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Unleash The Archers - Phantoma



Release Info: 2024 - Napalm - Full Length
Band Info: Kanada - 2007 - Heavy Metal
Bewertung: 8


Songs:

1. Human Era
2. Ph4/NT0-ma
3. Buried In Code
4. The Collective
5. Green & Glass
6. Gods In Decay
7. Give It Up Or Give It All
8. Ghosts In The Mist
9. Seeking Vengeance
10. Blood Empress

Als ich die frohe Kunde empfing, dass die kanadischen Power Metal Titanen ein neues Album veröffentlichen, fühlte es sich fast wie ein heiliger Auftrag für mich an, mir vorab ein klangliches Bild davon zu machen. Immerhin verfolge ich den Werdegang dieser Band schon seit ihrem 2011 erschienen Album "Demons of the AstroWaste". Schon damals war ich sehr von ihrer Energie angetan und verspürte in dieser Musik Lust auf immer mehr. UNLEASH THE ARCHERS verbinden klassischen Power Metal mit Elementen von Melodic Death Metal, also ging es bisweilen meistens schnell und intensiv drunter und drüber. Aber kann "Phantoma" den Spannungsbogen weiterhin aufrecht erhalten? Mehr dazu folgt jetzt! Zu Beginn habe ich mich etwas über das Album informiert und das Albumcover genauer studiert. Es handelt sich um ein gesellschaftskritisches Konzeptalbum zum Thema künstliche Intelligenz und Dystopie. Musikalisch ist die Rede von Power Metal mit Pop und Synth Einflüssen. Erste Gedanken dazu: "Ui, spannend, ui neu, ui, aber wo ist der Melodic Death Metal?" Das Albumcover hat sich ebenso zum üblichen Usus verändert. Statt epischen Schauspielen von Kämpfen oder Darstellungen von Landschaften sehen wir hier eine futuristische Stadt hinter einer Art Urwald. UNLEASH THE ARCHERS scheinen mit "Phantoma" auf ganzer Linie einen neuen Weg eingeschlagen zu haben. Das Konzeptalbum startet durch mit dem Titel "Human Era" und am Anfang nimmt man nur das Rauschen eines Waldes wahr und den Schrei eines Adlers. Plötzlich kommt eine Gitarre dazu, welch Aufregung, was mag mich erwarten? Anders als üblich ist es ein langsames Riff, das von den Vibes eher an klassischen Heavy Metal im Stile der 80er erinnert. Auch anders als erwartet folgt von Frontfrau Brittney Slayes kein High Pitch Scream, sondern vergleichsweise tiefe Melodien. Was außerdem neu ist: der futuristisch angehauchte Synthesizer, der meine Gefühlslage sanft in ein Action-Spiel auf dem Super Nintendo wiegt. Der Song geht insgesamt langsam und gemächlich weiter, für mich aber ohne großen Wow-Effekt. Der nächste Song ist "Phantoma" und ja ihr habt es erahnt, das ist der Titeltrack! Hier geht es auch erstmal etwas schneller zugange. Aber auch diesmal erinnert es wenig an den altbekannten Usus, auch wenn der Power-Metal-Regler um etwa 20% raufgeschraubt wurde. Bei diesem Song bekomme ich überraschenderweise Vibes von SYMPHONY X, was schon ein Indikator ist, dass die Band für mich mehr in Richtung Progressive Metal wandert. Allerdings würde hier ein echter Fan dieses Genres wahrscheinlich eher verkrampfend den Schädel schütteln, wenn er meine Meinung dazu lesen würde. Auch bei "Phantoma" bleibt die riesige positive Überraschung für mich eher aus. "Buried In Code" ist die Nummer 3 auf dem Album. Meine Lauscher waren in den ersten Sekunden ganz weit offen, denn meine Antennen empfingen Power-Metal-Signale! Leider hat mich der Song dann im Endeffekt nicht wirklich überzeugt. Es gibt zwar einen wunderschönen Clean-Teil in der Mitte und auch das darauffolgende Solo finde ich gelungen. "Buried In Code" ist ein Titel, der mit sehr oft verwendeten Akkordmustern arbeitet und daher kaum Überraschungen bereithält. Weiter geht es mit "The Collective". Ich würde sagen, dass dieser Song am ehesten am alten Stil von UNLEASH THE ARCHERS anknüpft. Allerdings: Wäre dieser Song auf dem Album "Apex" (für mich das beste Album der Band) zu hören gewesen, hätte ich es eher als mittelmäßig eingestuft. Für mich ist "The Collective" trotzdem einer der gelungensten Songs auf "Phantoma". "Green & Glass", worauf spielt dieser spannende Titel an? Das erste Mal achte ich bewusst auf den Songtext gleichermaßen wie auf das musikalische Gefüge. Der Song ist zum größten Teil in Dur verfasst, also klingt er vergleichsweise fröhlich. In der dystopischen Welt des Konzeptalbums also ein absoluter Ausreisser, aber er hat Hand und Fuß. Es scheint in "Green & Glass" um die Welt vor der Dystopie zu gehen und wie lieblich und wunderschön diese war und eben jenes Gefühl spiegelt sich in den Musikinstrumenten wider. Für mich ein rundum gelungener Song! Der nächste Song mit dem Titel "Gods In Decay" versprüht eher melodramatische Gefühle. Er enthält Mid-Tempo-Riffs und ist tendenziell simpel gehalten, ja, sogar etwas poppig. Ich finde hier den Einsatz des Synthesizers am besten gelungen und bisweilen ist dieses Lied für mich das Highlight der Platte, es macht einfach Spaß!  "Give It Up Or Give It All" ist eine waschechte Power-Ballade, wer hätte es gedacht? Und man bekommt genau was man erwartet: Herzschmerz  die Kraft, weiterzumachen – niemals aufgeben. Ich bin grundsätzlich ein Fan von Balladen im Metal! Balladen gehören zum Power Metal wie das Brennen einer Kirche im Black Metal. Aber was ich bei so einer Art Song erwarte, ist ein Build-Up, bei dem Gefühle aufkommen. Ich meine damit das Aufbauen einer Spannung, die dann in einem herzzerreißenden letzten Refrain zerschmettert und released wird. In "Give It Up Or Give It All" vermisse ich leider dieses Gefühl schmerzlich. Langsam neigt sich "Phantoma" dem Ende zu, wartet vielleicht noch eine Überraschung für mich, die mich aufhorchen lässt? "Ghosts In The Mist" ist der Titel des nächsten Songs und tatsächlich wurde er schon vor einem Monat veröffentlicht. Ich bin mir sicher, dass ich ihn schon vor ein paar Wochen gehört habe. Ist er mir in Erinnerung geblieben? Leider nein. Ich denke es ist hier eine Art Versuch entstanden, wieder den Melodeath-Knob etwas höher zu drehen. Allerdings fügen sich meines Erachtens eben jene Komponenten nicht nahtlosen in das Power Metal-Gefüge ein. Eigentlich war das immer die Stärke von UNLEASH THE ARCHERS. Nun, aber mit "Seeking Vengeance" wird tatsächlich Vengeance geseekt und ich werde das erste Mal standesamtlich überrascht! Was im Song zuvor vermeintlich versucht wurde, gelingt diesmal auf voller Linie! UNLEASH THE ARCHERS vollendeten mit diesem Song ihre alte Manier, den Power Metal mit Melodic Death Metal zu fusionieren und eine ganze Menge Spannung im Songwriting zu generieren. Ganz toll: In Addition zu ihrer Tradition kommt der Synthesizer zum Einsatz und zum ersten Mal kommt das Gefühl auf: Hölle ja, das ist der Weg! "Seeking Vengeance" ist das inoffizielle Flaggschiff des Albums, Chapeau! Nun kommen wir zum letzten Titel des Albums mit dem Namen "Blood Empress". Können UNLEASH THE ARCHERS das Ruder nochmal richtig rumreißen? Oh ja, durchaus! Ich finde das schleppende, moderne Riffing sehr ansprechend und im Kontext des Albums sehr erfrischend. Die Simplizität des Songs animiert, genau auf die Worte der Frontfrau Brittney Slayes zu hören und wie sie gedenkt, das Album thematisch abzuschließen. Für mich ein durchaus gelungenes Ende, auch wenn es etwas lang geworden ist für das, was wirklich in der Essenz des Songs ist. Als alteingesessener Fan von UNLEASH THE ARCHERS bewundere ich seit über 10 Jahren das Können der einzelnen MusikerInnen und die Fähigkeit, geniale Songstrukturen zu entwickeln. In "Phantoma" haben sich die fünf Kanadier weniger ausgetobt, zumindest auf dem ersten Blick. Gitarrensolos fahren noch immer ein ordentliches Programm, hartes Melodeath-Riffing haben sie noch immer drauf und Brittany Slayes hat eine beneidenswerte Stimme, auch wenn sie sich tonal deutlich tiefer als gewohnt angesiedelt hat und man High Pitch Screams kläglich vermisst. Dazu gekommen sind sehr ansprechende Synthesizer-Melodien, die sich klanglich perfekt im Mix ausbreiten. Audioqualitativ ist das Album sowieso ein totales Erlebnis, was anderes waren wir von dieser Band nie gewohnt. Das Thema des Albums empfinde ich als sehr ansprechend und aktuell. UNLEASH THE ARCHERS verzichten auf "Phantoma" die meiste Zeit auf schnelles Geschrammel, stattdessen bleibt das Tempo gemütlich. Ich finde, das kann man machen, sofern die Arrangements und der dazugehörige Spannungsbogen in Einklang sind. Diese Themen führen mich letzten Endes zur Wertung des Albums: Ich vergebe 3 von 5 Punkten mangels Wow-Effekten. Es ist für mich sehr schade zu hören, dass die Musik der Band soweit auf minimalen Verbrauch fährt, dass ein Ausbleiben von wirklicher Spannung die Folge ist. Zumal weiß ich, dass eben jenes Manko seit sehr vielen Jahren ein tragendes Element ihrer Zunft war. Oder braucht man 2-3 Durchgänge mehr, um die Tiefe zu verstehen, die angedeutet wird? Das Album hat es durchaus verdient, dass man es verstehen lernt und ich werde genau das tun, ohne dabei wirklích enttäuscht zu sein, denn es handelt sich um eine Scheibe mit Qualität und Schönheit, period! (STORMBRINGER 3 /5)


Unleash the Archers - Photo

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