Als Scarred for Life im Jahr 1982 erschien, standen die australischen Outlaw-Rocker von Rose Tattoo an einem Scheideweg. Nach dem rohen, kompromisslosen Debüt (Rose Tattoo, 1978) und dem aggressiven Nachfolger (Assault & Battery, 1981) lag der Druck auf den Musikern, den internationalen Durchbruch zu schaffen. Die Lösung? Ein Sound, der etwas polierter war als zuvor, ohne dabei die charakteristische Dreckigkeit und Straßen-Attitüde der Band einzubüßen. Das Ergebnis ist ein Album, das genau die perfekte Balance zwischen hymnischen Hooklines und knallhartem Rock ’n’ Roll findet. Scarred for Life klingt wie eine Kneipenschlägerei kurz vor Sperrstunde, die plötzlich in einer Stadionhymne endet. Der ikonische, glatzköpfige Frontmann rotzt und schreit sich mit gewohnter Leidenschaft durch die Tracks. Seine Stimme klingt wie ein schmirgelndes Kettensägenblatt, transportiert aber gleichzeitig eine erstaunliche Dosis an Seele. Die Slide-Gitarre von Pete Wells und die Rhythmusarbeit von Mick Cocks geben dem Album seinen unverwechselbaren bluesigen Anstrich. Der Ton ist fett, drückend und durchtränkt von verzerrtem Blues-Geist. Scarred for Life ist vielleicht nicht ganz so primitiv und gefährlich wie das Debütalbum von 1978, aber handwerklich und songtechnisch bildet es den absoluten Höhepunkt der klassischen Rose Tattoo-Besetzung. Es ist das Bindeglied zwischen australischem Pub-Rock und dem Glam/Sleaze Metal, der wenig später in Los Angeles explodieren sollte (kein Wunder, dass Bands wie Guns N' Roses Rose Tattoo als riesigen Einfluss nannten). Wer auf ehrlichen, unpolierten Hard Rock mit fetten Slide-Gitarren und Ecken und Kanten steht, kommt an diesem Album nicht vorbei.
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