Als 1978 das Debütalbum der australischen Hardrock-Legenden Rose Tattoo erschien, hinterließ es eine Schneise der Verwüstung. Produziert vom legendären Vanda/Young-Duo (Harry Vanda und George Young, die auch den frühen Sound von AC/DC prägten), fing die Scheibe die rohe, ungebändigte Energie der Kneipen- und Biker-Szene Sydneys perfekt ein. Wo AC/DC mit Augenzwinkern und Riff-Präzision punkteten, traten Rose Tattoo die Tür mit geballter Faust ein: Das ist kein polierter Arena-Rock, das ist echter, schmutziger Straßen-Rock-’n’-Roll. Das Album startet ohne Umschweife mit „Rock 'n' Roll Outlaw“ – einer Hymne, die das Lebensgefühl der Band in unter dreieinhalb Minuten auf den Punkt bringt. Treibende Rhythmen, messerscharfe Slide-Gitarren von Mick Cocks und Pete Wells und mitten drin die unverkennbare, reibungstätige Stimme von Frontmann Angry Anderson. Anderson klingt hier nicht wie ein geschulter Sänger, sondern wie ein Mann, der gerade eine BarscRangelei überlebt hat und nun am Mikrofon seine Geschichte erzählt. "Nice Boys" schaltet noch einen Gang höher. Ein rasend schneller, rotziger Punk-Rock-’n’-Roll-Bastard, den später sogar Guns N’ Roses (auf ihrer Live ?!@ Like a Suicide*-EP) coverten. Der Refrain "Nice boys don't play rock 'n' roll" ist schlicht ikonisch. Mit „One of the Boys“ und „The Butcher and Fast Eddy“ beweisen Rose Tattoo ihr Talent für Storytelling aus der Unterschicht und der Gang-Kultur, ohne je gekünstelt zu wirken. Gibt es Schwachstellen? Wer nach komplexen Songstrukturen, virtuosen Soli oder tiefgründiger Balladenkunst sucht, ist hier an der falschen Adresse. Das Album zieht ein einziges Tempo und ein klares Schema durch: laut, direkt und ohne Schnörkel. Doch genau das ist seine größte Stärke. Es gibt keinen Filler auf diesem 10-Song-Standardwerk. Das Debüt von Rose Tattoo ist ein meisterhaftes Stück australischer Musikgeschichte. Es ist die perfekte Brücke zwischen klassischem Heavy Blues, rotzigem Pub Rock und der aufkeimenden Punk-Welle Ende der 70er. Ein absolutes Pflichtalbum für Fans von AC/DC, Motörhead, Airbourne und kompromisslosem Rock ’n’ Roll.
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