1. Middle-Earth
Mit «Come Shadow Of My End» kehren MOONGATES GUARDIAN zu ihrem ursprünglichen Sound zurück. Das Album wirkt in seiner Ausrichtung vertraut, unterscheidet sich jedoch in der Umsetzung.
Skilar, der kreative Kopf hinter dem Projekt, beschrieb es als bewusste Rückkehr und nicht als Neuerfindung. Die Absicht war nicht, sich von der Identität der Band zu lösen, sondern sie wiederherzustellen: "Das vorherige Album unterschied sich stark vom Rest unseres Katalogs. Mit diesem Album kehren wir zu unseren alten Wurzeln zurück." Die Rückkehr der Band ist spürbar, doch sie wählt diesmal einen anderen Ansatz. Das Songwriting wirkt im Vergleich zu früheren Alben deutlich gestrafft und weniger ausschweifend - reduzierter, aber gezielter. Die mittelalterliche, mythische Atmosphäre bleibt erhalten, wird aber nicht durch überladene Arrangements erzeugt, sondern durch klare, direkte Kompositionen.
Das Album lebt von dieser Balance: Die Gitarren tragen die Stücke, liefern sowohl Drive als auch emotionale Tiefe und führen die Arrangements an. Die Keyboards setzen punktuelle Akzente, wenn auch zurückhaltender, und sorgen dort für jene mythische Dimension, die den Sound der Band seit jeher auszeichnet. Das Album besteht aus sieben Titeln. Ab dem ersten Song «Middle-Earth» wird der Hörer in eine Landschaft aus Nebel, kalter Luft und mittelalterlichen Klängen entführt. Die Strukturen des Albums steigen an, brechen zusammen, gruppieren sich neu und steigen wieder an. Dabei werden Kontraste eher als stilistisches Mittel denn als Verzierung eingesetzt. Textlich wird das Album, mit Ausnahme des Titelsongs, von Tolkien und mythischen Bildern dominiert.
Die Themen aller Songs, mit Ausnahme des Titelsongs, sind wie immer bei Moongates Guardian von Tolkien inspiriert. Die lyrischen Motive reichen von Gondor und den Nazgûl über Saurons Herrschaft bis hin zu dunklen Skizzen von Mittelerde. Skilar schrieb fast alle Texte selbst, wodurch das Album einen einheitlichen Ton und eine einheitliche Perspektive erhält. Der Titelsong «Come Shadows Of My End (feat. Adamantum)» hebt sich in seiner Herkunft ab, nicht jedoch in seiner Stimmung. Er basiert auf dem Dichter John Dowland aus dem 16. Jahrhundert und hat keine Verbindung zu Tolkien, passt aber dennoch vom Geist her dazu. Skilar erklärt die Aufnahme des Songs ganz einfach: "Er hat nichts mit Tolkiens Welt zu tun, passt aber perfekt zum Album."
Das Stück beginnt mit traurigen Orgelklängen und langsamen, schattenhaften Keyboard-Klängen, bevor es in ein sehr spezielles Gesangs-Duett übergeht. Dieses zählt zu den denkwürdigsten Momenten des Albums. Adamantum singt den ersten Teil mit einem hallenden Chor im Hintergrund, dann Skilar, der diesmal auch alle Vocals übernommen hat, ein und führt den Song in härtere Gefilde. Der Gesangswechsel hat die gleiche emotionale Wirkung wie Nick Caves tragische Single «Where The Wild Roses Grow» aus dem Jahr 1995 - ein düsteres, theatralisches Duett, in dem Schönheit und Bedrohung keine Feinde, sondern Komplizen sind. Andere Tracks wie «Empire Of The Death» bauen sich langsam auf: Skilars raue Stimme schwebt über drückenden Midtempo-Gitarren, bevor der Song wieder in die zentrale Riff-Idee übergeht.
«The Riders Of The Mark» wechselt zu einem Marsch-Rhythmus mit deutlich mittelalterlichem Einfluss: melodisch, aber unerbittlich. Der Song erinnert an Bewegung und Krieg ohne Spektakel. Das Album funktioniert am besten, wenn man es danach beurteilt, was es tatsächlich liefert: Intensität, Struktur, Atmosphäre und Kontrast. Es ist nicht unvorhersehbar in seiner Identität, aber effizient in seiner Wirkung. Es vermeidet Übertreibungen, bleibt emotional kühl, aber fesselnd und treu der Welt, in der es sich bewegt. Ein starkes Album für Fans, die atmosphärischen Black Metal mit Fokus auf Riffs und einem Fantasy-Rahmen ohne unnötige Verzierungen wollen. (METAL FACTORY 9,6 / 10)


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