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Rock Goddess - Rock Goddess




Release Info: 1983 - Lemon - Full Length
Band Info: England - 1977 - Heavy Metal
Bewertung: 7       


Songs:

1. Heartache
2. Back To You
3. The Love Lingers Still
4. To Be Betrayed
5. Take Your Love Away
6. My Angel
7. Satisfied Then Crucified
8. Start Running
9. One Way Love
10. Make My Night
11. Heavy Metal Rock 'n' Roll

 Ob es sich überhaupt um Metal handelt oder nicht doch eher um Hardrock ließe sich natürlich wieder einmal trefflich diskutieren. 1983 jedenfalls wurden Rock Goddess als einer der letzten Ausläufer der NWOBHM gehandelt. Mit dem Titel der das Album beschließenden grandios stumpfen Mitgröhlhymne 'Heavy Metal Rock'n Roll' geben sie aber selbst die Antwort. Und ja, so kann man das benamsen.

Überhaupt haben Rock Goddess die Albernheiten des Metal bereits mit dem Debüt offenkundig fest verinnerlicht. Der zwar doppeldeutige, aber eben auch lächerlich großspurige Name. Das herausfordernd-trotzige Covergepose. Rührend, die Ernsthaftigkeit, mit welcher Jody Turner, damals blutjunge Sängerin, Gitarristin, Komponistin und Texterin, und also Master Mind bei Rock Goddess, im Booklet der Neuauflage in kurzen Track-By-Track-Infos Jahrzehnte später ihre banalen Lyrics über Beziehungs- und Beischlaf-Trallala zu gleichen Teilen erläutert, rechtfertigt und entschuldigt. Pffft, als ob uns das damals interessiert hätte. Allenfalls die Zeile 'just hot breathin' in a dirty bed' fixte unsere pubertäre Fantasie nennenswert an. Obwohl mir das alles immer noch ehrenwerter erscheint als Fantasy-Firlefanz auf Conan-Niveau. 1983 jedenfalls war Thinking Mans Metal noch fern und hey, Spaß gemacht hat der eh nie. Heavy Metal Rock'n Roll hingegen darf, nein muss so sein, wie auf Rock Goddess Debüt, prollig, working class, mit Unterbiss und einfachen Worten.

Das beginnt dramaturgisch geschickt mit einer glühenden Lunte, bevor die Übernummer 'Heartache' dann explodiert. Well done, da konnte einem schon der Mund offenstehen. Ein weiteres Fangeisen ist der Quasi-Single-Hit, zumindest schaffte er es hier in Norddeutschland ein paar Mal ins Formatradio, 'My Angel', der so klingt, wie ein Slam Dunk aussieht. Wummsti, versenkt! Und auch wenn das meine Lieblingsnummern sind, heißt das nicht, dass die anderen Hiebe wie 'The Love Lingers Still', 'Take Your Love Away', 'Satisfied Then Crucified', 'One Way Love' (Yes, there's lots of love in here) oder das etwa viertelbluesrockige 'To Be Betrayed' dem nennenswert hinterherhinken.

Und Girlschool? Der Vergleich liegt natürlich aus diversen Gründen nahe, schon deshalb, weil Bassistin Tracey Lamb später bei jenen anheuerte. Dabei gibt es signifikante Unterschiede darüberhinaus, dass Rock Goddess als Trio nur mit einer Gitarre anreisen. Sie haben weniger schnelle Nummern im Programm und wirken weniger punkinspiriert. Und während Girlschool selbst bei alternierendem Leadgesang immer sympathisch wie ein paar bezopfte Mädels klangen, glänzt Jody Turner mit ausgesprochener RRRockRRRöhRRRigkeit, was zwar schnell aufdringlich oder gar eklig werden kann, think of Doro Pesch, hier aber passt wie die Mähne zum Rock-Chick.

Die Produktion des Debüts klingt klar, direkt, aufgeräumt und nach Ressourceneinsatz, nichts vom mumpfigen Low-Fi-Appeal früher Independent-NWOBHM-Veröffentlichungen. Aber eben auch vor allem nicht so dünnpappig aufgedonnert wie spätere Produktionen des Glam-, Pop-, Haarspray-, Bunte-Spandex-, Call-It-What-You-Want-Metal. Also etwa wie 'Ace of Spades', weniger nach 'Overkill' oder 'Bomber'. Oder sagen wir nach 'Highway To Hell', weil Rock Goddess mit denen mindestens die Tanzbarkeit teilen und das sie zwar nach Jeans und Leder, aber nicht unbedingt nach Nieten klingen. Nur das AC/DC in ihren besten Bon-Scott-Zeiten ihren Hörern mit einem ironischem HARR, HARR entgegentraten, Rock Goddess hingegen mit einem humorfreien GRRRRR.

Die Ausnahme bildet der vermutlich später aufgenommene und nutzlose Bonustrack, eine Cover-Nummer von Gary Glitter oder so ein Mumpitz, der das Album nicht nur unnötig verlängert, sondern leider gleich auch die Richtung vorgab, die Rock Goddess mit ihrem zweiten Album nehmen sollten, eben in Richtung Glam-, Pop, Haarspray- ' na, weißt ja Bescheid, weshalb sie dann auch letztlich zurecht schnell in der Versenkung verschwanden. Egal und geschenkt, kannste skippen, bzw. nach 'Heavy Metal Rock'n Roll' ausmachen. Warum allerdings das bis dahin Gebotene heute nicht einen höheren Status in der Hard'n-Heavy-Welt genießt, sondern im Gegenteil praktisch der Vergessenheit anheimfiel, ist mir ein Rätsel. Anderenorts ist es ja auch akzeptiert, dass nicht mehr als ein brillantes Debüt vorliegt, oder interessiert sich heute noch einer für die Folgewerke von Diamond Head, Tank oder Angel Witch?

Würde ich mich um Objektivität wenigstens bemühen, würde ich wohl vier Sterne geben. Aber was soll der falsche Geiz, damals wie heute hatte und habe ich 5-Sterne-Spaß mit Rock Goddess' Debüt. Etwas knapp vielleicht im Verhältnis zu anderen Alben, denen ich ein High Five geben würde, aber dennoch, es reicht allemal dafür. (ROCK HARD 7 / 10)



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