Konzerte in der näheren Umgebung sind schon etwas
praktisches. Man kann zuhause essen, hat keinen Stress und sich um 18.30 auf
den Weg machen. Die 25 Minuten Anfahrt kann man gut verkraften und man ist auch
zu einer Uhrzeit zuhause, dass man genügend Schlaf kriegt. Tinu, welcher am
Vorabend noch bei Axel Rudi Pell zugegen war, klagte über Husten, trotzdem ging
es ihm zum Glück so gut, dass er den Abend trotzdem geniessen konnte. Um ihm
aber die Genesung zu erleichtern, werde ich den Bericht übernehmen.
Das Old Capitol war an diesem Donnerstagabend sehr gut besucht, wobei das meist ältere Publikum aus allen Schichten kam. Biker, Hausfrauen, Metaller oder Leute, welche man eher an einem Schlagerkonzert erwarten würde. Also im Prinzip die ähnliche Masse, welche man auch an Gotthard Konzerten erwarten würde. Die Bandshirts waren jedenfalls für einmal in der Unterzahl. Das Lokal war ausgezeichnet besucht, was sich insbesondere beim fotografieren bemerkbar machte, denn einen Fotograben gab es leider nicht.
Rock Out
Nicht wenige Besucher waren auch wegen Rock Out zugegen,
seit ihrem Auftritt im Schweizer Fernsehen scheint die Popularität noch
zugenommen zu haben. Mit einem brandneuen Album im Gepäck enterten die Jungs
aus dem Emmental die Bühne. Rock Out stehen für geradlinigen Hard Rock – ohne
unnötigen Schnickschnack, dafür mit umso mehr Druck. Musikalisch orientiert
sich die Band zwar nach wie vor hörbar an den grossen Vorbildern von AC / DC, aber
das war dem Publikum so ziemlich egal.
Das Publikum lässt sich von der Energie schnell anstecken.
Vor der Bühne wird mitgesungen, gebangt und getanzt, während die Band ohne
grosse Pausen durchrockt und nur durch kurze Ansagen von Sänger Florian
unterbrochen wird. Es sei Ihnen eine Ehre für Core Leoni eröffnen zu dürfen –
nun das sagt wohl jede Supportband über den Headliner, aber man nahm es den
Jungs auch ab. Die Spielfreude des Quartetts war jedenfalls ansteckend.
Trotzdem muss ich gestehen, dass Rock Out mich nicht restlos
begeistern konnten. Für meinen Geschmack, ähneln sich viele Songs vom Aufbau
her und sehr vieles erinnert immer wieder an AC / DC. Einzig «Pump It Up» hob
sich erfrischend vom Rest des Materials ab. Mit dieser Meinung war ich ganz
sicher in Unterzahl, aber das ist halt meine persönliche Sicht der Dinge. Den
Job als Anheizer erledigten Rock Out jedenfalls mit Bravour.
Setlist: «The Boys Are Back» - «American Way» - «Hit Me» -
«Stand Together» - «Let’s Call It Rock ‘n’ Roll» - «Don’t Call Me Honey» - «I
Wanna Live» - «Pump It Up» - «Dynamite»
CoreLeoni
Beim Konzertbericht von Gotthard und Krokus in Bern - verfasst damals von unserem ‘Churz &
Knackig’ Team – hätte der Eindruck
entstehen könne dass ich mit Gotthard nichts anfangen könne. Das stimmt nur
teilweise. Ich liebe die Band für die ersten drei Studioalben, danach hat sie
mich tatsächlich nur noch selten begeistern können. Die Marschrichtung in immer
softere Gefilde kam bei mir nicht gut an, aber genau da kommt CoreLeoni ins
Spiel. Leo Leoni hat die Band ja unter anderem gegründet, damit er wieder
härter rocken kann und die alten Songs seiner Band wieder live zocken zu
können. Nun hat die Band mittlerweile auch eigenes Material, welches sich
hervorragend in die Setlist fügte.
Schon der Opener «Walk On Water» sorgt für Bewegung vor der
Bühne. Druckvolle Gitarren, ein wuchtiges Schlagzeug und die kraftvolle Stimme
von Sänger Eugent Bushpepa treiben die Songs nach vorne. Mit dem grandiosen
«Standing In The Light» und «Downtown» schaffen es CoreLeoni mühelos das
Publikum von Anfang an zu packen -mit Präzision und spürbarer Leidenschaft.
Leo selber war schelmisch wie eh und je und gratulierte
gleich zwei Fans während des Konzertes zum Geburtstag, brachte diese aber
gleich in Verlegenheit, weil er beide zu einer Lokalrunde aufforderte. Das wäre
in der Tat sehr teuer geworden. Ansonsten grinste er das ganze Konzert lang
(auch wenn er meistens seine Mähne über das Gesicht hatte) und er genoss
sichtlich die Verbindung zum Publikum. Mit Jgor Gianola lieferte er sich
ausserdem so manches Gitarrenduell auf der Bühne.
Ein besonderes Wort gebührt auch Schlagzeuger Alex Motta.
Mir ist es völlig schleierhaft, wie der Kerl ohne Nackenschaden den Abend
überlebt haben soll. Nicht weil er wildbangend hinter dem Schlagzeug sass,
sondern weil sein Mikrofon quasi hinter dem Kit stand und er den Kopf jeweils
dermassen nach hinten drehen musste, das mir schon vom Zusehen die
Halsmuskulatur weh tat.
Ebenfalls nicht von schlechten Eltern war das zweigeteilte
Drum Solo. Im ersten Teil zeigte Alex seine technischen Kniffs, während er im
Zweiten zu epischer Filmmusik solierte. Eine durchaus gelungene Angelegenheit,
zumal mich Solos in der Regel eher dazu animieren die Bar aufzusuchen.
Wie schon bei Alice Cooper, der mit ‘Smells Like Teen
Spirit’ von Nirvana in seiner Auswahl eines Coversongs, sowohl bei Tinu wie
auch bei mir für lange Gesichter sorgte, fanden wir beide die Auswahl von Leo
Leoni ziemlich ‘bescheiden’. «Lady Marmelade» mit seinem weltberühmten Refrain
«Voulez Vous Couchez Avec Moi » sorgte gleich bei beiden Anwesenden für
Kopfschütteln. Derweil war das dem Saal freilich egal, sie feierten auch diesen
Song ab. Wer aber danach mit «Firedance» diesen ‘Fauxpas’ wieder wett machen
kann, der hat etliches richtig gemacht.
CoreLeoni zeigen an diesem Abend eindrucksvoll, dass die
älteren Gotthard Songs unbedingt auf die Bühne gehören und auch die neuen,
eigenen Songs grosses Potential besitzen. Dazu kommt die Klasse der einzelnen
Musiker, welche an diesem Abend eindrucksvoll zeigten, dass Hardrock ‘Made in
Switzerland’ zeitlos ist.
Setlist: «Walk On Water» - «Standing In The Light» -
«Downtown» - «Generation Rock» - «Howling At The Moon» - «Sister Moon» - «Make
My Day» - «In The Name» - «Fist In Your Face» - «Ride On» - «Let It Be» - «Let
Life Begin» - «Like It Or Not» - «Drum Solo» - «Lady Marmelade» - «Firedance» -
«Here Comes The Heat» - «Mountain Mama» - «Last Goodbye» - «Outro: Thin Lizzy –
The Boys Are Back In Town»
Rock Out












































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