Alphabet

Desaster - The Arts Of Destruction



Release Info: 2012 - Metal Blade - Full Length
Band Info: Deutschland - 1988 - Black Metal
Bewertung: 8


Songs:

1. Intro
2. The Art Of Destruction
3. Lacerate
4. The Splendour Of The Idols
5. Phantom Funeral
6. Queens Of Sodomy
7. At Hell's Horizon
8. Troops Of Heathens, Graves Of Saints
9. Possessed And Defiled
10. Beyond Your Grace
11. Outro

Zwischen 2007 (dem Jahr, in dem Desaster ihr sechstes Studioalbum „Satan’s Soldiers Syndicate“ veröffentlichten) und 2012 (dem Erscheinungsjahr von „The Arts of Destruction“) feierten die deutschen Blackened-Thrasher von Desaster ihr zwanzigjähriges Bestehen mit der Veröffentlichung eines Kompilationsalbums und ausgiebigen Tourneen. Ansonsten herrschte jedoch eine unangenehm lange Zeit Stille um die Band. Im Februar 2012 dann endlich veröffentlichten Desaster ihr lang erwartetes neues Material. „Satan’s Soldiers Syndicate“ zu übertreffen, war eine schwierige, aber nicht unmögliche Aufgabe. Ist es ihnen gelungen? Finden wir es heraus.

Was macht ein Desaster-Album aus? Ist es eine Sammlung fast identischer, schneller Songs zwischen Intro und Outro, wie Statler & Waldorf (die beiden alten Herren vom Balkon der Muppet Show) vielleicht sagen würden? Natürlich würde die Fangemeinde der Band (mich eingeschlossen) widersprechen, denn eines kann man Desaster sicherlich nicht vorwerfen: immer wieder denselben Song zu schreiben. Sie sind nicht Toxic Holocaust, um Himmels willen! Und auf ihrem siebten Album beweisen sie, dass sie nicht nur großartige Songs, sondern auch fesselnde Alben schreiben können. Der Opener und (fast) Titelsong beginnt ähnlich wie „Satan's Soldiers Syndicate“ mit einem sehr dynamischen, prägnanten Riff. Doch diesmal ist von Thrash keine Spur – es ist purer Black Metal, wo brutales Hämmern auf schaurig-melodische Gitarrenklänge über dem Hauptriff trifft. Wir hören sogar Odins Bassgitarre, was immer ein nettes Extra ist. Wird dieses Album noch extremer als SSS?

Die Antwort ist nein. Es gibt einige brutale Tracks auf dieser CD – zum Beispiel „At Hell's Horizons“, das der schwedischen Schule des Blackened Death Metal zuzuordnen ist (Necrophobic-Fans hier?), oder „Troops of Heathens, Graves of Saints“ – ein schneller Black-Metal-Song mit einer Thrash-Bridge. Oder „Beyond Your Grace“, mit Gastauftritt von Marc Grewe (Morgoth), der wohl Death-Metal-lastigste Song, den Desaster je gemacht hat. Dank des mittleren Tempos und der prägnanten Riffs erinnern uns nur die melodischen Gitarren daran, dass wir hier kein Album von Asphyx oder Benediction hören. Ach ja, und er enthält einen typischen Desaster-Moment, in dem sie das Metronom ignorieren, was ich persönlich ziemlich amüsant finde. (Kein Overkill-Humor, fürchte ich.)

Die restlichen Songs auf „The Arts of Destruction“ sind jedoch anders. Da wären zunächst die beiden Thrash-Kracher „Lacerate (With Rays of Doom)“ und „The Splendour of the Idols“. Beide zeichnen sich durch zahlreiche Tempowechsel aus, was sie deutlich unterhaltsamer macht als die übrige Diskografie von Desaster. Ersterer erinnert mit seinem Anfang und dem an Alex Skolnick erinnernden Gitarrenspiel von Infernal etwas an Testament, während letzterer noch etwas wilder daherkommt. Dann folgen zwei düstere Stücke: „Phantom Funeral“ (ein getragener, doomiger Song mit vielen klaren, melodischen Gitarren und Sataniacs Gesang, der an Melodic Rock grenzt; außerdem der einzige Desaster-Song mit einem richtigen Musikvideo) und „Possessed and Defiled“, das mehr Aufmerksamkeit verdient. Mit achteinhalb Minuten Spielzeit und komplexen Akkordfolgen ist es womöglich Desasters grandiosester Song überhaupt. Bevor Sataniac (nach der 3-Minuten-Marke) mit seinem unverkennbaren Kehlkopfgesang einsetzt, entsteht der Eindruck, ein Primordial-Track habe sich versehentlich auf dieses Album verirrt. Der Song basiert auf zwei Haupt-Riffs: einem melodischeren, progressiven und einem aggressiveren, tighteren, die sich abwechseln und schließlich ineinandergreifen. Infernals Gitarrenspiel glänzt hier und da, und der Song verströmt einen Hauch von Rotting Christ (aus der Triarchy of the Lost Lovers- bis Genesis-Ära). Eine wahre, großartige Hymne. Und schließlich gibt es noch „Queens of Sodomy“ – einen mitreißenden Hardrocker mit sexbesessenen, anzüglichen Texten (eine Anspielung auf „Angelwhore“?), der für den nötigen Ausgleich sorgt.

Das Endergebnis? Ein Volltreffer, und zwar einer, der dem Nagel auf den Kopf trifft. Desaster haben es nicht nur geschafft, Satan's Soldiers Syndicate zu übertreffen, sondern auch ihr bestes Album seit Divine Blasphemies aus dem Jahr 2002 zu veröffentlichen. Auf „The Arts of Destruction“ klingen sie erstaunlich frisch – die Brutalität wurde durch Innovation ergänzt, und die fünfjährige Pause zwischen „SSS“ und „TaoD“ nutzte die Band, um ihre Kompositionen zu perfektionieren, die durchdacht und ausgefeilt klingen. Die Produktion ist absolut erstklassig: brutal und doch kristallklar, holt sie das Beste aus Desaster heraus. (METAL ARCHIVES)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Popular Posts