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Live: Finsterforst in der Met Bar


Finsterforst - Tylangir
Samstag 20.06.2026 - Met Bar


Eine Plattentaufe an sich, ist für eine Band schon etwas Besonderes, aber wenn man dann vor einer ausverkauften Location seine neuen Songs darbieten kann, dann ist das wohl unbeschreiblich. So dürften sich die Walliser Tylangir gefühlt haben, welche als Special Guest niemand geringeres als Finsterforst präsentieren konnten. Überhaupt ist da im grossen Kanton ‘ännet em Lötschbärg’ im Moment etwas Grosses am Entstehen.

In der Woche vor der Plattentaufe kamen Tylangir sogar im Schweizer Fernsehen, für eine Metalband nun wahrlich nicht alltäglich. In der legendären Met Bar war also Full House angesagt, bei einer Aussentemperatur von über 30 Grad würde das eine – im wahrsten Sinne des Wortes – heisse Angelegenheit geben. Das wurde es auch, weil beide Bands an diesem Abend trotz Hitze Vollgas gaben und so dafür sorgten, dass die Schweisstropfen nur so flossen. Pünktlich um 20:30 ging es dann endlich los und die Walliser setzten zum Triumphzug an. 

Tylangir 

Schon das Intro verzauberte mit einer mystischen Atmosphäre: Während Juliana und Sam, gehüllt in Kapuzenüberwürfe, mit langen Ästen im Takt auf die Bretter klopften, vertrieb Sänger Lukas mit einer Räucherschale die bösen Geister. Auch visuell bot die Bühne einiges fürs Auge: Neben einer riesigen Harfe zog vor allem das Hackbrett sofort die Blicke auf sich. 

Musikalisch bewegen sich Tylangir mit ihrem Folk Metal in einer ähnlichen Liga wie die Genre-Größen Excelsis oder Eluveitie. Allerdings schlagen die Walliser durch spürbare Black-Metal-Einflüsse phasenweise deutlich härtere Töne an als die altgedienten Vorbilder. Mit dem Titeltrack des neuen Werkes «Där Totutanz» startete die Band wahrlich fulminant in den Abend. Die Stimmung im Saal war phänomenal und steigerte sich in einer dynamischen Wechselwirkung zwischen Band und Publikum immer weiter. Lukas feuerte die Menge unermüdlich an und bedankte sich sichtlich gerührt für das ausverkaufte Haus. Diese ansteckende Spielfreude übertrug sich sofort – als Zuschauer konnte man die Show einfach nur noch genießen. 

Nach vier Songs des neuen Albums versammelte sich die Band im Halbkreis, in dessen Mitte plötzlich Gevatter Tod höchstpersönlich mit einem Totenschädel erschien. Nacheinander gossen die Bandmitglieder eine Flüssigkeit in das Knochengefäß, aus dem der Tod anschließend einen tiefen Schluck nahm. Nach einer kleinen Feuershow zauberte der Sensenmann wie aus dem Nichts die neue CD aus dem Schädel – großes Kino! 

Was Tylangir besonders auszeichnet, ist der geschickte Einsatz traditioneller und altertümlicher Instrumente. Ob Hackbrett, Bouzouki, Flöten, Klanglöffel oder eine Pferdeschwanzhaar-Harfe: In jedem Song gab es akustische Schätze zu entdecken. Diese Instrumente fungierten keineswegs nur als nettes Beiwerk, sondern verliehen den Songs echte Tiefe und die richtige Würze. In Kombination mit den walliserdeutschen Texten wirkte die gesamte Show absolut stimmig. 

Gegen Ende des Sets durften neben dem neuen Material natürlich auch die Klassiker nicht fehlen: Hits wie «Där Rollibock», «Tylangir» oder «D’alt Schmidja» wurden von den Fans euphorisch gefeiert. Sucht man nach dem berühmten Haar in der Suppe, ließe sich höchstens bemängeln, dass der Gesang streckenweise etwas zu leise abgemischt war. Das tat dem Abend jedoch keinen Abbruch: Tylangir sind definitiv auf dem besten Weg, die nächste große Folk-Sensation zu werden! 

Setlist: «Där Totutanz» - «Där Nattrufluach» - «Där Lämmärgeiär» - «Johänneli Fii» - «Där Wolfsritt» - «Tylangir» - «D’alt Schmidja» - «Där Rollibock» - «Z Värloru Tälli» 

Finsterforst 

Auch im Hause Finsterforst herrscht Aufbruchstimmung, denn Ende Juli erscheint das neue Baby namens «Still». Still, wird das Album allerdings nicht, die beiden Singles knallen im typischen Stil der Schwarzwälder durch die Boxen. Nach dem überzeugenden Auftritt der Eidgenossen war es an Finsterforst, die Stimmung aufrecht zu halten. Das gelang Ihnen gut, kein Wunder denn die epischen Arrangements sind purer Genuss. Das typische Merkmal, die Chöre in den Refrains, kamen zwar nicht ganz so mächtig rüber wie auf den Tonträgern, aber sie waren trotzdem klar zu vernehmen. 

Im Gegensatz zu Tylangir, verzichteten die Deutschen auf irgendwelche Show Elemente, obschon die ausufernden Songs durchaus auch genug Stoff für Ideen liefern sollten. Trotzdem war die Stimmung auch jetzt noch ausgelassen und man sah auch das eine oder andere Gesicht der Walliser inmitten der Fans. 

Was Finsterforst von vielen Genre-Kollegen abhebt, ist ihr Mut zu überlangen, progressiven Songstrukturen. Meisterwerke wie «Mach Dich Frei» oder «Wut»- entfalteten live eine fast schon hypnotische Wirkung. Die Doublebass hämmerte wie ein unaufhaltsamer Bergsturz, während die Gitarrenwände eine epische Melancholie erzeugten. Ein absolutes Highlight waren die vielstimmigen, hymnischen Klargesänge. Wenn die Truppe zu den epischen Refrains ansetzte, hat das etwas Erhabenes. 

Als der letzte Ton verhallt war und die Band die Bühne verliess, blickte man in viele verschwitzte aber glückliche Gesichter.  Finsterforst haben einmal mehr bewiesen, dass sie live eine absolute Bank sind. Ein monumentaler Abend voller Heaviness, Atmosphäre und purer Spielfreude! Danke Tylangir! Danke Finsterforst!

Tylangir



































Finsterforst




































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