Wenn ich im Geiste die Diskografie der Briten WINTERFYLLETH durchgehe und dabei meinen Fokus auf die Artworks lege, verspüre ich eigentlich bei jedem Album ein Gefühl der Ausgeglichenheit und Unerschütterlichkeit. Malerische, in sich ruhende Landstriche - mal durch Fotografie, mal durch Pinselstrich umgesetzt -, die Reminiszenzen des Vergangenen und die Anmut der Natur illustrieren. Dass das Quintett mit diesem Stil, dieser Tradition nun bricht und seinen neunten Ableger atmosphärischen Black Metals stattdessen von einem brennenden Wald umrahmen lässt, der auf den ersten Blick vielleicht noch generisch erscheinen mag, auf den zweiten aber, zweifelsfrei konsequent in seiner Schlichtheit und Bildgewalt, längst schon mahnend ein Konzept andeutet, ist keine Zufälligkeit. Denn "The Unyielding Season", so der Titel, konfrontiert Hörerinnen und Hörer mit einer Realität, die von steter Unruhe, wachsenden Krisen und tobenden Kriegen gezeichnet ist - aber auch mit dem Angebot der Rebellion und des Zusammenfindens.
Wie genau Letzteres zu interpretieren ist, muss schlussendlich die oder der Einzelne für sich selbst entscheiden, da WINTERFYLLETH weiterhin nicht davon absehen, ihre Themen in historisch geprägte Metaphern zu hüllen, und ich an dieser Stelle auch keine möglicherweise beeinflussenden Eindrücke wiedergeben möchte. Dass in diesem Album jedoch (auch) der Geist der Revolte und die Anklage über die Abkehr von der Natur resonieren, kristallisiert sich in den gut 65 Minuten Spielzeit deutlich hörbar heraus. Selten klangen WINTERFYLLETH so aufrührerisch wie zum Auftakt ("Heroes Of A Hundred Fields") oder wütend wie im Glanze der Flamme des Verderbens. Gezügelt werden diese lodernden Wogen von den gewohnt melancholischen Wesenszügen, die aus "A Hollow Existence" und "Towards Elysium" sprechen und weiterhin auch den akustischen Einspieler "Unspoken Elegy" sowie den Epilog "Where Dreams Once Grew" zieren.
Bei all der Loyalität, die WINTERFYLLETH dabei dem eigenen künstlerischen Rahmen entgegenbringen, wird es der aufmerksamen Öffentlichkeit aber auch nicht entgehen, dass "The Unyielding Season" nicht so schroff und direkt wie sein Vorgänger wirkt, sondern vereinzelt auch warme Akzente wie beispielsweise im Titelstück setzt, die auch dem Musikerzirkel der amerikanischen Kaskadenkette entspringen könnten und zusätzlich ein Gran Post-Black-Melancholie ausstrahlen. Außerdem wird es - zumindest gefühlt - auch durch ein etwas präsenteres Keyboard inszeniert, welches nicht nur den ausgedehnten Prolog eines "In Ashen Wake" erzählt, sondern auch immer wieder die dichten Klangwälder erleuchtet (z.B. "Echoes In The After"), die zuvor durch die Gitarren gesetzt wurden.
Die Welt ist am Scheideweg, WINTERFYLLETH sind es nicht. Sie müssen sich nach den Besetzungswechseln an der Lead-Gitarre zwar immer wieder sammeln, bleiben sich im Kern aber treu und halten ihren qualitativen Standard fast schon beängstigend mühelos. Wenn "The Dark Hereafter" also Dan Capps Prolog zu "The Reckoning Dawn" war, dann kann dieselbe Analogie auch auf Russell Dobson und dessen Sprung von "The Imperious Horizon" zu "The Unyielding Season" angewandt werden. Trotz der Tatsache, dass sich stilistisch wenig verändert, was ich im Übrigen positiv werten würde, wird man auf dem neunten Werk der vereinten Königlichen sporadisch auch die angesprochenen Momente erleben, die einem im Kontext WINTERFYLLETH nicht alltäglich erscheinen. Damit ordnet sich "The Unyielding Season" bei mir genau zwischen den beiden Vorgängern ein und kann mit Fug und Recht als Black-Metal-Jahreshöhepunkt betitelt werden. (STORMBRINGER 4,5 / 5)


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