Ja, man glaubt es kaum, aber obwohl die Line-Ups schon in den vergangenen Jahren meinem Geschmack entsprachen, habe ich es bisher nicht ans Meh Suff Festival in Hüttikon geschafft. Dieses Jahr war es aber soweit, ich feiere Premiere und reise zum ersten Mal an den krönenenden Abschluss der Open Air Saison. Auch 2024 warten einige Knaller auf die Besucher, mit dem Höhepunkt Emperor, welche seit 15 Jahren nicht mehr in der Schweiz waren. Der Wettergott meinte es gut, denn beide Tage waren trocken, dies notabene zwischen zwei Regentagen. Pünktlich zum Mittagessen treffe ich auf der Waldlichtung ein und Roxx führt mich erstmal durch das Gelände. Alles top organisiert und zum ersten Mal komme ich in den Genuss der tollen Gastronomie im Backstage Bereich.
Der Zugang zum Fotograben ist zwar
etwas abenteurlich und auch der Durchgang zum Backstage Bereich etwas schmal
geraten, aber sonst? Alles wirkt familiär und man merkt das Herzblut der Macher
praktisch überall. Es verwundert nicht, dass püntklich zu ersten Band schon
eine stattliche Anzahl Fans vor der Bühne wartet, etwas das ich an anderen
Festivals schon ganz anders erlebt habe.
Freitag
Echo vom Aathal
Die Ehre der Eröffnung fiel auf das Trio um die Ex-Drifter Mitglieder Peter Wolff, Roland Ribi und Gabor Szabo. Ganz ehrlich, viel erwartet habe ich nicht, denn die auf Youtube gefundene Single «Hellhorn», der Bandname und das volkstümliche Outfit hat mich nicht wirklich gepackt. Umso schöner, wenn man dann so richtig überrascht wird. Nach einem Alphorn Intro legten die Jungs so richtig los und legten eine fulminante Show hin. Der Mix aus Heavy und Thrash fand nicht nur bei mir Anklang und so darf ich EVA den innofiziellen Titel «Posititve Überraschung» gerne überreichen. Wäre an der Zeit für ein komplettes Album!
Causam
In Sachen Bühnenbild
lagen die Black Metaller Causam ganz weit vorne. Mit Corpsepaint und viel
Kunstblut machten auch die Musiker mächtig Eindruck. Doch schlussendlich zählt
die Musik und auch da bekam man einiges geboten. Der atmosphärische und melodiöse
Black Metal in Kombination mit der Spielfreude machten den Auftritt zu einem
wahren Genuss. Ebenso erfreulich war die Tatsache, dass sich Causam noch im Bühnenoutfit
viel Zeit für ihre Fans nahmen. Wow, was für ein Auftakt!
Embrace Your Punishment
Die
Franzosen sorgten im Anschluss für erste Mosh- und Circle Pits. Kein Wunder,
denn der Mix aus Brutal Death und Metalcore ist für solche Tätigkeiten prädestiniert.
Eifrige Metal Factory Leser wissen aber auch, dass ich mit dieser Spielart nicht
viel anfangen kann und mir deswegen eine Pause gönne. Die Masse von der Bühne
hatte aber sichtlich Spass und das Zusammenspiel zwischen Band und Publikum war
vom Feinsten.
Cân Bardd
Mein
Interessenthermometer schlug aber gleich wieder aus. Die drei Alben der Genfer
zählen zur absoluten Sahne des Atmospheric Black Metals und sind für mich auf
einer Stufe der Marke SAOR oder Summoning. Zudem habe ich die Band noch nie
live erleben können. Nach Genuss des Konzertes fälle ich folgendes Urteil. Cân
Bardd ist auch auf der Bühne grandios, allerdings entfaltet sich die Musik
besser im Dunkeln. So blieb die Stimmung zwar gut, aber nicht ausgelassen. Sicher
werde ich die Band bald auch mal in einem Club live erleben.
Insanity Alert
Die österreichischen
Thrasher von Insanit Alert waren nun genau der richtige Wachmacher. Das Motto «Alles
Kaputt in einer Minut» ist sowas auf den Punkt. 50 Minuten Moshpits, Humor und
Fun Thrash der Marke. Titel wie «Bohemian Moshedy» oder «Run To The Pit»
reichen eigentlich aus um das Meh Suff zu einer einzigen Partywiese zu verwandeln.
Dazu sorgten die Aufforderung auf dem Laufschrift Display für einige Lacher: «Death
To Toblerone», «Wo sind die Hände?», «MOSH!». Dazu der charmante Tiroler Dialekt
von Sänger Heavy Kevy der mit seinem derben Humor und seinem Hawaiihemd Comedy
pur ausstrahlte. Musikalisch gehörten die Jungs nicht zu den besten Bands, aber
in Sachen Spass waren sie ganz vorne.
Kalmah
Apropos musikalisch:
Das schlicht «Kalmah» betitelte, letztjährige Album der finnischen Melo-Deather
landete in meiner Bestenliste weit oben. Gegenüber der Darbietung von Insanity
Alert war das musikalisch eine Offenbarung. Die Performance war routiniert und
absolut auf den Punkt, aber der Funke wollte irgendwie nicht so ganz auf die
Meute überspringen. Insgesamt war es trotzdem ein kurzweiliger, solider Gig.
Paradise Lost
Die Briten sind
auch schon über 35 Jahre im Geschäft und wissen genau, wie man das Publikum mitnehmen
kann. Mit einer ausgewogenen Setlist (klar das «As I Die» nicht fehlen durfte!)
wurden Paradise Lost dem Status eines CO-Headliners absolut gerecht. Die Bühne
wurde dabei in mächtig Rauch gehüllt, was in
Verbindung mit der Lightshow die Atmosphäre generierte, welche zur melancholischen
Musik perfekt passte. Persönlich hätte ich natürlich nur zu gerne ein, zwei
Songs vom «Gothic» Album gehört, aber denoch war das eine coole Show.
Overkill
Jetzt war
die Lust bei mir gross nach einer echten Thrashkeule. Und wer wäre dafür mehr
als prädestiniert als Overkill? Stilgerecht in grünem Licht getaucht betraten
Blitz, D.D. Verni und ihre Mitstreiter die Bühne um sie 60 Minuten später mit
der Gewissheit zu verlassen, dass man die Fans begeistert hat. Highlight war
natürlich wieder einmal «In Union We Stand», aber auch das letztjährige,
sackstarke Album «Scorched» kam zu Ehren. Die Amerikaner wurden ihrem Status
als Headliner absolut gerecht und wohl nicht nur ich hätte der Band noch etwas
länger zugehört.
Vreid
Tja, nach dem Headliner ging es aber noch weiter und auch wenn sich die Reihen wieder etwas lichteten, durften die Norweger von Vreid vor einer beachtlichen Kulisse loslegen. Zugegeben, ich habe mich bisher kaum mit der Band beschäftigt, aber nach diesem Konzert werde ich nicht darum herumkommen, denn Vreid legten einen beachtlichen Gig hin. Getragen von der immer noch beachtlichen Publikumsmasse und der packenden Atmosphäre wurde der melodische Black Metal zu einem wahren Genuss.
Les Projets d’Athéna
Mittlerweile
war es schon weit nach 1 Uhr als das Duo aus Frankreich die Bühne betrat. Nach
Vreid verliessen zwar viele das Festivalgelände oder liessen den Abend im Fest-
oder im 90er Zelt ausklingen, aber ein paar Hartgesottene wollten sich das Spektakel
nicht entgehen lassen. Die Band hat nämlich einen echten Roboter als
Schlagzeuger, welcher auch die Intros spricht. Durchaus speziell ist auch das
Gemisch aus elektronischen Metal, Industrial, Death und Groove Metal. Dazu
kommt erschwerend dazu, dass die Klarstimme von Frontfrau Audrey, sagen wir mal
gewöhnungsbedürftig ist. Kein Wunder hatten es das Duo schwer für Stimmung zu
sorgen.
Samstag
Ernte
Den Auftakt
zum zweiten Tag markierten die Black Metaller von Ernte. Eigentlich handelt es
sich ja nur um ein Duo, welches live aber zum Trio mit Drummer mutiert. Musikalisch
hat man internationales Niveau, aber auch die ganze Ästhetik und das Bühnebild
wusste zu gefallen. Genau wie Causam am Vortag bewiesen auch Ernte das wir in
der Schweiz eine hervorragende und aktive Szene haben. Ein starker Gig einer
hoffnungsvollen Band.
Knife
Bei der
nächsten Band wusste ich genau was mich erwartet. Räudiger Black Thrash und
eine gnadenlos mitreissende Live Performance. Das haben Knife schon oft bewiesen
und auch heute hat die Band abgeliefert. Spielfreude, unbändiger Bewegungsdrang
und eine klare Ansage gegen Faschismus und ihre Mitläufer (natürlich auch gegen
die Wahlen im Osten und einer gewissen Partei). Tja und wer Songs wie «White
Witch – Black Death» oder «Black Leather Hounds» im Repertoire hat, der kann
auch beim Meh Suff für ein begeistertes Publikum sorgen. Saustark!
Epicardiectomy
Die Tschechen
präsidierten mit Clayton Meade einen neuen Sänger, allerdings weiss ich nicht
ob er nur für Liveauftritte am Mikro steht. Gemäss den sozialen Medien traten
die Brutal Death Musiker noch nie vor einem grösseren Publikum auf. Auch wenn
der eintönige Gesang nicht mein Geschmack traf, sorgte die Band für mächtig
Bewegung im Publikum.
Requiem
Seit über 25
Jahren lärmen Requiem schon durch die Schweizer Metalszene und gehören somit zu
den Routiniers. Wer auf klassischen Death Metal steht wurde an diesem Samstag
Nachmittag perfekt unterhalten. Dass die Band sich auf die Musik und nicht auf
das Optische konzentriert bewies Sänger Michi. Statt genretypisch in Kampfstiefeln
brüllte er die Songs in Flip Flops ins Publikum. Doch Requiem haben es auch
nicht nötig sich zu verbiegen. Guter und launiger Auftritt.
Virvum
Gleich nochmal
einheimisches Schaffen stand auf der Running Order. Ich kannte die Band gar
nicht und ein Blick auf die Metal Enzyklopädie brachte schnell zu Tage, dass
die Zürcher vor 8 Jahren ihr bisher einziges Album veröffentlichten. Nun, progressiver
Death Metal ist nicht gerade dazu prädestiniert für laute Begeisterungsstürme
zu sorgen, aber für einige Headbanger Momente konnten die Jungs trotzdem sorgen.
Ein solider Auftritt, aber die folgenden drei Bands sollten der Meute zeigen,
dass da noch viel mehr geht.
Ensiferum
Was für eine
Sause! Wie immer sorgten die Finnen für Begeisterung und massig Circle Pits.
Bassist Sami sprühte vor Spielfreude (wie eigentlich immer) und animierte das Publikum
zu noch mehr Lautstärke. Dazu kommt Keyboarder Pekka, der mit seiner Klarstimme
die perfekte Ergänzung zu Frontmann Petri Lindroos ist. Einige Überraschungen
fanden den Weg in die Setlist, so habe ich «Warrior Without A War» und «Axe Of
Judgement» nicht unbedingt erwartet. Schön dass man allerdings die neue Single «Winter
Storm Vigilantes» spielte. Ensiferum und
schlechte Gigs? Kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.
Emperor
Ehre, wem
Ehre gebührt! Ganze 90 Minuten standen der norwegischen Legende zur Verfügung,
mehr als jeder andere Band des Festivals. Tja wer einen Genreklassiker wie «In
The Nightside Eclipse» in der Hinterhand hat, der kann sich zurecht rühmen, zu
den grossen Bands zu gehören, auch wenn man seit 2001 kein neues Material mehr
gehört hat. Das ganze Konzert vom Emperor ist mit einem Wort ganz gut
beschrieben: Ehrfürchtig. So lässt sich die Stimmung am besten beschrieben. Die
Fans sogen den Auftritt in sich hinein und genossen die fantastische Darbietung.
Die Nordlichter wurden ihrer Reputation gerecht und lieferten einen Gig ab, der
sich in das Gedächtnis von so manchem Besucher festgebrannt hat.
Messiah
Tja,
normalerweise hat jede Band nach zwei solch tollen Gigs verloren. Nicht so die
Schweizer Kultband von Messiah. Mit dem Motto «40 Years of Thrashing Madness»
legten die Jungs einen Gig hin, der sich gewaschen hat. Mit einer Spielfreude,
die seinesgleichen sucht nahmen Messiah den Hüttikerberg in Beschlag und holten
die letzten Energiereserven aus dem Publikum. Schon im Kiff zusammen mit
Coroner, waren Messiah bärenstark und es scheint wirklich, als die Band gerade ihren
zweiten Frühling erlebt. Abriss Pur!
Rectal Smega
Als definitiver
Rausschmeisser durften um halb Zwei in der Nacht die Niederländer ihr Grind-Geprügel
loslassen. Das war natürlich um diese Zeit eine etwas undankbare Aufgabe, aber
die Protagonisten liessen sich davon nicht beirren und beendeten die Meh Suff
Ausgabe 2024 mit einem soliden Auftritt, auch wenn sie in meiner persönlichen
Hitliste nicht einen Spitzenplatz belegen. Das war aber nach solch starken Bands
und Konzerten auch nicht zu erwarten.
Fazit
Den Gang zu
meinem ersten Meh Suff Festival bereue ich keineswegs, im Gegenteil. Ein
fantastischer Open Air Abschluss mit Wetterglück und geiler Mucke. Was will man
mehr? Meine musikalische Top 5 des Festivals waren Overkill, Knife, Ensiferum,
Messiah und Causam. Die positive Überraschung das Echo vom Aathal, welches
bestens unterhalten hat.
ECHO VOM AATHAL








































































































































































































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