1. The Call Of Love
Mit „Fire & Ice“ legt die norwegische Sängerin Issa ein Album vor, das tief im klassischen AOR und Melodic Rock verwurzelt ist, ohne sich ausschließlich auf nostalgische Effekte zu verlassen. Die elf Songs wurden von Tom und James Martin geschrieben und produziert, die bereits für Issas früheres Schaffen eine wichtige Rolle gespielt haben. Herausgekommen ist eine Platte, die große Melodien, markante Gitarren und reichhaltige Keyboard-Arrangements miteinander verbindet.
Schon der Albumtitel bringt das musikalische Konzept ziemlich gut auf den Punkt. „Fire & Ice“ lebt von Gegensätzen: kraftvolle Rockmomente treffen auf gefühlvolle Passagen, moderne Synthesizer auf klassische AOR-Strukturen und große Refrains auf atmosphärische Strophen. Issas Stimme steht dabei konsequent im Mittelpunkt. Sie verfügt über genau jene kraftvolle, klare Gesangsfarbe, die im melodischen Rock besonders gut funktioniert und auch bei opulenten Arrangements nicht untergeht.
Der Einstieg mit „The Call Of Love“ setzt direkt auf Atmosphäre und große Melodiebögen. „Stranded“ schlägt anschließend eine etwas dynamischere Richtung ein, bevor der Titelsong „Fire & Ice“ das zentrale Spannungsfeld des Albums musikalisch aufgreift. Besonders interessant ist, dass die Platte nicht ausschließlich auf ein einziges Klangbild setzt. Neben traditionellem AOR finden sich auch stärker dramatische und modernere Elemente.
Ein Höhepunkt dürfte „Pay The Price“ sein. Der bereits veröffentlichte Song bündelt viele der Eigenschaften, die „Fire & Ice“ auszeichnen: breite Keyboardflächen, Gitarren, Chorgesang und einen auf Wirkung angelegten Refrain. Der Titel macht deutlich, dass Issa weiterhin auf die großen Gesten des Genres setzt – allerdings mit einer Produktion, die deutlich im Hier und Jetzt steht.
Spannend ist auch „Bullet On The Road“, das sich stärker an der theatralischen Seite des Rock orientiert. Demgegenüber verspricht „Running From The Night“ mit seinem Synthwave-Einschlag einen stilistischen Farbtupfer. Gerade solche Variationen verhindern, dass „Fire & Ice“ über die gesamte Spielzeit wie eine reine Zeitreise in die 1980er wirkt. Die übrigen Titel – darunter „Sea Of Desire“, „All Or Nothing“, „The Shadow Of Night“, „One Step To Paradise“ und „The Waiting Game“ – vervollständigen ein Album, das offensichtlich großen Wert auf Melodie und Atmosphäre legt.
Was „Fire & Ice“ besonders sympathisch macht, ist seine Konsequenz. Issa versucht nicht, den AOR neu zu erfinden. Stattdessen konzentriert sie sich auf die Stärken des Genres: eingängige Melodien, emotionale Gesangslinien, große Refrains und eine Produktion, die auf musikalische Größe setzt. Für Hörer, die mit dem Sound der großen Melodic-Rock-Produktionen der 1980er Jahre etwas anfangen können, dürfte das Album daher besonders interessant sein.
Unterm Strich deutet vieles darauf hin, dass „Fire & Ice“ ein überzeugendes neues Kapitel in Issas AOR-Karriere werden könnte. Die Verbindung aus ihrer ausdrucksstarken Stimme, den melodischen Kompositionen der Martin-Brüder und einer modernen Produktion verspricht einen Sound, der gleichermaßen nostalgisch und zeitgemäß wirkt. Wer melodischen Rock mit viel Gefühl, großen Hooks und einer ordentlichen Portion 80er-Jahre-Flair liebt, sollte dieses Album auf dem Radar haben.
„Fire & Ice“ ist kein Album für musikalische Puristen, die ständig nach dem nächsten Stilbruch suchen. Es ist vielmehr eine leidenschaftliche Liebeserklärung an den großen, melodischen Rock – kraftvoll gesungen, aufwendig produziert und mit genügend modernen Akzenten versehen, um nicht wie eine bloße Kopie vergangener Zeiten zu wirken. (ROCK GARAGE 8,5 / 10)


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