FLOTSAM AND JETSAM sind wie ein guter alter Wein und werden von Jahr zu Jahr besser. Was anhand der letzten Scheiben «The End Of Chaos» (2019), «Blood In The Water» (2021) und «I Am The Weapon» (2024) ein nicht allzu leichtes Unterfangen ist.
Doch Sänger Eric AK Knutson und Gitarrist Michael Gilbert lenken die Truppe seit 2010 wieder in die "bewährten" Gewässer, während sich die Combo in der "Gilbert-losen" Zeit (zwischen 1999 und 2010) in musikalische "Experimente" verstrickte (was nicht bedeutet, dass damals alles schlecht war!). Dies, nachdem sich die Jungs mit den beiden Überfliegern «Doomsday For The Deceiver» (1986) und «No Place For Disgrace» (1988) für alle Ewigkeit in die Herzen der Metal-Fans spielten.
Im Hier und Jetzt steht nun die sechzehnte Studioscheibe in den Startlöchern, und um es vorwegzunehmen, «Rats In The Temple» ist ein verdammter Killer geworden! Mit dem bereits als Video bekannten «Harvesting The Hate» startet die neue Scheibe. Die absolute Wunderwaffe ist und bleibt Trommler Ken Mary, der mit seinem virtuosen, dynamischen und heftigen Spiel dem Ganzen einen unglaublichen Drive verleiht. Nach wie vor ist das Gitarrenspiel von Michael und Steve Conley einen metallene Offenbarung. Was die beiden an Riffs und Solos vom Stapel lassen, sucht seinesgleichen und lässt hoffen, dass die Jungs und die Band endlich die längst verdienten Lorbeeren einsacken können.
Wer sich vom mächtigen Cover beeindrucken lässt, wird vom Inhalt noch beeindruckter sein, musikalisch wie auch textlich. Die beklemmenden Texte werden durch die handwerkliche Darbietung aber immer wieder in ein äusserst positives Licht gerückt. Hört Euch dazu «Damnation» an, eine Nummer, die dank der Rhythmik (Ken ist und bleib der Gott der Drums) und der einmal mehr sensationellen und unverkennbaren Stimme von Erik zu einem absoluten Highlight wird.
Das Quintett, ergänzt durch Bassist William Bodily, besticht durch einen unglaublichen Ideenreichtum und lässt dabei Nummern wie «The Edge Of Nowhere» (mit arabischen Klängen), «Last Rites» eine Speed Power Nummer vor dem Herrn, «A Taste For War» (mit schon fast tribalartigen Grooves) und «Anthem For The Broken» (was für eine Hymne!) zum Metal-Olymp aufsteigen und erfreut die dort ansässigen Götter nicht nur mit einem beschwingten Mitwippen, sondern auch mit einem breiten Grinsen.
Mit dem metallischen und dennoch melodischen «Not Going Down That Way» wird «Rats In The Temple» beendet und präsentiert sich so locker als Highlight von 2026. Allein der Titeltrack beinhaltet mehr musikalisches Kino, als es die angeblich besten Thrash Metal Bands heute noch umzusetzen vermögen. Die Dynamik, mit der die Jungs noch immer ans Werk gehen, sucht ihresgleichen. Der musikalische Verstand, also wie die Songs aufgebaut werden und sich mit den Texten verbinden, manifestiert den sensationellen Ruf der Musiker. Hier ist Musik noch eine Lebenseinstellung, die aus Blut, Schweiss und Tränen gebaut worden ist. Leidenschaft ist hier nicht nur eine Attitüde, sondern das Credo schlechthin. (METAL FACTORY 9,5 / 10)


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