Das grösste Fragezeichen wurde bereits
im vor dem Konzert diskutiert. Ist das noch Foreigner oder ist es eher eine
Coverband? Schliesslich stand auf dieser Tour kein einziges Gründungsmitglied
auf der Bühne. Mick Jones gehört zwar noch zur Besetzung, kann aber aufgrund
seiner Parkinson Krankheit nicht mehr live auftreten. Trotzdem waren die
bisherigen Kritiken sehr gut und am Ende des Tages ist ja keiner gezwungen,
sich Karten zu kaufen.
Auf jeden Fall war das Hallenstadion
sehr gut gefüllt, allerdings war das Konzert bestuhlt, so dass es etwa 5000
Zuschauer gewesen sein dürften. Ebenfalls schön, dass die Halle klimatisiert
war, weshalb die über 30 Grad Aussentemperatur einigermassen egal waren.
Jefferson Starship
Mit «We Build This City» und «Nothing’s Gonna Stop Us Now» haben Jefferson Starship auch bei uns grosse Erfolge feiern können. Wobei der Bandname aufgrund rechtlichen Gründen auch mal nur Starship oder Jefferson Airplane hiess. Überraschend rockig legte die Band mit «Find Your Way Back» los. Sängerin Cathy Richardson war bestens bei Stimme und ein Aktivposten der Band. Doch das war kein Vergleich zur Leistung von Gründungsmitglied David Freiberg. Der Mann ist unglaubliche 87 Jahre alt und rockt die Bühne als gebe es nichts einfacheres. Respekt!
Das bestuhlte Konzerte im Rock für den Arsch sind – man verzeihe mir die Ausdrucksweise – bewies das Schweizer Publikum leider an diesem Abend. Erst beim Megahit «We Build This City» kam so etwas wie Stimmung auf. Ansonsten genossen die sitzenden Fans die Show eher still. Etwas seltsam fand ich auch, dass die Band anfangs mit zwei Gitarren und Bass auf der Bühne stand, bei den grossen Hits sangen Freiberg und Richardson plötzlich nur noch eine Gitarre zu hören war. Insgesamt kann man Jefferson Starship trotzdem zu einem wirklich guten Auftritt gratulieren.
Setlist:
«Find Your Way Back» - «Stranger» - «Winds Of Change» - «Count On Me» - «Miracles»
- «White Rabbit» - «Nothing’s Gonna Stop Us Now» - «We Built This City» - «Jane»
- «Jet Pack» - «Fooled Around And Fell In Love» - «Somebody To Love»
Foreigner
Wer im Jahr 2026 ein Konzert von Foreigner besucht, betritt eine Zeitkapsel, die erstaunlich staubfrei geblieben ist. Auf ihrer aktuellen Welttournee zum 50. Bandjubiläum beweist die Formation, dass alternde Rockhymnen nicht zwangsläufig wie Museumsstücke klingen müssen – selbst wenn sich das Personalkarussell über die Jahrzehnte radikal gedreht hat und mittlerweile der vergleichsweise junge Luis Maldonado am Mikrofon steht.
Das Konzert verzichtet auf langes Vorgeplänkel. Mit den ersten Akkorden von «Double Vision» und «Head Games» wird sofort klar, dass die Band auf maximale Energie und die grössten Smash Hits setzt. Besonders auffällig ist die physische Präsenz auf der Bühne: Hier wird nicht steif herumgestanden, sondern gerannt, gesprungen und das Publikum von der ersten Sekunde an animiert. Habe ich das träge Publikum schon erwähnt? Es dauert bis «Urgent», ehe es zu Standing Ovations kommt. Der Clou: Das ikonische Saxophon-Solo wird hier teilweise auf einer Keytar performed – ein optischer Kniff, der die angestaubte Achtziger-Attitüde elegant in die Gegenwart katapultiert.
Foreigner jagen an diesem Abend wirklich einen Radio-Klassiker nach dem anderen durch die Boxen. Songs wie «Feels Like The First Time» oder «That Was Yesterday» transportieren genau die richtige Portion nostalgische Euphorie. Ausserdem erwähnte Sänger Luis dass die Fans sich auf einen Film zum 50. Jubiläum freuen dürfen.
Den Wendepunkt zur vorher Ekstase bringt Urgent. Der Clou: Das ikonische Saxophon-Solo wird hier teilweise auf einer Keytar performed – ein optischer und akustischer Kniff, der die angestaubte Achtziger-Attitüde elegant in die Gegenwart katapultiert. Nach dem unverzichtbaren «Juke Box Hero» verlassen Foreigner die Bühne. Doch selbstverständlich können die Altmeister das Konzert nicht so beenden wie Luis danach erklärt. Er sei schon auf dem Weg zum Bus gewesen, als er ins Gesicht von Jeff Pilson geschaut habe und daraus zu lesen war, dass das Zürcher Publikum noch mehr brauche.
Der emotionale Höhepunkt der Show folgt dann auch noch. Wenn bei «I Want to Know What Love Is» das Licht gedimmt wird, zeigt sich die zeitlose Qualität dieser Musik: Da singen Menschen Zeilen mit, die doppelt so alt sind wie mancher Besucher im Innenraum. Mit dem finalen Kracher «Hot Blooded» entlässt die Band eine sichtlich zufrieden Menge in die Nacht.
Fazit: Foreigner im Jahr 2026 ist eine perfekt geölte Rock-Maschine. Trotz der Tatsache, dass kein Gründungsmitglied auf der Bühne war, liefern sie genau das, was die Menschen nach 50 Jahren erwarten: Den perfekten Soundtrack für einen Abend voller musikalischer Nostalgie.
Setlist:
«Double Vision» - «Head Games» - «Cold As Ice» - «Waiting For A Girl Like You»
- «Women» - «That Was Yesterday» - «Feels Like The First Time» - «Urgent» - «Juke
Box Hero» - «Long, Long Way From Home» - «I Want To Know What Love Is» - «Hot
Blooded»
Jefferson Starship
Foreigner



















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