1990 erschien mit „Vision Thing“ der dritte Longplayer der SISTERS OF MERCY, die eigentlich zu einem Soloprojekt von ANDREW ELDRITCH geworden sind. Im Vorfeld trennte sich ELDRITCH von Bassistin, PATRICIA MORRISON, die er mit den Worten rausschmiss: „Ich brauche nur jemanden, der den Bass tief genug halten kann – und du bist raus.“ Grund war wohl der, dass MORRISON sich über die miese Bezahlung beschwert hatte, denn angeblich soll sie nur 300 Pfund im Monat und die Mietkosten erhalten haben. Man sieht also, dass ELDRITCH kein umgänglicher Zeitgenosse war, mit dem war sicher nicht gut Kirschen essen. Wie auch immer, seine musikalischen Qualitäten übertrumpften sicher seine menschlichen, denn auch „Vision Thing“ wurde wieder ein erstklassiges Album. Es unterschied sich ein weiteres Mal von seinen Vorgängern, es war sehr viel rockiger und direkter, auch die Eingängigkeit fand ich immer schon beeindruckend. Die Songs sind dynamisch, mit treibenden Rhythmen schaffen es THE SISTERS OF MERCY rockigen Mainstream mit düsterem Underground zu verbinden. Stellvertretend für alle Songs steht natürlich der Hammersong „More“, der für mich zu den besten Nummern gehört, die jemals geschrieben wurde. Bis heute dürfte das der bekannteste Gothic- oder Dark-Rock-Song sein, die Nummer ist ein wuchtiger Tritt in den Allerwertesten und auch über Genregrenzen hinaus bekannt. Doch „Vision Thing“ ist gespickt mit diesen hammermäßigen Songs, es wäre fast schon frevelhaft einzelne hervorzuheben. Ich mag alle Alben der Band, vor allem, weil sie alle irgendwie anders sind, es fällt mir deshalb auch schwer zu sagen, welches den nun definitiv das beste Album der Band ist. „Vision Thing“ ist da weit vorne, vor allem weil es eben die beiden Vorgänger in sich vereint, die rockigen Klänge des Debütalbum wird mit der sterilen, düsteren Stimmung und den elektronischen Klängen von „Floodland“ kombiniert. Ich finde es sehr schade, dass nach „Vision Thing“ nichts mehr kam, denn der Sound dieses Albums ist meiner Meinung nach perfekt, ELDRITCH hätte hier den idealen Stil gefunden. Neben der Jahrhundertnummer „More“, die über allen anderen erstrahlt, würde ich noch das treibende „Doctor Jeep“, „Ribbons“, die Ohrwurmnummer „Detonation Boulevard“ und natürlich den Titelsong „Vision Thing“ empfehlen. Der weibliche Backgroundgesang stammt übrigens von keiner Geringeren als MAGGIE REILLY, die ja mit MIKE OLDFIELD große Erfolge feierte. Insgesamt sollte man das Album komplett durchlaufen lassen, denn es hat sich kein einziger schwacher Song darauf verirrt. Habe ich den beiden Vorgängern 5 Sterne verpasst, so sollte ich hier Minimum 6 Sterne vergeben, denn „Vision Thing“ kratzt schon verdächtig an der Perfektion. Mein Fazit: Mit „Vision Thing“ erlangten THE SISTERS OF MERCY auch über Genregrenzen hinweg große Beachtung, was natürlich in erster Linie am Jahrhunderthit „More“ lag. Ich persönlich finde das Album perfekt, es offenbart keine Schwächen und ist auch heute noch so aktuell wie damals – es ist ein zeitloses Meisterwerk! Für mich gehört es in jede anständige Sammlung, auch wenn man mit Gothic- oder Dark-Rock nichts anfangen kann, dieses Album muss man einfach kennen.(AMAZON)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen