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Live: Def Leppard im Hallenstadion



Def Leppard - Extreme
Freitag 19.06.2026 - Hallenstadion


Väterchen Wetter meinte es an diesem Freitag alles andere als gut mit den zahlreichen Def Leppard Fans, welche das Hallenstadion fast ausverkauften. Der letzte, eigene Headliner-Gig fand 2006 im Volkshaus (!) statt, nachdem die Jungs in den Achtzigern immer wieder im Hallenstadion auftraten. Eine lange Durststrecke, auch wenn die helvetischen Fans 2019 am "Rock The Ring" und 2023 in der "Stockhorn Arena" in Thun in den Genuss der Engländer kamen. In meinen Augen stand der "taube Leopard" nun endlich wieder dort auf der Bühne, wo er hingehört. 

Nachdem zuerst nicht Band-Shirts, sondern Regenschirme gekauft wurden, goss es wie aus Kübeln. Wir kamen dem Stadion trotzdem rechtzeitig näher und waren gespannt wie ein Pfeilbogen, was uns die 1977 gegründete Truppe präsentieren würde. Doch bevor Def Leppard auf die Stage stiegen, sollten es Extreme sein, welche den Fans einen gebührenden Einstieg besorgten. Da mein Mitstreiter mit dieser Combo seine liebe Mühe hat (politisch sehr korrekt ausgedrückt), übernahm ich somit den Einstieg. Anschliessend ist es Major Rönu, der uns mit «Photograph's» Augen mitteilt, wie steil «Rocket» stieg. (tin)

 

Extreme

Ganz ehrlich bin ich mir nicht sicher, ob es nun eine Nuno Bettencourt Solo-Show war oder doch Extreme als Band auf der Bühne waren. Der Gitarrist stand auf jeden Fall im Mittelpunkt. Nicht nur wegen seines erhabenen Gitarrenspiels, sondern auch deshalb, weil seine zwei Solo-Parts einen grossen Zeitfaktor der Show der Truppe aus Boston einnahm. "How many guitar players are here tonight? That's what I see from the stage" sagte Nuno und zeigte sich als Fan mit verschränkten Armen auf der Brust. Der Lacher war auf seiner Seite, wie auch das Mitsingen bei «More Than Words», die Millionen 90er-Ballade der Amis. "We need your voices. This is a duet between my brother and me".   

Der Gitarrist bedanke sich bei Def Leppard für die Möglichkeit den Support zu spielen und bei Ozzy für seinen Einfluss. Kurzerhand wurde am Schluss ein Medley aus «I Don't Know», «Bark At The Moon» und «Crazy Train» dargeboten. Daneben waren es das funkige «Get The Funk Out» und das wunderschöne «Hole Hearted», welche die Def Leppard Fans begeistern konnten. Dennoch schien das Material von Nuno (dem Alleinunterhalter), Sänger Gary Cherone (der sich gerne vor dem Drummer auf den Steg legt), Bassist Pat Badger und Schlagzeuger Kevin Figueiredo zu komplex zu sein, denn eine richtige Party-Stimmung wollte nicht aufkommen. Da halfen auch die sehr agile Bühnen-Performance von Gary oder das unermüdliche Antreiben von Nuno nichts.

Die grosse Party startete erst mit Def Leppard, die auch Rönu wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern konnte. Meine unermüdlichen Motivations-Versuche (mit tänzelnden Einlagen oder wildem Applaudieren), aus unserem Burgdorfer doch einen kleinen Extreme Sympathisanten zu machen, scheiterten kläglich. Roxx kann dies bezeugen. Also, mein Lieblings-Gallier, wie waren Def Leppard, lass es uns wissen?! (tin)

Setliste: «Decadence Dance» - «#REBEL» - «Rest In Peace» - «Play With Me» - «Hole Hearted» - «Midnight Express» - «More Than Words» - «Flight Of The Wounded Bumblebee» - «Get The Funk Out» - «RISE» - «I Don't Know/Bark At The Moon/Crazy Train (Ozzy Osbourne Covers)»

Def Leppard

Die Initialzündung: Wie ein Walkman mein Leben veränderte

Ich glaube, jeder Metalhead erinnert sich an diesen magischen Moment, als er oder sie zum ersten Mal mit harter Musik in Berührung kam. Bei mir war das während einer Landschulwoche. Wir wollten – rebellisch, wie wir waren – die Nacht zum Tag machen. Um nicht vor den Augen des Lehrers einzuschlafen, hörte ich Musik auf meinem Walkman (für die jüngeren Leser: bitte kurz googeln). 

Damals war ich noch nicht sonderlich musikaffin und gab mich mit der Standard-Ware Marke Jennifer Rush, Tina Turner oder EAV zufrieden. Doch dann gaben meine Batterien den Geist auf. Ich fragte einen Schulkollegen, ob ich sein Gerät ausleihen dürfe. Was ich dann da zu hören bekam, war «Pyromania» von Def Leppard. Das haute mich schlichtweg aus den Socken und mein „Gspänli“ ahnte damals wohl nicht, was er damit in mir auslöste – «Pyromania» ist bis heute eines dieser Alben für die einsame Insel geblieben. 

Visuelles Spektakel und ein holpriger Start

Trotz dieser tiefen Verbundenheit lag mein letzter Besuch eines Def Leppard Konzerts gefühlte Ewigkeiten zurück; damals tourten die Jungs mit dem «Adrenalize»-Album. Umso mehr freute ich mich auf diesen Abend – auch wenn die Vorband überhaupt nicht mein Ding war und es wohl auch nie sein wird. 

Pünktlich um 21:00 Uhr starteten Def Leppard in ihre 105-minütige Show. Das Bühnenbild war imposant: Eine riesige, dreieckige Traverse, die über den Musikern thronte, war der absolute Blickfang. Auch die Lasershow war beeindruckend, allerdings – und das klingt jetzt vielleicht widersprüchlich – war es auf der Bühne phasenweise zu dunkel. Wie heutzutage bei vielen Grossbands üblich, gab es riesige Screens, auf denen auch Live-Bilder der Musiker übertragen wurden. 

Der Opener «Rejoice» war allerdings nicht die glücklichste Wahl, um die Stimmung von der ersten Sekunde an zum Kochen zu bringen. Doch mit «Animal» und «Let’s Get Rocked» fand die Band zum Glück schnell in die Spur zurück. 

Licht und Schatten

Die Setliste ist ja bekanntlich immer ein Streitpunkt und sorgt regelmässig für Diskussionsstoff – schlussendlich ist das reine Geschmackssache. Für mich persönlich gab es an diesem Abend zwei Kritikpunkte: Die beiden Cover-Versionen von Depeche Modes «Personal Jesus» und David Essex' «Rock On» waren aus meiner Sicht völlig überflüssig. Die Band hat nun wahrlich genügend eigene Hits im Repertoire. Zudem fand ich es schade, dass es von den grandiosen ersten drei Alben gerade mal drei Songs in die Auswahl geschafft haben. 

Gab es sonst noch etwas zu bemängeln? Nun, der Gesang von Frontmann Joe Elliott hat sicher etwas an Kraft verloren – aber hey, der Mann ist mittlerweile 66! Dafür bewies er echtes Gespür für Fannähe: Bei «Rock On» stand Joe plötzlich singend mitten auf der Sitzplatz-Tribüne und während «Slang» wanderte er geradewegs durch den Golden Circle. Apropos Golden Circle: Ich werde mich wohl nie mit solchen Absperrungen und Klassentrennungen anfreunden können, aber Def Leppard stimmten mich dafür bei den Merchandising-Preisen wieder gnädig. Vierzig Franken für ein Shirt ist bei Shows dieser Grössenordnung heutzutage eine rühmliche Ausnahme. 

Ein eingespieltes Uhrwerk

Stimmungsmässig erreichte die Show mit den Zugaben «Hysteria» und «Pour Some Sugar On Me» den absoluten Siedepunkt. Aber auch «Photograph», untermalt mit nostalgischen Szenen aus den Achtzigern auf den Screens, war schlicht grossartig. Dass die Jungs mittlerweile seit 1992 in der exakt gleichen Besetzung unterwegs sind, merkte man zu jeder Sekunde. Da passte wirklich jeder Ton, und die Briten präsentierten sich auf der Bühne als absolute Einheit. 

Ich glaube zwar nicht, dass dieser Gig es in meine persönliche Top-10 schaffen wird, aber es war dennoch ein rundum gelungener Abend. Eine wunderbare Zeitreise in die Geschichte einer Band, die den Stadion-Rock in den Achtzigern in völlig neue Sphären lenkte. (rön) 

Setliste: «Rejoice» - «Animal» - «Let's Get Rocked» - «Personal Jesus» - «Bringin' On The Heartbreak» - «Switch 625» - «Just Like '73» - «Rocket» - «Rock On» - «White Lightning» - «Slang» - «Promises» - «Armageddon It» - «Love Bites» - «Rock Of Ages» - «Photograph» -- «When Love And Hate Collide» - «Hysteria» - «Pour Some Sugar On Me»


Def Leppard

 





































 


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