1. Rollin' Home
2. Calling
3. In Your Eyes
4. Save Me
5. In The Army Now
6. Dreamin'
7. End Of The Line
8. Invitation
9. Red Sky
10. Speechless
11. Overdose
Es verhält sich wie bei der Fotografie, hin und wieder wird ein Weichzeichner verwendet um die Konturen etwas unschärfer darzustellen, bei der Musik verhält es sich ähnlich und bei gegebenen Anlass hat sich das nicht gerade als Nachteil herausgestellt. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, der Status Quo Fan erst recht und da verwundert es nicht, wenn der eine oder andere gestutzt hat als IN THE ARMY NOW auf dem Plattenteller seine Runden drehte. Ich war da gerade mal 16 Jahre alt, dem Titelsong konnte man im Radio sowieso nicht entkommen, aber ich kann mich nur noch wage daran erinnern das komplette Album mal bei einem Freund gehört zu haben. Wobei, das Plattencover, die Flaggenhissung auf Iwo Jima (1945, im orig. von US-Soldaten) ist mir nie aus dem Kopf gegangen. 2018 ist endlich die Deluxe Edition (Remastered) erschienen, jetzt musste ich also zugreifen und habe es nicht bereut, ganz im Gegenteil. Status Quo zeigen hier mal eine ganz andere Seite von sich. Die Kompositionen sind zwar zum Teil einwandfrei der Band zuzuordnen, die Produktion verschiebt sich aber in Richtung Pop Rock. Die Qualität vermindert sich deswegen nicht, es bleibt gehaltvoll, wenn auch anders als gedacht. Während ROLLIN' HOME (war glaub ich die 1. Single) und CALLING (die Keyboards sind mir etwas zu weit vom restlichen Song weg) im gewohnten Shuffle-Rhythmus vor sich hin rocken, betritt man mit IN YOUR EYES neues Terrain, eine exzellente Pop Rock Nummer. SAVE ME verbindet beides, den Shuffle-Rhythmus mit eingängigen Pop-Melodien und das Solo könnte ebenso MIKE OLDFIELD eingespielt haben. Zum Titelsong braucht man nicht mehr viele Worte verlieren, sollte man aber, denn viele wissen nicht, dass es sich hierbei um eine Coverversion handelt (das Original stammt aus dem Jahre 1981 von BOLLAND BOLLAND). Die Version von Status Quo hat einen episch rockigen Anstrich erhalten und kommt um einiges gereifter und gediegener daher, sie war auch erfolgreicher. Für eine scheinbare Abwechslung wurde auch gesorgt, in dem man mit Einsatz des Schlagzeugs in eine höhere Dur übersetzt, das hat man aber im Original auch schon gemacht. Ich denke dieser Song hat ihnen den Weg zu einer noch größeren Hörerschaft geebnet, denn wer bisher nichts mit ihnen anfangen konnte, hatte spätestens jetzt eine Möglichkeit gefunden sich mit ihrer Musik auseinander zu setzten, ein Knackpunkt oder Schlupfloch also. Spätestens dann wenn Tröten (Blasinstrumente) zum Einsatz kommen steigen viele aus weil sie das nicht mögen oder für Rockmusik nicht passend finden, nun ja, kann man, muss man aber nicht, ist halt Geschmackssache. Bei DREAMIN' verhält es sich bei mir wie folgt, es ist ein gute Laune Song, ein Party Song, der mich an einem sonnigen Tag an den Strand versetzt, wo ich mir nicht lang Gedanken über sein oder nicht sein stellen muss, mehr nicht, aber genau dafür ist er perfekt. Und wenn im Mittelteil dann unverhofft die ALLGEMEINE VERUNSICHERUNG kurz EAV (Go Karli Go) genannt ertönt, finde ich das klasse und noch lange nicht unpassend. Kein Fremdschämen sondern einfach nur Spaß haben. Bei END OF THE LINE geht es wieder rockiger zur Sache, da gelangen mir schon mal Gedanken an AHA (The Sun Always Shines on TV - vor und nach dem Gesang in den Strophen) oder ALCATRAZZ / GRAHAM BONNET (der Klang der Singstimme im Refrain) ins Hinterstübchen, ebenso könnte aber MARK KNOPFLER (Dire Straits) sein Gitarrenspiel beigesteuert haben. Soll man das jetzt schlecht bewerten nur weil es nicht nach 70er Jahre Status Quo klingt? Sicher nicht! Selbst wenn jetzt ein Country-Song an die Oberfläche gespült werden sollte, und da ist er auch schon in Form von INVITATION, kann mich das wirklich nicht mehr überraschen, denn auch das waren QUO 1986 genauso wie RED SKY wieder die rockige Seite präsentiert wo man sich an ZZ-TOP orientiert hat, aber das lag nahe und paßt wie die berühmte Faust aufs Auge. Bei SPEECHLESS überkommt mich auch so ein wohliges Gefühl, einerseits muß ich an QUEEN (Rock It von The Game) denken, aber das ist es nicht so ganz, trotzdem guter 80er Jahre Pop Song. Am Ende gibt es mit OVERDOSE nochmal eine geniale Komposition zu hören die mich auch mal kurz an OPUS denken lässt, aber sehr untypisch für QUO ist. Man sollte IN THE ARMY NOW als das sehen was es ist, ein Ausbruch aus gewohnten Strukturen, ein Befreiungsschlag um den Kopf klar zu bekommen, ein Statement dass man mehr im Stande ist zu leisten, als für immer und ewig im selben Takt stecken zu bleiben. Auch wenn sie danach wieder mehr zu ihren Wurzeln zurückgekehrt sind, die Momentaufnahme bleibt und wir waren Zeuge eines tollen musikalischen Augenblicks.(AMAZON)
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