ansonsten zeigen
Dimmu bei Songs wie «Ascent», «As Seen In The Unseen» oder «The Exonerated»,
wie man klassisch-symphonische Elemente und donnernden Black Metal in einer
Weise kombinieren kann, die seinesgleichen sucht. Dimmu Borgir liefern mit
diesem Release kein nostalgisches Pflichtprogramm ab. Grand Serpent Rising ist
ein mutiges, sperriges und zugegeben, etwas zu langes Kunstwerk, das beweist,
dass symphonischer Extrem-Metal auch im aktuellen Jahrzehnt noch absolut
relevant, finster und unberechenbar klingen kann.


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