Wer sich in der Schweizer Metal-Szene tummelt, sollte FABIENNE ERNI kennen! Sie hat 2017, ohne eigene Band oder Metal-Erfahrung, den Sprung ins kalte Wasser gewagt, als sie den Folk-Metallern Eluveitie beitrat. Mittlerweile nimmt man ihre weibliche Stimme als etwas wahr, das locker in der Lage ist, Menschenmengen mitzureissen und alte Geschichten traummalerisch zu erzählen.
Mit diesem Rückhalt, und im Rahmen ihrer Masterarbeit, folgte 2019 die Gründung der Band Illumishade und nun tritt Fabienne Erni erstmals unter ihrem eigenen Namen ins Rampenlicht. «Starveil» ist ein gelungenes Konstrukt aus Ernis eigener Klangwelt. Die 13 Songs verweben moderne Metal-Heavyness mit filigranen Folk-Strukturen, cineastischer Atmosphäre und organischer Instrumentierung. Der Fokus liegt aber stets auf Fabiennes vielfältiger Stimme, die mal kraftvoll und dramatisch, mal zerbrechlich und schmerzlich intim daherkommt.
«Starveil» ist kein ein Konzept-Album im klassischen Sinne, funktioniert aber dennoch als fortlaufende Geschichte. Die Tracks enthüllen nach und nach Fragmente eines eigenen Universums und arbeiten mit Symbolik, Andeutungen sowie einer sogar erfundenen Sprache, die sich wie ein versteckter roter Faden durch die Platte hindurchzieht. Schnell wird deutlich, dass dieses Album Zeit braucht, denn beim Nebenherhören gehen viele schöne Details verloren. Wer sich diesem Werk bewusst widmet, wird dafür auch belohnt.
Fabienne Erni ist nämlich erstmals nicht "bloss" Band-Sängerin, sondern Produzentin ihres persönlichen Statements. Deutlich hört man ihre Faszination für Kontraste: schwere Riffs neben Stille, Monumentalität im Wechsel mit Intimität und Emotionen sind kein Effekt; sie sind der Kern! Fabis musikalische Einflüsse rühren von mehreren Lebensabschnitten her: vom Musiktheater und der Filmmusik über das Studium in Kopenhagen und Zürich bis hin zu den Weltbühnen mit Eluveitie. Diese enorme Bandbreite an Musik ist tief in «Starveil» verankert.
Trotz ihres teilweise wahnwitzigen Tourplans ist das Album kein Nebenprojekt, das lieblos zwischen die Tourneen gequetscht wurde, sondern ein Album für Menschen, die fühlen wollen. Dies zeigt sich auch am Gastbeitrag von Lena Scissorhands, die bei «Ritual» ihren ganz persönlichen Stil einbringt. Durch «Starveil» kehrt die Sängerin und Multi-Instrumentalistin nun ihren Bands keineswegs den Rücken, sondern erlaubt sich endlich, neue Bühnen zu erobern und für sich selbst gehört zu werden. (METAL FACTORY 8,5 / 10)


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen