Bewertung: 5
Tungsten gehen auf „Ashes“ ziemlich kompromisslos ihren eigenen Weg und dürften damit die Metal-Gemeinde gehörig spalten. Wer mit den neueren Alben von Battle Beast oder Angus McSix etwas anfangen kann, dürfte hier vermutlich seine helle Freude haben. Für mich geht diese Mischung allerdings deutlich zu weit. Die Band verbindet modernen Metal mit stark elektronisch geprägten Elementen und lotet dabei ihre Grenzen aus. Stellenweise wirkt das Ergebnis fast so, als hätten Dr. Alban oder 2 Unlimited ihre Dancefloor-Sounds mit verzerrten Gitarren angereichert. Das ist durchaus mutig, aber eben auch gewöhnungsbedürftig.
Besonders schwer tue ich mich mit dem Schlagzeug. Die künstlich wirkende Produktion und die teilweise sehr eigenwilligen Dance-artigen Passagen sind – sagen wir es nett - gewöhnungsbedürftig. Gerade im Wissen, dass hier mit Anders Johansson ein hervorragender Schlagzeuger hinter dem Kit sitzt. Wo eigentlich Druck und Dynamik erwartet werden, wirkt vieles glattgebügelt und steril. Damit dürfte „Ashes“ bei traditionellen Metal-Fans eher für Kopfschütteln als für Begeisterung sorgen.
Ganz ohne Qualitäten ist das Album allerdings keineswegs. Tungsten
wissen genau, wie man eingängige und grosse Mitsingrefrains schreibt. Viele
Passagen bleiben trotz aller elektronischen Spielereien erstaunlich schnell im
Ohr und besitzen durchaus Live-Potenzial. Genau darin dürfte auch die
Zielgruppe liegen: Wer modernen, poppigen Metal mit elektronischen Elementen
und hymnischen Refrains mag, wird mit „Ashes“ wahrscheinlich deutlich mehr
anfangen können. Für mich ist das Experiment dagegen zu weit von dem entfernt,
was ich unter Heavy Metal verstehe. Die Band wird für diesen Stil entweder
gefeiert oder vermutlich gehörig geteert und gefedert werden – dazwischen
dürfte es wenig geben.


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