Harry Harrisons Stimme, die auf „The Witching Hour“ noch gut klang, kommt diesmal nicht ganz so unbeschadet davon. Ich weiß nicht, wie ich es erklären soll, aber mir scheint, er versucht einfach zu sehr, düster zu klingen und den Liedern eine dunklere Note zu verleihen, was bei Stücken wie „Holy Ground“ und dem Titeltrack ziemlich nervig wird. Der Opener gefällt mir übrigens nicht besonders: Nicht nur der Gesang lässt zu wünschen übrig, sondern die Komposition wirkt unüberzeugend und unstrukturiert, trotz einiger guter Ideen. Wenn Hank einfach drauflos singt, sind die Ergebnisse viel besser – er macht einen großartigen Job mit „Paint it Black“ von den Rolling Stones (eines der beiden Cover auf dem Album, das andere ist Robin Trowers „Shame the Devil“) und „Sticks and Stones“ (einer der Höhepunkte der gesamten CD), um nur einige zu nennen.
Trotz einiger Schwächen befand sich Witchfynde in einer äußerst kreativen Phase, was „Play it to Death“ unmissverständlich beweist. Viele der hier vertretenen Songs sind wahre Meisterwerke des Songwritings und verbinden Vintage-Doom-Rock der NWOBHM mit modernen Elementen. Hört euch beispielsweise „The Darkest Places“, „Three Wise Monkeys“ und die exzellente, grandiose Halbballade „Love Like Sin“ an (auch Harry Harrison liefert hier übrigens eine gute Performance ab). Montalo zeigt, was für einfallsreicher Gitarrist er ist, mit vielen interessanten Riffs und Harmonien, und ich liebe den Basssound von Pete Surgey auf dieser Aufnahme: wuchtig, intensiv, voller Energie und Präsenz. Schlagzeuger Gra Scoresby wusste sein Handwerk wie immer perfekt zu beherrschen, daher wird seine souveräne und kraftvolle Performance keinen NWOBHM-Fan überraschen.
Alles in allem ist „Play it to Death“ ein Album, das bei Witchfynde-Fans sicher regelmäßig laufen wird. Gelegenheits-Heavy-Metal-Hörer werden ihm vielleicht keine Chance geben, aber ich bin mir sicher, dass diese Musiker unabhängig von allem anderen mit Begeisterung ihrem Ding nachgehen – und das ist, wie ich finde, sehr respektabel. Seit „Play it to Death“ sind ohnehin wieder sieben Jahre Stille vergangen, und ich denke, es ist an der Zeit für ein neues Album. Viele Fans sind jetzt sicher noch gespannter, da Luther Beltz seine Differenzen mit den anderen beigelegt hat und wieder am Mikrofon steht, nachdem Harry Harrison Ende 2008 aus gesundheitlichen und persönlichen Gründen ausgestiegen war. Lang lebe Witchfynde! (Ihr dachtet doch nicht etwa, ihr kommt ohne das Album davon?). (METAL ARCHIVES)


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