Du heiliges Blechle, war das ein verdammter Hitzekessel, als Mister Metal und meine Bescheidenheit aus dem wohlgekühlten Auto stiegen. Der Weg zum Z7 erwies sich anschliessend wie ein kleiner Gang durch die Vorhölle, bei dem jedem und jeder des Konzert-Publikums die Körperflüssigkeit aus den Poren fliessen liess. Dies hielt aber eine reichliche Anzahl an Besuchern nicht davon ab, sich Savatage nach einem Jahr (Komplex 457, 18.06.2025) erneut anzuschauen.
Ganz ehrlich gehöre ich zu den wenigen, die den Komplex-Auftritt und insbesondere Sänger Zak Stevens alles andere als grossartig erlebten. Eine "zu langweilige" Setliste und ein Mister Stevens, der merklich mit seiner Stimme zu kämpfen hatte, dämpften die gute Laune und hielten meine Freude stark in Grenzen. Aber an diesem Abend erreichte die Truppe tatsächlich ein bedeutend höheres Level, das auch mich mehr als nur zufriedenstellen konnte.
Im Vorprogramm standen die reformierten Amis von Nevermore, welche eine grosse Anzahl an Alt-Fans mobilisierten und mit dem neuen Sänger erstaunlich viele Pluspunkte verbuchen konnten. Nach dem viel zu frühen und tragischen Ableben von Ur-Fronter Warrel Dane im Jahr 2017 eine nicht ganz so einfach zu meisternde Situation, was aber Gitarrist Jeff Loomis und Drummer Van Williams mit ihrer runderneuerten Truppe bestens hinkriegten. (tin)
Nevermore
Mit «Beyond Within» stieg der Fünfer ins Geschehen ein und machte gleich mit einer fetten Gitarrenbreitseite (Jeff und Neugitarrist Jack Cattoi) auf sich aufmerksam. Alle Augen waren natürlich auf Neushouter Berzan Önen gerichtet. Ein Tier von einem Mann präsentierte sich mit einem Nevermore Shirt und einer wilden Haarpracht, die mit dem langen Bart unterstrichen wurde. Gesanglich präsentierte sich der aus Istanbul stammende Gesangslehrer auf absoluter Höhe und vermochte die hohen Erwartungen locker zu erfüllen.
Die Jungs präsentierten sich in bester Spiellaune, bangten um die Wette und posten immer wieder zusammen. Dabei wechselten sich böse Grimassen und ein breites Grinsen ab. Selbst unser Lektorminator stand mit einem bissigen Gesichtsausdruck sowie voller Hingabe im Publikum und feierte Nevermore voll ab. Wie viele andere im Publikum auch. Das geduldige Warten der Fans scheint sich gelohnt zu haben, präsentieren die beiden Gründungs-Mitglieder Jeff und Van doch eine Combo, welche den Spirit der alten Nevermore wahrt und dabei die nächsten Schritte in die Zukunft vornimmt. Nach 75 Minuten war Schluss und Nevermore überliessen Savatage die Bühne. (tin)
Setliste: «Intro - Ophidian» - «Beyond Within» - «Inside
Four Walls» - «My Acid Words» - «Engines Of Hate» - «This Godless Endeavor» - «Born»
- «Believe In Nothing» - «Narcosynthesis» - «Moonrise (Through Mirrors Of Death)»
- «Enemies Of Reality» - «The River Dragon Has Come» - «Sentient 6»
Savatage
Gegen Ende des Nevermore Gigs wurde es stürmisch in Pratteln und so mancher Fan wird wohl um die Fortsetzung des Konzertabends gebangt haben. Schuld daran war eine riesige Gewitterzelle, welche glücklicherweise eher über den Jura und das Mittelland zog, so dass Pratteln nur am Rand getroffen wurde. Es wäre auch eine Tragödie gewesen, denn was Savatage dann dem Publikum boten, war schlicht und einfach Weltklasse!
Kurzer Rückblick auf das vergangene Wochenende. Als grosser Running Wild Anhänger habe ich selbstverständlich am Wochenende den letzten Auftritt im Wacken Live-Stream verfolgt und danach auch noch kurz bei Sabaton vorbeigeschaut. Es ist mir ein absolutes Rätsel, dass die Schweden auf einen Keyboarder verzichten. Damit kann man bei mir gar nicht punkten. Was das mit Savatage zu tun hat? Nun, die Amerikaner verzichten nicht auf einen Keyboarder, sondern präsentierten mit Paulo Cuevas und Shawn McNair gleich zwei Tastenmänner auf der Bühne. Aus bekannten Gründen fehlte Jon Oliva, doch auch der Mastermind sollte seinen Auftritt noch bekommen, doch später mehr dazu.
Nach dem kurzen Instrumental «Morphine Child» starteten Savatage mit «Dead Winter Dead» fulminant in den Abend. Glasklarer Sound, druckvoll und mit jeder Menge Spielfreude ausgestattet – spätestens jetzt war es eigentlich jedem der Anwesenden klar, dass dieser Auftritt noch lange nachhallen wird. Wer die aktuellen Shows von Savatage miterleben darf, wird Zeuge einer eindrucksvollen Demonstration aus symphonischer Härte, perfekter Musikalität und purer Nostalgie. Die messerscharfen Riffs und virtuosen Soli von Pitrelli und Caffery erweisen dem verstorbenen Bandgründer Criss Oliva alle Ehre, während Zak Stevens stimmgewaltig und sympathisch den perfekten Frontmann mimt.
Wie bei vielen anderen grösseren Bands, setzen auch Savatage auf einen LED-Screen mit bewegten Bildern und Effekten. Da würde ich auch einen kleinen Negativpunkt anbringen wollen, weil hier meiner Meinung noch Luft nach oben ist. Wenn beispielweise beim abschliessenden Hit «Hall Of The Mountain King» psychedelische Kaleidoskop-Effekte gezeigt werden, finde ich das eher störend. Dass der Screen aber durchaus auch unterstützend und wirkungsvoll eingesetzt wurde, bewies man bei «Taunting Cobras», «Chance» oder «Believe» eindrücklich.
Der wohl bewegendste Moment des Abends fand gegen Ende des Sets statt: Für die Ballade «Believe» wird auf den LED-Videowänden jeweils Gründungsmitglied Jon Oliva am Flügel eingeblendet. Wenn die Band live zu seinen virtuellen Piano- und Gesangsspuren einsteigt, bleibt kaum ein Auge trocken. Es ist eine tief verneigende, wunderschöne Hommage an den Kopf der Band, der aus gesundheitlichen Gründen nicht persönlich mitreisen kann.
Zum Ende schalteten Savatage aber noch einmal mehrere Gänge höher. Hit-Garanten wie «Gutter Ballet» und das unbarmherzige «Edge Of Thorns» trieben die Menge zur Ekstase. Als finale Zugabe bleibt natürlich nur eine Option: «Hall Of The Mountain King» – die absolute Hymne, bei der der gesamte Vorplatz in kollektive Euphorie verfiel. Kein billiger Aufguss der Vergangenheit, sondern eine triumphale und würdige Rückkehr. Savatage beweisen damit eindrucksvoll, warum ihr zeitloses Erbe den Heavy Metal bis heute prägt. (rön)
Setliste: «Morphine Child» - «Dead Winter Dead» -
«Jesus Saves» - «Lights Out» - «Wake Of Magellan» - «Taunting Cobras» -
«Handful Of Rain» - «Chance» - «Temptation Revelation» - «Prelude To Madness» -
«Warriors» - «Sirens» - «Power Of The Night» - «Strange Wings» - «Follow Me» -
«Tonight He Grins» - «Unusual» - «The Hourglass» - «Believe» - «Gutter Ballet»
- «Edge Of Thorns» -- «Hall Of The Mountain King»
Nevermore
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