Es ist der Hartnäckigkeit und der
Motivation von Veranstalter Marcus Hänisch zu verdanken, dass es überhaupt noch
zu einer vierten Ausgabe kam. Die vorherigen Konzertabende wurden trotz musikalischer
Highlights zu einem finanziellen Minusgeschäft. Doch der sympathische Fan des
FC Schalke 04 liess sich nicht beirren und wie sein favorisierter
Fussballverein konnte er dieses Jahr endlich Erfolge einfahren. Der Vorverkauf lief
so gut wie noch nie und am Ende war der Sternensaal trotz vieler alternativer
Möglichkeiten wirklich gut gefüllt.
Neben Roxx und seinem Metal Factory Stand waren dieses Jahr auch Metal Storm Concerts und Asgard Hass vor Ort, weshalb die Fans sich auch ordentlich mit Fanartikeln und Tonträger eindecken konnten. Es war für mich persönlich wieder ein Treffen mit vielen bekannten Gesichtern. Auch die Tatsache, dass sämtliche Bands keine Berührungsängste hatten und sich nach – teilweise auch schon vor – den Konzerten unters Publikum mischten, verlieh der ganzen Veranstaltung eine fast schon familiäre Atmosphäre. Den Auftakt zu diesem grandiosen Metal Fest machten die Lokalmatadoren von Face The End.
Face The End
Das Quartett aus Zollikofen hatte ich bereits im vergangenen Jahr beim Metal Marmot in Frutigen auf dem Schirm, im Wissen dass ich sie am heutigen Abend wiedersehen würde. Damals, als Rausschmeißer nach den mächtigen Suicidal Angels, konnten sie mich noch nicht restlos überzeugen. Auch heute blieb der ganz große Funke bei mir persönlich aus – was jedoch keineswegs an der Performance der Truppe lag. Dass mir Hardcore schlichtweg nicht zusagt, kann man der Band schließlich kaum zum Vorwurf machen. Einzig beim Michael Jackson-Cover von „Beat It“ suchte ich schleunigst das Weite; beim „King of Pop“ rollen sich mir schlichtweg regelmäßig die Zehennägel hoch.
Dennoch: Es waren vor allem die thrashigen Fragmente in den Songs von Face The End, die durchaus zu gefallen wussten. Auch im Austausch mit den Fans vor Ort war der Tenor eindeutig: Die Berner kamen überraschend gut an, selbst bei der Fraktion, die sonst eher auf der traditionellen Schiene unterwegs ist.
Für den sympathischsten Moment des Gigs sorgte Sänger Matt: Nach einem Verspieler von Gitarrist Hauser unterbrach er kurzerhand das Set und quittierte die Leistung trocken mit einem herzhaften „Läck, isch das scheisse gsi!“. Man wollte die Nummer dann doch lieber noch einmal korrekt abliefern – Authentizität pur. Face The End verstanden es prächtig, die Stimmung anzuheizen. Die Buchung der Band war goldrichtig, denn hier trafen mächtige Spielfreude auf verdammt sympathische Musiker.
Setlist:
«Come With Me» - «Pretended» - «Ich Vermisse Dich» - «Forsaken» - «Here We Go»
- «Relationshit» - «Unleash» - «Psycho Bitch» - «Pain» - «Beat Fingerli» - «Face
The End»
Judge Minos
Optisch wie musikalisch wecken die Zürcher unweigerlich Erinnerungen an die Großtaten von Manowar, auch wenn die Kompositionen aus der Feder von Judge Minos deutlich komplexer und vielschichtiger ausfallen. Wer plumpe Mitsing-Hymnen suchte, wurde auch an diesem Abend kaum fündig; dafür kamen leidenschaftliche Headbanger bei den vertrackten, aber kraftvollen Riffs voll auf ihre Kosten.
Besonders hervorzuheben war die stimmliche Verfassung von Frontmann Hichem Selmi: Er präsentierte sich absolut souverän und „super bei Stimme“, wobei er die epischen Melodiebögen mit einer beeindruckenden Präzision und Leidenschaft meisterte. Überhaupt wirkte das gesamte Quintett hervorragend aufeinander eingespielt und agierte als eine extrem „tighte“ Einheit, die keinen Raum für Unsicherheiten ließ. Jeder Schlag saß, jeder Einsatz kam punktgenau – eine Demonstration purer Spielfreude.
Soundtechnisch hätten die Jungs zwar durchaus noch ein paar Briketts mehr vertragen können, um den epischen Wall-of-Sound vollends zu entfalten, doch das ist Meckern auf hohem Niveau. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt jedoch für die Langzeitfans: Wer die Band bereits mehrfach live erlebt hat, wartet mittlerweile sehnsüchtig auf frisches Kauf-Futter, auch wenn die Band gleich drei noch nicht veröffentlichte Songs in die Setliste aufnahm. Die bisher einzige Veröffentlichung „The Keeper Of Imbalance“ liegt nunmehr bereits sechs Jahre zurück – es wäre definitiv an der Zeit, dass die Zürcher ihr nächstes Kapitel im Studio aufschlagen.
Setlist:
«The Henchmen Of The Damned» - «Sinner’s Hymn» - «Orion» - «There Can Be Only
One» - «Nuclear Winter» - «The Deadman» - «Believe Or Die»
Amethyst
Wenn eine Band es schafft, den Geist der Ende Siebziger nicht nur musikalisch, sondern mit jeder Faser ihrer Präsenz einzufangen, dann sind es Amethyst. Bei ihrem jüngsten Gastspiel verwandelte die Schweizer Truppe den Saal in eine brodelnde Zeitkapsel. Schon beim Betreten der Bühne war klar: Hier wird Authentizität großgeschrieben. In Schlaghosen und markanten weißen Cowboystiefeln lieferten die Jungs eine optische Punktlandung ab, die sofort klarmachte, dass wir uns heute fernab von modernem Schnickschnack bewegen.
Musikalisch zelebrierten Amethyst den klassischen Metal in seiner reinsten Form. Besonders die zweistimmigen Lead-Gitarren liessen Fan-Herzen höherschlagen und weckten wohlige Erinnerungen an die legendären Harmonien von Thin Lizzy. Die Spielfreude war förmlich greifbar, und die Band agierte so tight, als hätten sie die letzten vier Jahrzehnte in einem Proberaum der NWOBHM-Ära verbracht. Was soll man bei grandiosen Songs wie «Chasing Shadows», «Rock Knights» oder «Embers On The Loose» auch anders machen, als ehrfürchtig den Sound und die Atmosphäre aufzusaugen? Einzig den Übersong «Serenade» habe ich in der Setlist vermisst.
Die tolle Stimmung im Publikum war ansteckend, doch einer stach besonders hervor: Fribi vom Outsidershop. Er war sichtlich hin und weg von der Performance und feierte jede Note, als gäbe es kein Morgen. Sein Enthusiasmus spiegelte die allgemeine Begeisterung wider: Amethyst sind aktuell wohl eine der heißesten Aktien im traditionellen Stahl-Sektor der Schweiz. Wer auf handgemachten, ehrlichen Metal mit ordentlich Retro-Vibe steht, kommt an dieser Formation definitiv nicht vorbei. Ein Abend, der bewies, dass der Geist der Endsiebziger lebendiger ist denn je!
Setlist:
«Intro» - «Into The Black» - «Stand Up And Fight» - «Nightstranger» - «Running
Out Of Time» - «Queen Of A Thousand Burning Hearts» - «Rock Knights» - «Another
Time» - «Chasing Shadows» - «Stormchild» - «Embers On The Loose»
Hellripper
Schottland hat definitiv einen neue musikalische Export-Naturgewalt: Hellripper. Der jüngste Auftritt der Speed-/ BlackMetal Band war ein absolutes Inferno, das niemanden im Sternen kaltliess, auch wenn die Temperaturen draussen am Minuspunkt lagen. Schon beim ersten Riff war klar, dass hier keine Gefangenen gemacht werden. Mastermind James McBain führte seine Band mit einer unbändigen Energie an, die das Publikum sofort in ihren Bann zog.
Vom ersten Ton an entwickelte sich im vorderen Bereich ein heftiger Moshpit, dass ich persönlich kaum dazu kam, vernünftige Fotos zu schießen. McBain selbst war ein grandioser Frontmann auf der Bühne, seine Stimme krächzte die Texte mit einer Intensität, die unter die Haut ging.
Besonders erfreulich war, wie nahtlos sich die Songs vom neuen Kracher „Coronach“ in das Set einfügten. Die frischen Hymnen wie ‘Kinchyle oder „Hunderprest“ wurden von den Fans genauso frenetisch gefeiert wie die älteren Klassiker. Hellripper bewiesen eindrucksvoll, dass sie nicht nur ein Ein-Mann-Studio-Projekt sind, sondern live eine absolute Bank. Die Musiker an McBains Seite agierten tight und spielfreudig, und der Sound war trotz der Lautstärke differenziert und druckvoll. Was Drummer Max hinter seinem Kit ablieferte, war schon fast Hochleistungssport.
Nach knapp 75 Minuten verließen Hellripper die Bühne unter tosendem Applaus, hinterlassend ein ausgepowertes, aber glückliches Publikum. Dieser Auftritt war eine Demonstration von purem schwarzer Speed Metal und ein Versprechen auf eine glorreiche Zukunft für James McBain und seine Band – ein schottisches Inferno, das die Metal-Welt im Sturm erobern wird!
Setlist:
«All Hail The Goat» - «Hell’s Rock ‘n’ Roll» - «Kinchyle (Goatkraft And
Granite)» - «The Hanging Tree» - «The Affair Of The Poisons» - «Mortercheyns» -
«Withion The Everlasting Hellfire» - «Warlock Grim & Withered Hags» - «Goat
Vomit Nightmare» - «Hunderprest» - «The Nuckelavee» - «Mainline» - «Bastard Of
Hades»
Face The End
















































































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